Bettina Wilhelm im StZ-Gespräch „Mein Trend geht nach oben“

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Im StZ-Talk zeigte die OB-Kandidatin Bettina Wilhelm, dass sie sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt. Ein Zurückziehen ihrer Kandidatur schließt sie in jedem Fall aus – und rechnet sich gute Chancen aus.

Bettina Wilhelm erzählte im Gespräch mit dem StZ-Lokalchef Holger Gayer, dass sie in keinem Fall ihre Kandidatur zurückziehen will. Foto: Faktum/ Weise 21 Bilder
Bettina Wilhelm erzählte im Gespräch mit dem StZ-Lokalchef Holger Gayer, dass sie in keinem Fall ihre Kandidatur zurückziehen will. Foto: Faktum/ Weise

Stuttgart - Gerade mal 21 Prozent für die OB-Kandidatin Bettina Wilhelm? Klar, dass Talkmaster und StZ-Lokalchef Holger Gayer wenige Tage nach der Veröffentlichung des Ergebnisses einer von der StZ und dem SWR veröffentlichten Wählerumfrage gleich den Finger in die Wunde legte. Doch der OB-Kandidatin tat das gar nicht weh. Im StZ-Talk mit Holger Gayer zeigte sich Bettina Wilhelm siegessicher und schlagfertig. „Mein Trend geht nach oben“, sagte die Politikerin nonchalant vor etwa 80 Zuhörern.

Sie sei unter ganz anderen Voraussetzungen gestartet als die anderen Kandidaten, die teilweise schon bekannt seien und viel Zeit für ihren Wahlkampf gehabt hätten, während sie bis Ende August noch voll in ihrem Job als Bürgermeisterin in Schwäbisch Hall eingespannt gewesen sei. Jetzt sei sie noch dabei aufzuholen, meinte Wilhelm: „Mein Bekanntheitsgrad hat sich schon wesentlich gesteigert.“ Deshalb wollte die Politikerin auch auf Nachfrage von Holger Gayer nichts vom Zurückziehen ihrer Kandidatur wissen. Eine Wahlparty habe sie allerdings erst für den 21. Oktober geplant - nach einem möglichen zweiten Wahlgang, den sie für wahrscheinlich hält. „Dann wird eine große Party steigen“, war sich die Politikerin sicher.

Antworten auf soziale Fragen

Auch auf ihre gespaltene Meinung zu Stuttgart 21 angesprochen blieb Bettina Wilhelm selbstbewusst. Ja, sie habe bei der Volksabstimmung dagegen gestimmt, doch sie sehe jetzt auch Chancen durch neu entstehende Stadtquartiere wie etwa das Rosensteinviertel. „Hier muss ein Mischgebiet mit Wohnungen, aber auch Kitas und Schulen entstehen“, sagte Wilhelm. Die Bahn sehe sie als schwierigen Verhandlungspartner, meinte die Politikerin und war der Überzeugung: „Da muss man hin stehen, da darf man sich nicht abspeisen lassen.“ Sie selbst sei geeignet, zu vermitteln und zu verhandeln. „Viele Stuttgarter sagen nach dem ganzen Streit um den Bahnhof: ,Das ist nicht mehr mein Stuttgart.‘ Das Thema ist noch lange nicht verarbeitet“, meinte Bettina Wilhelm. Es müsse darum gehen, nachhaltig zu planen und nicht auf das schnelle Geld zu setzen.

Gerade in sozialen Fragen hat Bettina Wilhelm immer Antworten parat. Der Verkauf der LBBW-Wohnungen an das Konsortium Patrizia hat sie empört. „Viele Menschen müssen früher oder später jetzt ihre Wohnungen verlassen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können, das darf nicht sein“, meinte Bettina Wilhelm.

Jetzt möchte die Politikerin in ihrem Wahlkampf auf die Zielgerade einbiegen. Das siegessichere Auftreten soll keine Eintagsfliege beim StZ-Talk bleiben. Unterstützung wird sich Wilhelm am 4. Oktober von der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft holen, mit der Wilhelm ein Frühstücksgespräch im Wilhelmspalais führen will. „Wenn Sie wirklich was bewegen wollen, dann müssen Sie auch überzeugend sein.“ Sätze wie diese, die Wilhelm im StZ-Talk mit Inbrunst vorgetragen hat, scheint sich die Politikerin eine Woche vor der Wahl in ihrem Notizbuch rot angestrichen zu haben.

Stuttgart eine Nummer zu groß für sie? Da irre sich der Interviewer Holger Gayer, meinte Bettina Wilhelm. Und Wolfgang Schuster hinterlasse schließlich für jeden der Bewerber große Fußstapfen. Ihrem Konkurrenten Sebastian Turner beispielsweise räumte Bettina Wilhelm kaum noch Chancen ein, er werde die 28 Prozent der Umfrage nicht wirklich erreichen können, meinte Wilhelm. Und wenn am Ende dann sie und Fritz Kuhn ganz oben stehen? Zieht sie dann nicht zurück? Bettina Wilhelm schüttelte den Lockenkopf. Soll Kuhn dann etwa zurückziehen? „Ja!“ Und die Politikerin strahlte wieder.

Hier geht es zu den StZ-Veranstaltungen mit Hannes Rockenbauch, Fritz Kuhn (Grüne) und Sebastian Turner.