Beuren Kompetenz, vom Baum bis zum Apfelkuchen

Von  

Vor vier Wochen ist das Erlebnis- und Genusszentrum im Freilichtmuseum Beuren eingeweiht worden. Die Museumschefin, Steffi Cornelius, zieht eine positive Bilanz.

Der Esslinger Landrat Heinz Eininger (mit Schaufel) hat im Freilichtmuseum Hand angelegt. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel
Der Esslinger Landrat Heinz Eininger (mit Schaufel) hat im Freilichtmuseum Hand angelegt. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel

Beuren - Der Öhringer Blutstreifling ist, seinem bluttriefenden Namen zum Trotz, eigentlich ein Süßer. Und ein Seltener, denn sonst wäre der Apfel nicht zur Streuobstsorte des Jahres 2019 gekürt worden. Seit Samstag schlägt ein besonders schönes Exemplar auf der Obstwiese des Regionalen Freilichtmuseums Beuren Wurzeln. Bei der traditionellen Pflanzaktion hat der Esslinger Landrat Heinz Eininger die Schaufel zwar flach gehalten, den verbalen Bogen dafür umso weiter geschlagen. „Das Freilichtmuseum ist das Kompetenzzentrum für alte Sorten in der Region, vom Baum bis zum Apfelkuchen“, sagte der Kreischef, nachdem er sich den Schweiß von der Stirn gewischt hatte.

Die plakative Aussage beschränkt sich nicht mehr nur auf die Tatsache, dass in dem vom Landkreis Esslingen getragenen Freilichtmuseum allen bislang gekürten Streuobstsorten des Jahres – sieben Birnen, sieben Äpfeln, drei Kirschen und einer Zwetschge – durch Neupflanzungen Rechnung getragen worden ist. Sie transportiert auch eine über die noch lichten Kronen der Jungbäume hinausreichende Botschaft. Mit dem am 17. September eröffneten Erlebnis- und Genusszentrum trägt das Freilichtmuseum den Anspruch, das Kompetenzzentrum für alte Sorten im Land zu sein, ganz offensiv nach außen.

Positive Rückmeldungen

„Wir haben bisher von Gästen und Nutzern nur positive Rückmeldungen bekommen“, zieht Steffi Cornelius, die Museumschefin, eine erste Bilanz. In dem aus Geislingen umgezogenen ehemaligen Tanzschuppen der dort aufgegebenen Gaststätte Wilhelmshöhe wird einerseits der klassischen Wirtshaustradition gehuldigt und andererseits, mit Hilfe einer eingebauten modernen Schauküche, dem Eventgedanken der Gegenwart Rechnung getragen. „Typisches Beispiel ist ein kulinarisches Drei-Gänge-Menü, das den Teilnehmern als Bestimmungsübung vorgesetzt wird“, sagt Steffi Cornelius.

Das Format „Schaukochen“ wird auch im Museumsprogramm des kommenden Jahres seinen festen Platz bekommen. „Die Profis sind ganz im Glück“, bringt die Museumschefin die Stimmung am Kochtopf auf den Punkt. Auch, weil nicht jeder Koch dort seine eigene Suppe anrühren muss. Die Schauküche dient den mehr als 30 Partnern, die im Erlebnis- und Kompetenzzentrum an einem Strang ziehen, als Keimzelle für eine noch bessere Vernetzung. „Wir bieten unseren Partnern, ob es nun der Landfrauenverband Baden-Württemberg, die Staatsschule für Gartenbau in Stuttgart-Hohenheim oder die Initiative Slow Food ist, eine Plattform für die Zusammenarbeit“, sagt die Museumschefin. Und nicht zuletzt freuten sich auch die Besucher über die unterm Strich zwei Millionen Euro teure neue Attraktion.

Kompetenz bündeln

Der Öhringer Blutstreifling, das weiß der informierte Obst-und Gartenbaufachmann, trägt früh, reichlich und regelmäßig. Diese Eigenschaften sollen künftig auch dem inmitten eines elf Hektar großen Obstgartens am Fuß der Schwäbischen Alb gelegenen Erlebnis- und Genusszentrum als Messlatte dienen. „Wir haben hier, inmitten der größten Streuobstlandschaft Europas, auf dem Gebiet der alten Sorten viel Kompetenz. Die wollen wir in unserem Erlebnis- und Genusszentrum bündeln und so einen Beitrag für den Erhalt der Vielfalt auf der Obstwiese, im Garten und damit letztlich auch auf dem Speiseplan leisten“, sagt die Beurener Museumschefin.

Was sie nicht sagt: Wenn dann als Ergebnis­ auch noch ein schmackhafter Apfelkuchen mit den Früchten des Öhringer Blutstreiflings abfällt, ist auch dem Landrat gedient.