Es ist noch gar nicht so lange her, da sang das Duo Fluitsma & Van Tijn in den Niederlanden den Superhit: „15 Millionen Menschen auf einem kleinen Stückchen Erde. Denen schreibt man nicht vor, was sie zu tun und zu lassen haben, 15 Millionen Menschen auf einem kleinen Stückchen Erde, die steckt man nicht in eine Zwangsjacke – die lässt man so wie sie sind, lässt sie in ihrer Würde einfach leben.“ Der Song war 1996 lange der Nummer-Eins-Hit in den Charts und ist mittlerweile Kult.
Jetzt müsste er neu getextet werden. Denn seit diesem Donnerstag leben offiziell 18 Millionen Menschen in den Niederlanden. Das hat das dortige Zentralamt für Statistik (CBS) mitgeteilt. Vermutlich bekäme der Song von Fluitsma & Van Tijn heute auch einen völlig neuen Text, weniger tolerant als noch vor 28 Jahren. Denn das Wachstum von knapp drei Millionen Menschen seitdem kam weniger durch die Geburtenrate, sondern über die Neuzuwanderung von Asylsuchenden und Flüchtenden zustande.
Rund 378 000 Geflüchtete und Asylsuchende leben hier
Nach aktuellen Angaben der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR lebten Ende 2022 218 457 Flüchtlinge in den Niederlanden, die 110 000 Flüchtlinge aus der Ukraine nicht mitgerechnet. Im vergangenen Jahr 2023 kamen noch einmal 49 982 Flüchtlinge, sodass nun rund 378 000 Geflüchtete und Asylsuchende im Oranjestaat leben.
Der Zuzug von Flüchtenden, der das flächenmäßig kleine Land an der Nordsee stark fordert, löste sogar einen Regierungswechsel aus. Die Parteien, die gegen eine weitere Migration waren, gewannen im November 2023 die Wahl. Sie stellen nun eine stramme rechts-konservative Regierung, die sich eine Hauptaufgabe gestellt hat: Die Migration stoppen. Denn, so die weit verbreitete Meinung in den Niederlanden: Holland ist voll. Übervoll. Überbevölkert.
Auf 41 543 Quadratkilometern Fläche leben im europäischen Teil des Königreichs der Niederlande rund 420 Menschen pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: Die Schweiz ist mit 41 285 Quadratkilometern nur wenig kleiner als die Niederlande, zählt aber nur knapp 9 Millionen Einwohner. Im Ballungszentrum Randstad zwischen Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht sind es mehr als 1000 Menschen pro Quadratkilometer. Die Niederlande sind damit das am dichtesten bevölkerte Land Europas. Wer in Amsterdam oder Rotterdam durch die Fußgängerzone schlendert, muss aufpassen, nicht ständig im Ellenbogenkontakt mit anderen Passanten zu sein. Wer in eine Straßenbahn oder einen Zug steigt, kann sich wie in China oder Japan fühlen. Überall eckt man an. In den Zentren ballen sich die Menschen.
Erstmals die Billion-Euro-Grenze geknackt
Immerhin: Mit der Bevölkerung wächst in den Niederlanden auch die Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt hat 2023 erstmals die Grenze von einer Billion Euro geknackt. Die Niederlande sind damit hinter Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien die fünftgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone. Die Niederländer sagen daher gerne: „Wir sind das größte der kleinen Länder.“ Die EU-Kommission erwartet für 2024 für die Niederlande ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,1 Prozent.
Eine weitere Erfolgsmeldung: Die Niederlande haben es geschafft, die 110 000 ukrainischen Flüchtlinge relativ gut zu integrieren und sie größtenteils in den Arbeitsmarkt einzugliedern. 55 Prozent der ukrainischen Flüchtlinge arbeiten. Sie tragen zum Wirtschaftswachstum bei.
Mit Geflüchteten und Asylsuchenden aus den anderen Ländern ist das anders. Sie müssen überwiegend vom Staat finanziert werden. Auch das ist einer der Gründe dafür, dass die Mehrheit der Wähler für rechts-konservative Parteien gestimmt hat. Außerdem: In den Niederlanden fehlen rund 500 000 Wohnungen. Appartements und Häuser werden versteigert an den Höchstbietenden.
Die Einwohnerzahlen überraschen auch deswegen, weil das Statistikamt CBS mit seiner Bevölkerungsprognose völlig daneben lag: 18 Millionen Einwohner hätten die Niederlande demnach erst im Jahr 2034 erreichen sollen. Zum Vergleich: 1960 hatten die Niederlande nur 11,5 Millionen Einwohner.
Zahl der Einwohner wird voraussichtlich weiter zügig wachsen
Auch die neueste Prognose klingt nicht realistisch. Das CBS prognostiziert, dass die Niederlande im Jahr 2037 die Einwohnerzahl von 19 Millionen erreichen werden. Das ist vor allem deswegen unrealistisch, weil die Muslime in den Niederlanden inzwischen knapp sechs Prozent der Bevölkerung ausmachen und sie die demografische Entwicklung mit ihrem Kinderreichtum beflügeln, sodass die Zahl der Einwohner voraussichtlich weiter zügig wachsen wird – auch wenn die Migration gestoppt oder zumindest deutlich vermindert werden kann.