InterviewBevölkerungsentwicklung in Stuttgart Früher zog es mehr Menschen ins Umland

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Durch Zuwanderung und Geburten bleibt Stuttgart auch in Zukunft eine junge Stadt mit Bevölkerungszuwachs. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Thomas Schwarz, Leiter des Statistsischen Amtes, erklärt warum.

Stuttgart bleibt eine junge Stadt. Foto: dpa 2 Bilder
Stuttgart bleibt eine junge Stadt. Foto: dpa

Stuttgart - Die Einwohnerzahl in Stuttgart steigt. Bis 2030 erwarten die Statistiker einen neuen Einwohnerrekord. Fast 650 000 Menschen sollen dann in Stuttgart leben. Dabei war die Einwohnerzahl von 1970 bis 2000 gesunken. Woran das liegt, erklärt Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amtes.

Im Jahr 2018 gab es – wie 2017 – ein Plus von 2700 Einwohnern. Setzt sich das fort?

In unserer mittleren Variante der aktuellen Einwohnerprognose bis 2030 wurde eine durchschnittliche jährliche Einwohnerzunahme von 2900 vorausberechnet. Wobei das Einwohnerwachstum bis 2024 auf über 3600 ansteigt und zum Ende des Zeitraums wieder bis 2300 zurückgeht.

Was ist der Grund?

Stuttgart wächst weiterhin vor allem durch Wanderungsgewinne, aber auch durch Geburten, die die Anzahl der Sterbefälle übersteigen. Denn durch die Zuwanderung bleibt Stuttgart vorerst eine junge Stadt mit vielen Frauen im gebärfähigen Alter. Es wird vorausgesetzt, dass die relativ hohe Geburtenrate konstant bleibt und bis 2030 die Lebenserwartung der Männer um zwei, die der Frauen um 1,75 Jahre steigt.

Langfristig betrachtet ging die Einwohnerzahl von 1970 bis 2000 zurück und steigt seitdem wieder. Warum?

Hinter den gestiegenen Wanderungsgewinnen steht auch eine Wandlung hinsichtlich der Bewertung des Wohnstandortes Stadt. Während Großstädte in den 1970er bis 1990er Jahren Einwohner vor allem an das Umland verloren, deutet heute vieles darauf hin, dass urbane Zentren als Wohnstandorte ihre neu gewonnene Attraktivität behalten können. Sich ändernde Familien- und Beziehungsformen, der Anstieg von Singlehaushalten, die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen, steigende Mobilitätspreise, ein lang anhaltendes niedriges Zinsniveau und nicht zuletzt die Anstrengungen der Städte, für die Wohnbevölkerung attraktiv zu sein, haben die Nachfrage befördert und werden dies wohl auch in nächster Zukunft tun.

Woher gewinnt Stuttgart Einwohner?

Es ist davon auszugehen, dass die Wanderungsgewinne wie bisher aus dem restlichen Baden-Württemberg, den anderen Bundesländern und vor allem aus dem Ausland kommen. Neben der steigenden Arbeitskräftenachfrage gehört die gestiegene Bedeutung Stuttgarts als Ausbildungs- und Studienort zu den Hauptgründen dieser Entwicklung.




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