Bevölkerungsschutz Sprechende Sirenen warnen bald die Rutesheimer
Der Gemeinderat Rutesheim beschließt, Alarmgeräte mit Sprachfunktion anzuschaffen. Damit kann die Bevölkerung gezielter gewarnt werden.
Der Gemeinderat Rutesheim beschließt, Alarmgeräte mit Sprachfunktion anzuschaffen. Damit kann die Bevölkerung gezielter gewarnt werden.
„Bitte schließen Sie wegen starker Rauchentwicklung alle Fenster und Türen.“ So oder ähnlich könnte eine Durchsage lauten, die Bewohnerinnen und Bewohner in Rutesheim im Bedarfsfall, etwa bei einem Brand, künftig hören können. Der Gemeinderat hat jetzt beschlossen, die Sirenen, die im ganzen Stadtgebiet verteilt aufgestellt werden sollen, mit einer Sprachfunktion auszustatten. Mit reinen Sirenentönen kann man nur wenige Alarmsituationen definieren, während mit Sprachdurchsagen auch konkrete Aussagen möglich sind, sagte Martin Killinger, der Erste Beigeordnete der Stadt, dazu.
Waren Sirenen auf den Dächern öffentlicher Gebäude früher samt gelegentlichem Probealarmen üblich, so verloren sie seit den 1990er-Jahren an Bedeutung und wurden vielfach abgebaut. Auch in Rutesheim gibt es derzeit keine Sirenen mehr. Sollte es nötig sein, so Martin Killinger, müsste die Feuerwehr ausrücken, die mit Lautsprechern an ihren Fahrzeugen in den Straßen der Stadt Durchsagen machen könnte. Er könne sich aber an keinen solchen Einsatz in den letzten Jahren erinnern.
Offensichtlich hat sich in jüngerer Zeit bundesweit wieder Bedarf für eine umfassende Alarmierung der Bevölkerung in Notsituationen gezeigt, der nicht durch die Warn-Apps auf den Handys vieler Menschen gedeckt wird. Katastrophen wie die Flut im Ahrtal oder andere Krisensituationen, etwa bei Problemen mit der Energieversorgung, werden als Beispiele angeführt. Gemeinderat Ulrich Schenk (Unabhängige Bürger Rutesheim) meinte hierzu, dass es im Ort nirgends einen Bach gebe, der gefährlich werden könnte, „und wenn es mal einen Blackout gibt, kriegt man das auch so mit.“ Bürgermeisterin Susanne Widmaier wies jedoch auf die aktuelle Starkregenrisiko-Untersuchung hin, die durchaus Risiken in Rutesheim und Perouse aufzeige. Außerdem machen alle Kommunen im Landkreis mit, teils mit, teils ohne Sprachdurchsage, erklärte sie. Gemeinderat Wolfgang Diehm (Bürgerliche Wählervereinigung Rutesheim) ergänzte, dass Lautsprecherdurchsagen auch dazu dienen könnten, im Krisenfall Panik in der Bevölkerung zu verhindern.
Während der Landkreis für das kreisweite Konzept die Planungen für die Sirenen koordiniert und die Kosten dafür trägt sowie die Sirenen beschafft, müssen die Kommunen die Geräte selbst bezahlen. Für Rutesheim ergeben sich Investitionskosten von 210 000 Euro sowie laufende Kosten von 10 000 Euro jährlich. Alternativ hätte die Variante ohne Sprachdurchsage 145 000 Euro gekostet.
An acht städtischen Standorten sollen Sirenen montiert werden und zwar am Schulzentrum, am Schulzentrum, am Seniorenheim Widdumhof, am Wasserturm, an der Festhalle, am Kindergarten Scheibbser Straße, am Spielplatz im Heuweg, am alten Rathaus in Perouse sowie eine Sirene auf einem privaten Gelände im Gewerbegebiet Schertlenswald.