Bewegung in der Paketdienst-Branche Ein Bieterkampf um TNT ist wahrscheinlich

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Der US-Paketdienst UPS bietet 4,9 Milliarden Euro für den niederländischen Konkurrenten TNT. Der fühlt sich unter Wert verkauft und lehnt ab.

Korrespondenten: Helmut Hetzel (htz)
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Den Haag - Es lag schon lange in der Luft, nun liegt es auf dem Tisch: ein Kaufangebot für den niederländischen Expressdienst TNT. Die Übernahmeofferte für die TNT Express kommt vom US-Konkurrenten United Parcel Service, der neun Euro je TNT-Aktie bietet – insgesamt also rund 4,9 Milliarden Euro. Gemessen am aktuellen Börsenkurs entspräche das einem Aufschlag von mehr als 40 Prozent. TNT ist hinter UPS, Fed-Ex und der deutschen DHL das viertgrößte Unternehmen der Branche.

Doch die Kaufofferte der Amerikaner für den holländischen Konkurrenten ist nach Meinung von Branchen- und Finanzexperten viel zu niedrig. ,,Ein Preis von elf Euro oder gar zwölf Euro je Aktie wäre angebracht“, meint André Mulder, Analyst von Kepler Capital Markets. ,,Angesichts des strategischen Wertes, den die TNT Express für UPS hat, ist eine solche Bewertung durchaus realistisch.‘‘ Auch der Aufsichtsratschef von TNT Express, Anthony Burgmans, hält den gebotenen Kaufpreis für viel zu niedrig: ,,Wir haben die Kaufofferte deshalb bereits zurückgewiesen und sie als unzulänglich qualifiziert.“

Burgmans gibt ferner zu bedenken, dass es noch weitere Punkte in dem Angebot von UPS gibt, die unklar und noch zu prüfen sind. So wollen die Amerikaner offenbar keine Garantie dafür abgeben, dass der TNT-Hauptsitz nach einer Akquisition von UPS in den Niederlanden bleiben wird. Auch sollen die rund 83 000 TNT-Mitarbeiter von der UPS keine Beschäftigungsgarantie erhalten, weshalb sich auch die Gewerkschaften gegen die Kaufofferte aussprechen. Ferner hat UPS auf dem europäischen Expressmarkt bereits einen Marktanteil von rund zehn Prozent. Nach dem Erwerb von TNT Express könnte die Marktposition einer Kombination UPS/TNT in Europa zu dominant werden, so dass die EU-Kommission die Fusion möglicherweise blockieren könnte. Entscheidend aber ist die Haltung der Post NL. Denn im Zuge der Aufspaltung des einstigen niederländischen Post- und Expresskonzerns TNT im Mai 2011 in die Post NL und die TNT Express, erhielt die Post NL eine Minderheitsbeteiligung von 29,9 Prozent an TNT Express. Dieses Aktienpaket muss die Post NL nur dann zum Verkauf anbieten, wenn das Management und der Aufsichtsrat von TNT der Offerte zustimmen. Allerdings könnte die Post NL einen warmen Geldregen gut gebrauchen, insofern dürfte es ihr zupasskommen, wenn es zum Bieterstreit um TNT käme – was durchaus nicht unwahrscheinlich ist.

Denn sollte es dem Branchenprimus UPS gelingen, sich die TNT Express einzuverleiben, könnte UPS seine führende Position im Express-Sektor gegenüber Fed-Ex und DHL erheblich ausbauen. Es wird am Markt daher damit gerechnet, dass Fed-Ex möglicherweise eine höhere Offerte vorlegen wird. Ob die deutsche DHL das ebenfalls tut, ist fraglich, denn das würde sicher kartellrechtliche Fragen aufwerfen. Am Dienstag wird TNT das Jahresergebnis 2011 präsentieren und vermutlich mehr dazu sagen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt.

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