Sport- und Gymnastiklehrer Mert Yildizeli lässt die Kinder mal machen. Der Kursleiter an der Kindersportschule (Kiss) des TV Stammheim steht an einer der Seitenwände der Halle. Der 22-Jährige beobachtet das begeisterte Treiben der jungen Teilnehmer. Diese versuchen gerade mit ihren Softbällen Zielscheiben aus mehreren Metern Entfernung zu treffen. Letztere werden mit Hilfe eines Projektors digital an die Wand geworfen. Erreicht ein Ball sein Ziel, verschwindet die Scheibe und es erscheint an anderer Stelle sofort eine neue, die die Kinder im Grundschulalter mit ihren Bällen ins Visier nehmen. So werden fleißig Punkte gesammelt.
Mit rasender Geschwindigkeit und wachsender Begeisterung lösen Mika, Mattis und Leon all diese Aufgaben. Sie springen, jauchzen und freuen sich über ihre Teamleistung. Lichteffekte, Töne und Musik begleiten das Ganze. Es geht bunt, laut und interaktiv in der Halle zu: „Der Aufforderungscharakter dieser Lernspiele ist sehr hoch. Und man kann die Kinder damit sehr gut auspowern“, sagt der Kiss-Trainer. Gefragt sind nicht nur motorisches Geschick, sondern auch Konzentration, Köpfchen und schnelles Reaktionsvermögen.
Digitales Sportangebot beim TV Stammheim ist einzigartig
Manchmal gibt Yildizeli Tipps, erklärt, wie ein neues Spiel funktioniert oder stellt mit der Fernbedienung ein neues Programm ein. Aber der eigentliche Impulsgeber und Motivator bei diesem Kurs hängt an der Decke und heißt „Lü“. Der futuristisch aussehende weiße Kasten ist mit rotierenden Lichtstrahlern, zwei Lautsprechern und jeder Menge digitaler Technik ausgestattet. Hinter „Lü“ verbirgt sich ein rechenstarker Computer und ein Programm, das mit Hilfe eines Projektors ein wandhohes Bild an die schmale Frontseite der kleinen abgetrennten Halle wirft. Mit 3-D-Sensor-Technik und einer Kamera erkennt das System, ob der Softball des Spielers die richtige Stelle trifft. Gleichzeitig zählt der Computer auch die Punkte der gegeneinander spielenden Teams zusammen.
Für den TV-Stammheim-Geschäftsführer Alwin Oberkersch beinhaltet „Lü“ einen „spannenden Mix aus Lernen, motorischer Aktivität und Gaming. Die Kinder und Jugendlichen erleben immer neue Bewegungsaufgaben und steuern dabei die Spiele anstatt mit Maus, Tastatur, Controller oder Touchpad einzig und allein mit Bewegungen, geworfenen Bällen und ihrem Körper“.
Interaktiver Sport großes Thema bei Sportmesse Fbo
Diese Form des interaktiven Sportunterrichtes sei zuletzt auch auf der Sportmesse Fibo in Köln ein großes Thema gewesen, weiß Oberkersch. Was die Art der Spiele angeht, so reicht das Spektrum von Mathe-, Logik-, Geometrie- oder Geografie-Aufgaben bis zu Quiz- und Strategiespielen. Das alles wird mit Bewegungsaufgaben kombiniert und regt so Geist und Körper an. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene bis ins Seniorenalter können davon profitieren.
Stammheimer Programm einmalig in der Stadt
Momentan biete in Stuttgart lediglich der TV dieses digitale Sportangebot an, sagt Oberkersch. Das Amt für Sport und Bewegung fördere das Projekt. Maximal können acht Kinder pro Kurs mitmachen. Momentan sei „Lü“ beim TV Stammheim noch in der Erprobung, es gebe Schnupperkurse: „Wir haben noch Plätze frei“, sagt Oberkersch. Die Kurse sind donnerstagnachmittags in verschiedenen Altersstufen. Der zehnjährige Mika findet das Angebot toll: „Ballspiele machen mir ohnehin großen Spaß und das hier ist wie Handyzocken mit dem Ball.“
Weitere Informationen unter www.tv-stammheim.de/abteilungen/kiss/lue.