Bewerber für die Bundestagswahl Die Frauenquote wird weit verfehlt

540 Kandidatinnen und Kandidaten aus Baden-Württemberg gehen bei der Bundestagswahl ins Rennen. Foto: dpa
540 Kandidatinnen und Kandidaten aus Baden-Württemberg gehen bei der Bundestagswahl ins Rennen. Foto: dpa

Am 22. September ist Bundestagswahl. In Baden-Württemberg streben 20 Parteien und 540 Kandidaten nach Berlin. Davon sind aber nur 28,9 Prozent Frauen – und die wenigsten haben eine echte Chance, gewählt zu werden.

Landespolitik: Thomas Breining (tb)
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Stuttgart - Politikverdrossenheit? Die spüren zumindest nicht jene 540 Kandidatinnen und Kandidaten in Baden-Württemberg, die am 22. September in den Deutschen Bundestag gewählt werden wollen. Das sind nämlich fast 120 Bewerber mehr als vor vier Jahren, sogar 150 mehr als vor acht Jahren. Die Landeswahlleiterin Christiane Friedrich hat am Mittwoch Namen und Daten des zur Wahl zugelassenen Bewerberfeldes publik gemacht.

Die Bundestagswahl, erklärt in einer interaktiven Infografik (zum Vergrößern klicken):

Darin werden Frauen immer mehr zu einer seltenen Spezies. Auf den Landeslisten kandidieren 113 Frauen. Das sind 28,9 Prozent aller Bewerber. Vor vier Jahren waren es immerhin 33,7 Prozent. Viel mehr sind es nie gewesen, aber selbst dieser Wert blendet. Auf der Landesliste der CDU zum Beispiel wird eine Frauenquote von 43,6 Prozent erreicht. Hinter Grünen und Linken, die jeweils exakt 50 Prozent aufbieten, positionieren sich die Christdemokraten damit im Spitzenfeld.

Scheinbare Frauenfreundlichkeit

Doch muss man wissen, dass die Union so gut wie nie auf ihre Landesliste zurückgreifen muss, sondern ihre Mandate in den Wahlkreisen direkt gewinnt. Dort aber sind von 38 Kandidaten gerade mal drei Frauen: Karin Maag in Stuttgart, Annette Widmann-Mauz in Tübingen und Annette Schavan in Ulm. Das entspricht einer Quote von 7,9 Prozent. Die aussichtsreichen Posten sind also trotz verstärktem Buhlen um die Frauen bei der CDU Männersache.

Ach die FDP hält es wenig mit dem weiblichen Element. Sie bietet auf ihrer Landesliste eine Frauenquote von lediglich 21,6 Prozent auf. Die Liberalen haben sich damit immerhin seit 2009 verbessert, seinerzeit kamen sie nur auf 19,4 Prozent. Das Gegenteil gilt für die SPD. Nur 35 Prozent ihrer Landesliste besteht aus Sozialdemokratinnen, vor vier Jahren waren das schon mal 41,7 Prozent.

20 Parteien sind zugelassen

Die Gesamtmenge der Interessenten hat natürlich mit der Zahl der an der Wahl teilnehmenden Parteien zu tun. Der Landeswahlausschuss hat 20 Landeslisten zugelassen. Das sind drei mehr als 2009. Vor acht Jahren waren es „nur“ zwölf. Diese Listen sind ganz unterschiedlich bestückt. Die CDU, die eine Liste am wenigsten braucht, hat dort 55 Namen platziert. Die Rentner Partei Deutschland hat mit drei Personen die schlankste.

Wenige Parteien schaffen es, überall mit einem Direktkandidaten präsent zu sein. Nur CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke ringen in jedem der 38 Wahlkreise um Erststimmen. Die NPD ist in 35 Wahlkreisen vertreten, gefolgt von Piraten (31), AfD (23), Freien Wählern (21) und ÖDP (20).

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