Bewerbungsgespräch. Sauber und selbstbewusst

Von Leila Haidar 

Im persönlichen Termin mit Personalentscheidern kommt es neben der passenden Qualifikation auf ein positives Erscheinungsbild, Selbstsicherheit und Interesse an.

Wer es bei der Stellensuche zum persönlichen Gespräch geschafft hat, sollte sich jetzt nicht den Weg zur Traumstelle vermasseln. Gut präsentiert sich, wer den Fokus auf die passenden Eigenschaften und Kenntnisse lenkt und passend gekleidet ist. Ausbildungsleiter und Personaler sagen, worauf sie bei angehenden Azubis, Hochschulabgängern und Young Professionals im persönlichen Gespräch Wert legen und was Bewerber tunlichst sein lassen sollten.

Löcher in den Jeans gehen gar nicht

Wer voller Piercings und mit löchrigen Jeans ins Bewerbungsgespräch mit Achim Miller kommt, der hat schlechte Karten. „Bei uns sollten Jugendliche einen ordentlichen Eindruck machen“, sagt der Ausbildungsleiter bei Kleemann in Göppingen. Piercings und anderer Schmuck seien bei der Arbeit mit Maschinen einfach zu gefährlich. Im Konfirmationsanzug müssen seine angehenden Azubis aber nicht kommen. „Saubere, legere Kleidung reicht.“ Bei ihm lernen Abgänger Berufe wie Industrie- und Konstruktionsmechaniker, Anlagenmechatroniker oder Lagerlogistiker. Der Baumaschinen-Hersteller, der aktuell eine neue Lehrwerkstatt baut und in den nächsten Jahren jeden erfolgreichen Lehrling unbefristet übernehmen will, legt außerdem Wert auf ein gepflegtes Äußeres. „Die Haare sollten einen Kamm gesehen haben und das Gesicht einen Waschlappen“, sagt Miller, der in 22 Jahren Arbeit mit Schulabgängern schon einiges gesehen hat. Ein Bewerber sei einmal völlig schlammbespritzt bei ihm erschienen. Erklärung habe er dafür aber keine abgegeben.

Im Gespräch legt der Entscheider Wert darauf, dass beide Parteien zu Wort kommen. „Es gibt die Jungen mit großer Klappe, die in Verhalten und Mitarbeit aber eine Vier im Zeugnis stehen haben.“ Und der andere Fall: junge Menschen, die zu schüchtern sind, um etwas von sich zu erzählen. Ein Anwärter habe jüngst seine Mutti zum Termin mitgebracht und diese für sich reden lassen. Der goldene Mittelweg führt bei Miller zum Ausbildungsvertrag: „Zielgerichtete Kommunikation ist wichtig in unserer täglichen Arbeit. Wer das nicht kann, kommt für uns nicht infrage.“ Am liebsten sei ihm ein lockeres Gespräch, in dem der Bewerber auch von seinen Hobbys erzählt.

Absolventen sollten gut vorbereitet sein

„Wichtig ist es, sich dem Anlass angemessen zu kleiden“, sagt Personalleiter Dario Dante Oncsak von der Seifert Logistics Group in Ulm. Der Jobsuchende sollte professionell erscheinen und gleichzeitig authentisch wirken. „Wer sich bei uns vorstellt, der braucht keinen Anzug zu tragen. Aber ein sauberes und ordentliches Outfit ist Pflicht“, sagt der Logistikexperte. Gerade bei Hochschulabsolventen, die beim Familienunternehmen mit knapp 1300 Mitarbeitern und 34 Standorten schnell aufsteigen. Statt verzweifelten Verhaltens empfiehlt es sich, ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen. Eine aufrechte und selbstbewusste Körperhaltung ist der erste Schritt dazu. Statt Arroganz sollten aber Interesse und Selbstbewusstsein vorherrschen. Oncsak rät, das Verkaufsgespräch seiner selbst möglichst oft zu üben. Mit Freunden und Familie zu Hause und bei jeder sich bietenden Gelegenheit bei einem Vorstellungsgespräch in Betrieben.

Bei Seifert lohnt es sich, den Entscheider oder zumindest den Geschäftsführer zu googeln. „Harald Seifert, Inhaber und Geschäftsführer der Seifert Gruppe, ist bei uns als Person sehr präsent“, sagt der Personalchef. Es könne nie schaden, etwas über den Familienunternehmer und die Firmengruppe in Erfahrung zu bringen. „Auf keinen Fall sollten sie mit diesen Informationen zu plump oder forsch vorgehen. Es geht mehr darum, ein Gefühl für das Unternehmen und die Menschen dort zu bekommen.“

Dass er nicht unvorbereitet in einen Termin geht, beweist der Jobanwärter auch, indem er auf die Gehaltsfrage eine Antwort kennt und am Schluss des Gesprächs noch Fragen zur Firmenstruktur, zur Stelle oder zum Team hat.

No-Go für Erfahrene: zu sehr protzen

Selbst Young Professionals, die schon einige Jahre Berufserfahrung mitbringen und damit mindestens ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch hinter sich haben, sind gegen Pannen nicht gefeit. Besonders die Frage nach dem Grund des Arbeitgeberwechsels ist laut Alexander Bier von Score Personal kritisch. Der 32-Jährige vermittelt jährlich mehr als 300 Pflegekräfte in Festanstellungen und kennt die Spielchen der Personaler. „Sprechen Sie unter keinen Umständen schlecht über ihren bisherigen Chef“, rät der Experte. Wer im Vorstellungsgespräch ablästert, wirkt illoyal. Zudem könnten Gesprächspartner falsche Motive hinter der Bewerbung vermuten. Besser sei es, positiv zu argumentieren. „Stellen Sie heraus, wie Sie sich durch neue Aufgaben weiterentwickeln wollen“, schlägt Bier vor.

Ebenso unbeliebt machen sich Bewerber, die mit bisherigen Erfolgen angeben. Der Personalberater warnt: „Betonen Sie Ihre Qualifikationen, aber werden Sie dabei nicht großkotzig.“ Arroganz sei in vielen Branchen nicht gern gesehen und insbesondere in Positionen mit Kundenkontakt tabu. „Zukünftige Chefs interessieren sich nicht für jeden persönlichen Sieg“, sagt Bier. Aber: „Machen Sie anhand ausgewählter Beispiele klar, was Sie bereits geleistet haben und wozu Sie fähig sind“, empfiehlt der Personalberater. Wer dann das eigene Können noch mit dem angestrebten Aufgabenbereich verknüpft, signalisiere Ehrgeiz und Motivation.