Bewohner der Keltersiedlung in Stuttgart-Zuffenhausen planen Aktionen Aufstand gegen die Abrisspläne formiert sich

Von Georg Friedel 

Die Bewohner der Keltersiedlung fürchten, dass für sie kein Platz in dem Wohnquartier bleibt, wenn dort neu gebaut wird. Sie wollen sich mit verschiedenen Aktionen gegen die Pläne der SWSG wehren.

Bei der Versammlung der Mieterinitiative Zuffenhausen im Samariterstift Zuffenhausen zeigten  Bewohner der Keltersiedlung  Flagge und hängten Plakate auf. Foto: Georg Friedel
Bei der Versammlung der Mieterinitiative Zuffenhausen im Samariterstift Zuffenhausen zeigten Bewohner der Keltersiedlung Flagge und hängten Plakate auf. Foto: Georg Friedel

Zuffenhausen - Der Widerstand in der Zuffenhäuser Keltersiedlung gegen die Abrisspläne der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) wächst: „Wenn es sein muss, würde ich mich auch an die Heizungsrohre ketten, ich gehe hier sicher nicht raus“, sagt Verena Uhlmann. Die 28-Jährige lebt mit ihrer acht Monate alten Tochter im Haus Schöntaler Straße 9. Unter der Überschrift „Abrisswahn Stoppen! Keltersiedlung muss bleiben!“ hat sie eine Online-Petition für den Erhalt der Wohnungen gestartet.

Zum Hintergrund: Auf dem Grundstück Schöntaler, Künzelsauer und Stuppacher Straße sowie auf dem Gelände zwischen Künzelsauer und Langenburger Straße plant die SWSG, die Gebäude abzureißen: Wo jetzt 105 alte Wohnungen sind, sollen 180 neue entstehen (wir berichteten). Die alten Wohnungszuschnitte seien nicht mehr zeitgemäß, heißt es seitens der SWSG: Geschaffen werden sollen rund 90 Wohnungen, die frei vermietbar sein werden. Dafür werde die SWSG kostendeckende Mieten verlangen: „Die anderen gut 90 Wohnungen werden öffentlich gefördert sein und eine Durchschnittsmiete von etwa 7,50 Euro haben“, sagt SWSG-Sprecher Peter Schwab und betont: „Sie werden damit nicht teurer sein als die zum Abriss vorgesehenen Altbestände.“

Bewohner befürchten, dass sie ihr Heim verlieren

Ganz andere Stimmen waren bei der Mieterversammlung im Samariterstift Zuffenhausen am Dienstagabend zu hören. Die Bewohner befürchten, dass die Mieten steigen werden und dass sie ihr Heim und ihre Gärten nach dem Abriss verlieren. „Für uns gibt es nur eines: Nicht abreißen, sanieren“, sagte ein Bewohner. Horst Hölz aus der Künzelsauer Straße berichtete bei der Veranstaltung, zu der die Mieterinitiative Zuffenhausen eingeladen hatte, dass die jüngst in der Siedlung als Zeichen des Protestes aufgehängten Zettel abgerissen worden seien. „Ich hänge jeden Tag neue Plakate auf, wenn es sein muss“, sagt der 73-Jährige und zeigt schon mal einige seiner neuesten Entwürfe: „Wir danken der SWSG für das großherzige soziale Verdichtungsengagement. Wir bleiben hier, basta!“

Seit Mitte März gärt es in der Siedlung: Damals bekamen die Mieter Post von der SWSG. Ursel Beck von den Mieterinitiativen Stuttgart berichtete bei der Versammlung vor 50 Teilnehmern über den aktuellen Stand. Die Protestaktionen sollen auch auf andere vom Abriss bedrohte Quartiere, wie zum Beispiel den Block an der Wimpfener Straße ausgedehnt werden, „Im Hallschlag hatten wir neulich eine Demo mit 100 Teilnehmern“, berichtet Beck.

Kritik an den Abrissplänen der Baugenossenschaften

Aber nicht nur mit der SWSG, auch mit der Baugenossenschaft Zuffenhausen und der Genossenschaft Neues Heim gingen die Veranstalter kritisch ins Gericht. „SWSG, BGZ und Neues Heim wollen in Zuffenhausen in den nächsten Jahren 271 Mietwohnungen in Häusern mit erhaltenswerter Bausubstanz und bezahlbaren Mieten abreißen und neue Wohnungen bauen lassen. Das heißt: Mehr als 500 Mieterinnen und Mieter sollen aus ihrem Zuhause, ihrer Nachbarschaft und ihrem sozialen Umfeld herausgerissen werden“, verlas Susanne Bödecker, Bezirksbeirätin von SÖS-Linke-Plus und Mitglied der Mieterinitiative, einen Text, der bald als Flyer in 5000-facher Auflage vorliegen soll.

SWSG-Sprecher Schwab hat kein Verständnis, dass nun ausgerechnet denen, die „dank öffentlicher Förderung Neubauten mit extrem niedrigen Mieten errichten“, der schwarze Peter zugeschoben werden soll: „Die SWSG unterstützt Mieterinnen und Mieter aus der Keltersiedlung dabei, in die öffentlich geförderten Neubauwohnungen zurück zu ziehen, sofern die Voraussetzungen dafür vorliegen.“ Doch einige Bewohner scheinen bereit zum Konflikt: „Was ist, wenn wir vor Gericht gehen?“, erkundigte sich einer aus der Siedlung bei der Versammlung: „Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die SWSG eine Räumungsklage riskieren wird“, meinte Beck.

Thema wird in verschiedenen Gremien behandelt

Stadtrat Thomas Adler, der für die Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus im SWSG-Aufsichtsrat sitzt, erklärte den Mietern, dass der Gemeinderat die Änderung des Bebauungsplanes beschließen müsse. Vorher dürfe der Abriss nicht erfolgen, sagte er. Eine andere Frage sei, ob das vom Abriss bedrohte Quartier baugeschichtlich von so großem Interesse sei, dass eine Prüfung als Baudenkmal in Betracht komme. Die Mieter forderte Adler auf, in die entsprechenden Sitzungen des Gemeinderats zu kommen, um ihre Kritik an den Abrissplänen mit Plakaten zu zeigen und öffentlich kundzutun. Am kommenden Dienstag bestehe dazu vormittags im Ausschuss für Umwelt und Technik sowie abends von 17 Uhr an im Bezirksbeirat die Gelegenheit. Karl-Theo Mauer vom Amt für Stadtplanung und SWSG-Geschäftsführer Helmuth Caesar werden über „das Neuordnungs- und Modernisierungskonzept“ für die Keltersiedlung berichten. Zudem werden am 17. Juni SWSG-Verantwortliche den Jahresbericht im Ausschuss für Wohnen im Rathaus darlegen.

Inzwischen sind auch überregionale Medien auf die Situation vor Ort aufmerksam geworden: Jemand aus dem Reporterteam von ZDFzoom hat sich bei Ursel Beck gemeldet. Das ZDF wolle wohl auch am 17. Juni ins Rathaus kommen, sagt sie.

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