Beyoncé – Obamas Liebling Mehr geht nicht

Von Sebastian Moll 

Beyoncé Knowles ist die erfolgreichste Künstlerin der Gegenwart. Doch die Frau ist ein Unternehmen. Die Königin des R ’n’ B ist kaum zu fassen.

Ihre Auftritte sind stets Sexy und gewagt: Beyoncé Foto: dpa
Ihre Auftritte sind stets Sexy und gewagt: Beyoncé Foto: dpa

Washington - Es war ein etwas verwirrender Auftritt, den Beyoncé da bei den Grammy Awards im vergangenen Jahr hinlegte, so gar nicht passend zu dem, was sie gerade erreicht hatte und was sie in der Popwelt darstellt. Wie ein schüchternes Schulmädchen wirkte die Queen of R ’n’ B, während sie auf die Bühne trippelte und nur knapp ein Dankeschön an ihren Mann und ihre Fans ins Mikrofon hauchte, bevor sie sich wieder verkrümelte. Wie jemand, der gerade mehr Preise abgeräumt hatte als irgendwer zuvor in diesem Geschäft und der sich so im Olymp ihres Business festgesetzt hat, wirkte das nicht gerade. Aber es passte irgendwie zu Beyoncé Knowles, die für viele ein Enigma ist, ein wandelnder Widerspruch.

Wenn Beyoncé am 21. Januar bei der Vereidigungsfeier zu Barack Obamas zweiter Amtszeit die Nationalhymne singt, dann ist das beinahe so, als würde sie zu ihrer eigenen Inauguration singen. Wie Obama, mit dem sie und ihr Ehemann, der Rapper Jay-Z, eng befreundet sind, ist Beyoncé auf dem Höhepunkt ihrer Macht und ihres Ruhmes. Sie hat seit Beginn ihrer Solokarriere vor zehn Jahren Platten im Wert von einer Milliarde Dollar verkauft. Das „Forbes“-Magazin wählte sie neben Oprah Winfrey und Michelle Obama zu einer von nur drei schwarzen Frauen auf seiner Liste der 100 einflussreichsten Personen. Nur 14 Tage nach der Inauguration singt sie bei dem Superbowl, dem größten Sportereignis der Welt, gleich noch einmal vor einem Milliardenpublikum. Beyoncé ist auf dem Gipfel ihrer Karriere, mehr geht nicht.

Der Vater steht hinter der Karriere

Und doch gibt sie sich, anders als in der Branche üblich, zurückhaltend und bescheiden. In Interviews vermittelt sie gerne den Eindruck, als könne sie das alles nicht fassen, was ihr da widerfährt. „Ich darf gar nicht darüber nachdenken, wie viel Macht und Einfluss ich habe, das erschreckt mich“, sagte sie jüngst gegenüber „GQ“. Und: „Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich hart dafür gearbeitet habe und dass ich das verdiene.“

Hart für den Erfolg gearbeitet hat Beyoncé tatsächlich. Seit sie als Jugendliche mit ihrer Mädchenband Destiny’s Child auftrat, steuerte sie zielgerichtet auf eine Weltkarriere hin. „Ich hatte mir als Kind schon das Ziel gesteckt, mit 30 tun zu können, was immer ich will“, sagt die heute 31-Jährige, die sich vor einigen Tagen nach jahrelanger Pause wieder mit ihren früheren Gefährtinnen von Destiny’s Child zusammengetan hat. Nach acht Jahren Pause kündigten Beyoncé Knowles, Kelly Rowland und Michelle Williams am vergangenen Wochenende einen neuen gemeinsamen Song mit dem Titel „Nuclear“ an.

Den Weg für Beyoncés Weltkarriere hat ihr Vater Matthew geebnet, der von Anfang an sorgfältig den Werdegang seiner Tochter managte und vermarktete. Auch wenn er es gerne abstreitet, war Matthew Knowles stets die treibende Kraft hinter Beyoncés Erfolg.

Beyoncé ist eine Designermarke – genau wie Lady Gaga

So ist die Laufbahn von Beyoncé, wie das heute im Popgeschäft immer häufiger der Fall ist, ein minutiös von Jugend an geplantes Unternehmen. Bei Lady Gaga war das so und bei Taylor Swift, und auch Beyoncé ist eine Art Designermarke, mit einem sorgsam promoteten Image. Beyoncé ist sehr darauf bedacht, eine möglich breite Schicht von Fans anzusprechen und nirgends anzuecken. Sie ist zwar R-’n’-B-Künstlerin, doch mit den Elektropop-Anklängen und ihren blond gefärbten Haaren sucht sie ihre Fans auch weit über die schwarze Musik hinaus. Sie und Jay-Z sind zwar mit den Obamas befreundet, zu einer politischen Partei hat sie sich aber nie bekannt. Ihre Bühnenpräsenz und ihre Videos sind zwar stets sexy und gewagt, auf der anderen Seite handelt ihr letztes Album „4“ jedoch vom Familienglück, und sie spricht in Interviews von ihrer Religiosität. Sie hat sich seit ihrem Hit „Independant Woman“ ein Image als Feministin aufgebaut, gleichzeitig singt sie jedoch in „Single Ladies“ davon, dass eine Frau ohne Ehering niemals glücklich sein kann. Beyoncé ist alles für jeden.

Alles an Beyoncé ist kalkuliert. Selbst die Ehe mit Jay-Z erweckt den Eindruck eines Schachzugs. Die beiden sind das Power-Paar des Pop, die Karrieren beider Superstars haben von der Verbindung immens profitiert. Erst die Hochzeit mit Jay-Z, der von Vater Matthew das Management übernahm, hat Beyoncé in das Reich das Megaerfolgs katapultiert. Das Paar bildet inzwischen gemeinsam einen kleinen Popkonzern.

Kann sie das alles wirklich nicht fassen?

Ob sie das wirklich manchmal alles nicht fassen kann, wie sie das gerne darstellt, ist dabei schwer einzuschätzen. Durch die Marke Beyoncé zu einer authentischen Beyoncé durchzudringen ist wie auch bei den Kolleginnen Gaga und Swift nicht einfach.

Eines ist jedoch sicher: bei Barack Obama Vereidigungsfeier am nächsten Montag, im engsten Umkreis der Macht, ist Beyoncé Knowles genau da, wo sie immer hinwollte. Ganz oben.