Beyoncés „Black is King“ Schwarze Kultur war der Anfang von allem

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Der Giga-Star Beyoncé legt beim Streamingdienst Disney+ ein Visual Album vor: „Black is King“. Das mixt kühn und auch mal kitschig Black Lives matter mit Esoterik und Historie.

Im Mittelpunkt: Beyoncé Foto: dpa/Andrew White 7 Bilder
Im Mittelpunkt: Beyoncé Foto: dpa/Andrew White

Stuttgart - Black is beautiful, schwarz ist schön, die Fackel dieser Botschaft trägt Popstar Beyoncé schon lange weiter. Deren Leuchtkraft genügt aber nicht mehr, ihr neuestes Projekt, ein von Sendungsbewusstsein und Erschütterungswillen strotzender Film, heißt „Black is King“. Wie in den Topetagen des Pop mittlerweile üblich, war der ein Überraschungscoup, über Nacht plötzlich da beim Streamingdienst Disney+ – ein „Visual Album“, basierend auf Beyoncés Musik zu „König der Löwen“.

Es geht nicht um ein paar Beats und Bilder, sondern ums Ganze: um Black Lives matter, um amerikanisches Selbstverständnis, um ein globales Begreifen, wo wir alle herkommen und wem wir was zu verdanken haben. Am Anfang, so eine der Botschaften dieser Politik, Esoterik, Gangsterprotz, High-End-Schickimicki und Kulturgeschichte mixenden Erweckungspredigt in Bildern, standen schwarze Kreativität und Ästhetik.

Schwarzes Christuskind

Im Filmhit „König der Löwen“ wird vom zeitweise verloren gehenden Thronfolger des Tierreichs erzählt, der dann doch wiederkehrt, um zum Segen (fast) aller sein Erbe anzutreten. In „Black is King“ wird das ins Biblische und Kosmische ausgeweitet. Einer der afrikanischen Ahnen, Schutzgottheit im Wartestand, schwebt über der Erde, wird wiedergeboren, und nun sehen wir Erziehung und Welterkundung dieses schwarzen Christuskindes. Erzählt wird das alles in Gesangs- und Tanznummern, die mal ergreifend, mal beflügelnd, mal vergnüglich wunderlich und mal überkandidelt sind.

Bild um Bild, auch wenn die Versucher auftauchen, die eher dunklen Figuren, geht es um Empowerment, um die Selbstermächtigung der schwarzen Welt. Alle Figuren – Beyoncés Mann Jay-Z ist mit von der Partie, auch Pharrell Williams, Naomi Campbell und andere haben Gastrollen – sind überlebensgroß. Und wenn das nächste Designerkostüm der Regisseurin, Produzentin und Hauptdarstellerin Beyoncé am unfreiwillig Komischen entlang schrammt, wird das gleich vom atemberaubenden Bodypainting anderer Figuren aufgefangen. Auf dem weiten Feld zwischen Kitsch und Courage hüpfen, stampfen, säuseln und schmettern Beyoncé & Co. zumindest eine klare Ansage: Das schwarze Amerika will viel mehr als Überlebenschancen bei Polizeikontrollen.

Verfügbarkeit: Beim Streamingdienst Disney+, nur für Abonnenten




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