Beyoncés Konzertfilm „Homecoming“ Stolz aus jeder Pore

Von Kathrin Horster 

Weltweit schwärmen Kritiker und Fans: Die Musikdoku „Homecoming“ über den Coachella-Auftritt von Beyoncé ist ein Glanzpunkt in der Karriere des Megastars. Auch wir haben bei Netflix reingeschaut.

Reif für die Krönung: Beyoncé Foto: Netflix 5 Bilder
Reif für die Krönung: Beyoncé Foto: Netflix

Stuttgart - Stolz dringt aus jeder ihrer Poren: Beyoncé Giselle Knowles-Carter gehört zu den attraktivsten, erfolgreichsten, beliebtesten afroamerikanischen Sängerinnen, ein Superlativ auf zwei Beinen. Doch erst 2018 krönte sie ihre bis dahin steile Karriere mit einem Solitär: Als erste schwarze Frau bestritt sie einen Leading Act beim Coachella Festival in Kalifornien.

Stopp! Man glaubt den eigenen Ohren kaum: Soll es wahr sein, dass ein Kultfestival wie das seit 1999 etablierte Coachella in seiner bisherigen Geschichte noch keine Afroamerikanerin auf einer der fünf Hauptbühnen präsentiert hat?

Perfekte Plattform

Wer Musik und Festivals liebt, muss beschämt sein von dieser Fußnote. Schließlich verkauft das Coachella in bester Woodstock-Tradition jährlich einen drei Tage dauernden Traum von Nachhaltigkeit, Glück, Freiheit und Grenzen überschreitender Musik. Für jemanden wie Beyoncé ist das Coachella eine perfekte Plattform, wie sie in ihrer nun bei Netflix erschienenen zweistündigen Konzertdoku „Homecoming“ beweist.

Hinter dem prachtvollen, virtuos choreografierten Musikevent steckt ein inhaltlich anspruchsvolles Konzept. In „Homecoming“ ehrt Beyoncé sogenannte Historically Black Colleges and Universities, kurz HBCUs, die jungen Afroamerikanern eine Bildung ermöglichten, als Rassentrennung und systematische Diskriminierung noch Alltag waren. Erst am Ende des Films erfährt man, dass der Vater der Sängerin einst selbst eine HBCU besuchte.

Mitreißender Drive

Auf der Bühne agiert ein Heer von Tänzerinnen und Tänzern im Rahmen einer Marching Band, wie man sie als Begleitung der für US-Hochschulen so wichtigen Sportereignisse kennt. Die prägnante Bläser- und Rhythmusformation verleiht typischen Beyoncé-Hits wie „Crazy in Love“ oder „Sorry“ ein neues musikalisches Gewand. Man muss kein Fan sein, um sich vom Drive der Musik mitreißen zu lassen.

Viel eindrücklicher ist aber die Botschaft, die Beyoncé in ihrem elegant montierten, mit verschiedenen Formaten spielenden Film vermittelt: ihr Stolz auf die Musik, den Tanz und die Künste, die Afroamerikaner in den USA hervorgebracht haben. Es haut einen immer noch um, dass man das bis heute dem Publikum klarmachen muss. So stark wie in „Homecoming“ gelingt das selten.

Verfügbarkeit: „Homecoming“ ist beim Streamingdienst Netflix
abrufbar. Zusätzlich zur Konzertdoku ist ein Live-Album mit Beyoncés Coachella-Show erschienen, vorerst nur zum Download.