Bezahlbarer Wohnraum im Kreis Ludwigsburg Kommunen schaffen gemeinsam günstige Mieten

Die drei Gebäude in der Johannes-Daur-Straße 33 bis 37 im Stadtteil Korntal werden vermutlich abgerissen. Foto: Simon Granville

Immer mehr Städte und Gemeinden schließen sich der Bürgergenossenschaft Wohnen des Landkreises Ludwigsburg an. Auch Korntal-Münchingen hat große Pläne.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Bezahlbare Wohnungen sind vielerorts Mangelware. Laut der Studie „Bauen und Wohnen 2024“ des Pestel-Instituts in Hannover fehlt in Baden-Württemberg besonders viel günstiger Wohnraum: Fast 206 000 Sozialwohnungen werden gebraucht. Das Landratsamt Ludwigsburg wollte es schon vor ein paar Jahren genauer wissen: Es beauftragte im Jahr 2022 das Pestel-Institut mit einem Wohnraummonitor, um zu erfahren, wie es um den sozialen Wohnungsbau im Landkreis steht.

 

Demnach lassen die wirtschaftliche Stärke der Region Stuttgart und des Landkreises „weitere Wanderungsgewinne“ für den Raum Ludwigsburg erwarten, heißt es aus Hannover. Unabhängig von der Zuwanderung bestehe aber ein Mangel an bezahlbaren Wohnungen, und der Bestand an Sozialwohnungen sei unzureichend. Das Institut gehe von einem Wohnraumdefizit von mehr als 6000 Wohnungen aus. Zur Deckung des Wohnungsbedarfs wäre im mittleren Zuwanderungsszenario ein Wohnungsbau in einer Größenordnung von 2000 Wohnungen im Jahr erforderlich. Vor allem mangele es an bezahlbaren Wohnungen im Preisbereich von 8,50 Euro pro Quadratmeter, netto und kalt.

Erneuter Besuch in Korntal-Münchingen

Hier kommt die vor etwas mehr als zwei Jahren gegründete Bürgergenossenschaft Wohnen des Kreises Ludwigsburg ins Spiel. Sie will dauerhaft bezahlbaren Wohnraum schaffen. Dazu kooperiert sie mit immer mehr Kommunen, die Grundstücke einbringen und diese dann inhaltlich mitgestalten können. Zusammen mit der Wohnungsbau Ludwigsburg – die stellt Personal, Strukturen und Expertise zur Verfügung. Sobald die Genossenschaft 400 bis 500 Wohnungen hat, hat sie laut Andreas Veit eine eigene Ertragskraft und kann eigenes Personal stellen. Der Geschäftsführer der Wohnungsbau Ludwigsburg und Vorstand der Genossenschaft stattete dem Korntal-Münchinger Gemeinderat am Donnerstagabend einen Besuch ab. Denn auch die Strohgäu-Kommune braucht dringend erschwingliche Mietwohnungen.

Der Bürgermeister Alexander Noak (parteilos) erinnerte in der Sitzung an das Ziel der Stadt, jene zu schaffen. „Aus eigener Kraft ist es für uns aber schwierig, dieses Ziel zu erreichen“, sagte der Rathauschef im gleichen Atemzug: Es fehlen Personal, zum Teil die Kompetenzen – und Investitionsmittel, um zu bauen und zu sanieren.

Hemmingen hat es schon getan

Daher wirbt der Bürgermeister dafür, dass auch Korntal-Münchingen der Genossenschaft mit aktuell 49 Mitgliedern und Anteilen im Wert von insgesamt gut 2,6 Millionen Euro beitritt. Im Strohgäu hat Hemmingen dies bereits getan, die Gemeinde ist gar Gründungsmitglied. Sie war nach Bönnigheim die zweite Kommune, in der die Genossenschaft günstige Mietwohnungen plante: in der Goethestraße, wo der Bauhof bis zum Neubau in der Saarstraße war. Das Gebäude ist mittlerweile abgerissen. Etwa 14 Wohneinheiten in Massivbauweise sollen bald entstehen, in Bönnigheim sind es 22.

Andreas Veit sagte, die Förderanträge seien gestellt. Die Genossenschaft setzt unter anderem besonders auf das Wohnraumförderprogramm des Landes. Mit dem 40-Jahre-Laufzeit-Programm lägen die Mieten 40 Prozent unter der ortsüblichen Miete: Auf diese Weise kommt der Quadratmeter eines Neubaus in Ludwigsburg aktuell auf 8,50 Euro. Mit den Finanzspritzen sollen die Mieten für die Bewohner so lange bezahlbar bleiben, wie es die Wohnungen gibt.

Der neue Gemeinderat hat das letzte Wort

Die hohen Baupreise machen der Branche weiter zu schaffen. Zwar würde der Kostenanstieg nachlassen, allerdings eher im Bereich des Rohbaus, berichtete Andreas Veit. Bei den Kosten für Technik, Elektrik, Sanitär indes könne davon nicht die Rede sein. „Das hat sich enorm gedreht“, so Veit.

Über den Beitritt beziehungsweise die Einbringung von Grundstücken entscheidet nach der Kommunalwahl am Sonntag der neue Gemeinderat Korntal-Münchingens. „So bald wie möglich“ lege die Stadtverwaltung eine Beratungsunterlage vor, versprach der Bürgermeister Noak. Das noch amtierende Gremium hatte am Donnerstag lediglich eine Kenntnisnahme vor sich. Es hatte sich jedoch bereits vergangenes Jahr positiv zu einem Beitritt geäußert – und bekräftigte dies jetzt. Der CDU-Fraktionschef Oliver Nauth nannte einen Beitritt ein „starkes politisches Signal“ für bezahlbaren Wohnraum. Die Liberale Andrea Küchle findet es gut, dass die Verantwortung dann nicht mehr nur die Kommune hat.

15 Wohnungen wurden zwangsgeräumt

Grundsätzlich hat die Stadt gleich drei Flächen beziehungsweise Gebäude für die Genossenschaft in petto. Das Haus in der Entenwiesenstraße 11 in Münchingen mit sechs Wohnungen soll saniert werden. Dagegen sollen die drei Gebäude in der Johannes-Daur-Straße 33 bis 37 in Korntal abgerissen werden. Es wurde zwangsgeräumt, nachdem die Stadt es nicht rechtzeitig sanieren ließ. Statt 15 sieht der mögliche Bebauungsentwurf dort einmal ungefähr doppelt so viele Wohnungen vor. Und schließlich hat die Stadt noch ein Grundstück im Neubaugebiet Korntal-West, das sie einbringen könnte.

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