Bezahlbarer Wohnraum in Plüderhausen Ein nachhaltig lokales Bauprojekt

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In Plüderhausen hat die Kreisbau zwölf bezahlbare Wohnungen in serieller Holzbauweise erstellt – eine neue „Perle in unserem Anlagevermögen“ sagt der Kreisbauchef Dirk Braune.

Häuser in Holzbauweise sorgen für bezahlbare Wohnraum. Foto:  
Häuser in Holzbauweise sorgen für bezahlbare Wohnraum. Foto:  

Plüderhausen - Innen deutet fast nichts darauf hin, dass der Gebäudekubus, die Wände und Decken komplett in Holzbauweise erstellt worden sind. Die Räume sind herkömmlich tapeziert und gestrichen, die Böden gefliest oder mit Teppich bedeckt. Ein Gutteil der äußeren Fassade hingegen ist mit Holzlatten verkleidet, deren Patina im Laufe der Zeit edel ergrauen soll. 390 Kubikmeter Holz seien verbaut worden, betont Stanko Bogunovic, der Chef des gleichnamigen Holzbauunternehmens aus Plüderhausen. Und Michael Kögel von Krämer Bau hält dagegen „. . . sowie 350 Kubikmeter Beton.“

Rohbau in einer Woche hochgezogen

Nachdem die Winnender Firma die Fundamente vorbereitet hatte, zogen die Zimmerer die Rohbauten der zwei jeweils dreigeschossigen Häuser in nur einer Woche hoch. „Am Montag haben wir begonnen, am Freitag waren die Fenster eingebaut“, sagt Stanko Bogunovic. Insgesamt hat der Bau der Häuser samt Carports und Außenanlagen kein Jahr gedauert.

Der Landrat Richard Sigel hält die zwei neuen Gebäude mitten im Ortskern von Plüderhausen nicht nur wegen ihrer seriellen „Hybrid-Bauweise“ für innovativ: „Hier gehen Klimaschutz und bezahlbares Wohnen Hand in Hand“, sagt der Chef der Kreisverwaltung. Das gut drei Millionen Euro schwere Projekt, bei dem zwölf Wohneinheiten mit insgesamt 870 Quadratmetern Fläche entstanden sind, ist Teil eines vom Kreistag Ende 2017 beschlossenen Investitionsprogramms: Über die Kreisbaugruppe sollen in den kommenden Jahren 500 bezahlbare Wohnungen geschaffen werden.

Man habe sich vorgenommen, diese Aufgabe nicht nur möglichst rasch, sondern auch innovativ und nachhaltig zu lösen, sagt dazu der Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune. Während im Winnender Schelmenholz für die in Modulbauweise erstellten Holzhäuser des Stuttgarter Architekten Werner Sobek, die zunächst für die Unterbringung von Geflüchteten gedacht waren, Preise eingeheimst hatte, habe man in Plüderhausen zwar auch auf den nachwachsenden Rohstoff Holz gesetzt, aber ein etwas anderes Vorgehen ausprobieren wollen. Wichtig sei hier insbesondere gewesen, das örtliche Handwerk mit ins Boot zu nehmen. Neben den ausführenden Betrieben stammt auch das koordinierende Architekturbüro Auch und Binder aus dem Rems-Murr-Kreis, nämlich aus Weinstadt.

Quadratmeterpreis für die Miete: 6,80 Euro

Der örtliche Bürgermeister Andreas Schaffer nennt das Projekt insgesamt gar einen „Glücksfall für Plüderhausen“. So sei nicht nur eine Brachfläche in bester Lage reaktiviert worden, auch die Mieter stammten zu 70 bis 80 Prozent aus Plüderhausen. In allen zwölf Wohnungen sei der Mietpreis reduziert worden – auf 6,80 Euro pro Quadratmeter –, zum Zuge seien ausschließlich Familien mit Wohnberechtigungsschein gekommen.

Mit der neuen „Perle in unserem Anlagevermögen“ sei die Kreisbau wieder ein Stück weiter gekommen in ihren Bemühungen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sagt Dirk Braune. Seit dem Beschluss habe man bereits rund 200 Wohnungen in diesem Segment erstellt.

Eines der nächsten Projekte steht in Kernen an. Dort hat der Gemeinderat vor wenigen Tagen einen Kooperationsvertrag gut geheißen, nach dem die Kreisbau im Ortsteil Rommelshausen 36 Wohnungen in acht Häusern der modularen Holzbauweise nach dem Winnender Vorbild errichtet. Ein Teil der neuen Wohnungen soll auch hier zunächst von Geflüchteten belegt werden.