Beziehungen Gibt es Partnerglück ohne Sex?
Eher nicht, meinen Untersuchungen. Meist würden sich die Menschen was vormachen. Studien zeigen aber auch: Einmal pro Woche langt.
Eher nicht, meinen Untersuchungen. Meist würden sich die Menschen was vormachen. Studien zeigen aber auch: Einmal pro Woche langt.
Eine Beziehung ohne Sex – geht das? Wenn man der Theorie von „Happy Sexless Couples“ folgt, sollte dies kein Problem sein. Viele Partner sollen „ohne“ sogar besonders glücklich sein, weil weniger Druck in der Beziehung aufgebaut wird. Doch aktuelle Studien zu dem Thema lassen Zweifel daran aufkommen.
„Ich dachte, du fängst an.“ – „Und ich dachte, du.“ Laut einer Umfrage des Internet-Dating-Forums Elitepartner entfällt hierzulande in jeder dritten Beziehung der Sex, weil niemand die Initiative ergreift. In den USA kommen 7 Prozent der Verheirateten gerade noch auf einen Geschlechtsakt pro Jahr. In Japan fällt er bei einem Drittel der jungen Männer ganz unter den Tisch, weswegen man ihnen dort den Terminus „Herbivore Men“ (Pflanzenfresser-Männer) verpasst hat. Gerade in bisexuellen Beziehungen scheint die Lust besonders zu verschwinden. Klingt nach Tristesse. Doch es gibt Stimmen, die darin einen Vorteil sehen.
So richtig hoch kam das Thema im vergangen Jahr. Ein Artikel der „New York Times“ trug den Titel: „Can a sexless couple be a happy one?“ Auf Deutsch. „Kann ein Paar ohne Sex ein glückliches sein?“ Autorin des Textes ist die Feministin Amanda Montei, die dazu 30 Paare befragt hatte. Seitdem wird im Internet heftig darüber diskutiert, und dabei überwiegen die Statements, wonach eine Beziehung ohne Sex nicht nur häufig, sondern oft auch glücklich ist.
Als Hauptgrund wird angegeben, dass Liebe viel mehr sei als Sex und mit dessen Verschwinden viel Druck aus der Partnerschaft entweichen würde. Getreu eines Zitats von Andy Warhol: „Wahre Freiheit gibt es erst, wenn man mit dem Sex durch ist.“
Eine aktuelle Studie kommt jedoch zu einem anderen Schluss. Ein deutsch-amerikanisch-kanadisches Forscherteam hat darin rund 2100 deutsche heterosexuelle Paaren im Alter zwischen 20 und 39 Jahren interviewt, die durchschnittlich seit fast einem Jahrzehnt zusammen waren. Sie machten Angaben darüber, wie häufig sie in den letzten drei Monaten Sex hatten, und bewerteten ihre Beziehungszufriedenheit auf einer Skala von 0 bis 10.
86 Prozent der Paare gaben an, sehr zufrieden mit ihrer Beziehung zu sein und etwa einmal wöchentlich Sex zu haben. 3,6 Prozent wurden seltener als zwei bis drei Mal im Monat aktiv – und zeichneten sich durch eine geringere Zufriedenheit aus.
Schauten die Forschenden gezielt nach Paaren, die selten Sex haben, aber trotzdem hochzufrieden mit ihrer Beziehung sind, so konnten sie nur 49 Paare identifizieren, also etwas mehr als 2 Prozent. „Die signifikante Gruppe der ,Happy Sexless Couples‘ gibt es also nicht“, resümiert Persönlichkeitspsychologe Franz Neyer von der Universität Jena, der die Studie mitverfasst hat.
Co-Autor Matt Johnson von der University of Alberta warnt jedoch, dass man diesen Befund nicht zwangsläufig auf ältere oder homosexuelle Paare ausdehnen dürfe, und auch nicht auf andere Länder. „Insbesondere in einigen asiatischen Ländern ist Sexlosigkeit weit verbreitet“, betont Johnson. Es könnte also sein, dass dort glückliche sexlose Paare relativ häufig vorkommen.
Für jüngere, heterosexuelle Paare in Deutschland gilt hingegen, dass sie nur in Ausnahmefällen ohne Sex glücklich sind. Ob dies allerdings daran liegt, dass eine unglückliche Beziehung in Sexlosigkeit oder aber – umgekehrt – letztere in eine unglückliche Beziehung ausläuft, ist nach wie vor ungeklärt. Es ist also fraglich, ob man eine schwächelnde Beziehung wieder auf Trab bringt, indem man das Sexleben wiederbelebt.
Schon gar nicht sollte man auf einen Dosiszusammenhang hoffen, dass also mit steigender Sexfrequenz auch das Glück immer mehr ansteigt. Ein portugiesisches Forscherteam kommt nach Auswertung von 63 Studien zu dem Schluss: Das größte Beziehungsglück liegt bei einer Sexquote von ungefähr einem Mal pro Woche. Bei geringerer Frequenz sinke die Zufriedenheit, bei höherer steige sie aber auch nicht.