Beziehungsprobleme mit der Bahn Noch ist der Zug nicht abgefahren

Auch ein Fahrrad darf mal im Zug mit – unter Umständen. Foto: Decksmann

Manchmal ist die Bahn ganz schön streng. Das darf sie sein, meint unser Kolumnist KNITZ. Doch dann sollte sie mit gutem Beispiel vorausfahren.

Liebe Bahn, wir müssen reden. Es geht um unsere Beziehung. KNITZ denkt, da hat sich einiges angestaut. Zumindest bei ihm.

 

Vielleicht sollte er vorausschicken, dass Du, liebe Bahn, im Lauf der Jahre zu einem seiner beliebtesten Fortbewegungsmittel geworden bist. Gern fährt er mit dem Rad. Es gibt aber Distanzen, da geht ihm die Puste aus. Da ist er froh, dass es Dich gibt.

Außerdem mag er die Art und Weise, wie Du Distanzen überwindest. Das schnelle Dahingleiten mit Dir, das man wohl nicht zufällig als „zügig“ bezeichnen kann. Außerdem gestattest Du KNITZ Freiheiten, die er sich beim Autofahren nicht erlauben kann. Wenn er mit Dir auf Achse ist, kann er sich entspannt unterhalten, etwas vespern, ein Bier trinken, Zeitung lesen oder einfach nur zum Fenster rausschauen und die Landschaft an sich vorüberziehen lassen.

Hin und wieder kommt er mit Dir im Herzen großer Städte an. Manchmal muss er dann in den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Aber meist ist das ein Klacks im Vergleich zur lästigen Parkplatzsuche mit dem Wagen. Das ist umso komfortabler, seit KNITZ im Besitz eines Deutschlandstickets ist. Er muss sich um keine Fahrkarten kümmern, kann einfach zusteigen. KNITZ hat es gern kommod.

Angenommen, die Bahn wäre eine Geliebte...

Würde er versuchen, unsere Beziehung auf eine menschliche Ebene zu übertragen, dann bist Du, liebe Bahn, die Geliebte – die sich allerdings durch Launenhaftigkeit auszeichnet. Nicht selten hat er das Gefühl, Du fährst, wie es Dir gerade passt. Ein vor Liebe Blinder würde sagen, dass Dich so die Aura einer Geheimnisvollen umgibt. Geheimnisvoll kann reizvoll sein, aber langfristige Beziehungen beruhen auf Zuverlässigkeit.

KNITZ glaubt grundsätzlich an das Gute in den Menschen – und da will er Dich, liebe Bahn, nicht ausnehmen. Er denkt, irgendwann kriegst Du das mit der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hin. Bis dahin hat er beschlossen, Dir mit ihm aller zur Verfügung stehenden Toleranz zu begegnen.

Toleranz sollte in Beziehungen allerdings von beiden Seiten ausgehen – und da sieht KNITZ bei Dir, liebe Bahn, einen gewissen Nachholbedarf. Unlängst war er in den Schwarzwald geradelt, den Rückweg trat er mit Dir an. Dass sein Züglein verspätet losfuhr – geschenkt. Dies allerdings hatte zur Folge, dass KNITZ beim Umsteigen seinen Anschlusszug verpasste. Beim nächsten Zug konnte man Fahrräder mitnehmen, hätte den Platz aber vorher auf der Bahn-App reservieren müssen. Auf die Schnelle hat KNITZ das nicht hinbekommen.

Könnte sein, dass er „Drecksladen“ gesagt hat

Was soll’s, dachte er, steigt er halt ein, es geht ja nur um eine Station. Da aber hatte er die Rechnung ohne Deine tüchtigen Angestellten gemacht. Ein Herr in Uniform riss die Tür auf und brüllte: „Alle ohne Radreservierung, sofort wieder raus!“ Natürlich tat KNITZ, wie ihm geheißen. Der Mann war im Recht, keine Frage. Gleichwohl kam KNITZ nicht umhin, den Herrn darauf hinzuweisen, dass es schon merkwürdig sei, dass ein Unternehmen, das seinen Kunden dermaßen viel abverlange, sich in dem Punkt so unnachgiebig zeige. Könnte sein, dass KNITZ dabei das Wort „Drecksladen“ entfuhr.

Wie der Mann überhaupt wusste, das KNITZ keine Reservierung hatte, ist rätselhaft. Womöglich bist Du, liebe Bahn, in manchen Bereichen weiter, als unsereins ahnt.

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