Personalwechsel bei der IG Metall Stuttgarterin soll ins Führungsteam aufrücken

Seit Januar 2019 ist Nadine Boguslawski Erste Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart. Foto: Martin Storz

Der Vorstand der IG Metall nominiert die künftige Gewerkschaftsspitze mit Christiane Benner als neuer Vorsitzender. Hauptkassiererin und erste Tarifpolitikerin soll die Bevollmächtigte Nadine Boguslawski werden.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Wenn es Absicht gewesen wäre, dann hätte die 74. Bezirkskonferenz der IG Metall Baden-Württemberg am Dienstag in Böblingen nicht günstiger terminiert werden können. Am Vorabend hat der Vorstand in Frankfurt nach etwa sechsstündiger Diskussion beschlossen, wie die neue Führung aussehen soll, die auf dem Gewerkschaftstag vom 22. bis 26. Oktober neu gewählt wird.

 

Nun gibt die Konferenz dem Mann, den viele Metaller im Südwesten lange Zeit schon als ersten Anwärter auf die Nachfolge des Vorsitzenden Jörg Hofmann gesehen hatten, die Gelegenheit, dem künftigen Spitzenteam seine Unterstützung von Stuttgart aus zuzusagen – denn die IG Metall wird künftig ohne sein direktes Zutun regiert.

Tosender Applaus für den Bezirksleiter

„Ihr habt mitgekriegt, dass ich entschieden hab: Ich bleibe hier“, sagt der 56-Jährige vor 150 Delegierten und Gästen, wofür er tosenden Applaus erntet. So zeigt sich unter den Betriebsfunktionären Bedauern und Erleichterung zugleich, weil der Bezirksleiter zwar nicht aufsteigt, ihnen aber erhalten bleibt. Nachdem Zitzelsberger aus Sorge für einer weiteren gesundheitlichen Überlastung von den Führungsambitionen Abstand genommen hatte, hat Hofmann binnen drei Wochen einen neuen Personalvorschlag erstellt, womit er zumindest eine längere Personaldebatte unterbunden hat.

Somit hat der Vorstand erwartungsgemäß Christiane Benner für das Amt der Ersten Vorsitzenden nominiert – die 55-jährige Soziologin ist seit acht Jahren Vize von Hofmann. Sie hat die inoffizielle Offerte, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu werden ausgeschlagen, um bei der IG Metall ganz an die Spitze zu rücken – was für ihren Machtinstinkt spricht. Sie habe sich darauf vorbereiten können, dass sie nun die „Last der Verantwortung“ tragen müsse, heißt es auf der Konferenz. Als neuer Zweiter Vorsitzender wird der heutige Hauptkassierer Jürgen Kerner empfohlen.

Dessen Nachfolgerin wiederum soll durchaus überraschend Nadine Boguslawski werden, seit vier Jahren die Erste Bevollmächtigte der Geschäftsstelle Stuttgart – also der zweitgrößten von rund 150 Verwaltungsstellen der IG Metall. Ferner sollen Hans-Jürgen Urban erneut und erstmals Ralf Reinstädtler (Geschäftsstelle Homburg-Saarpfalz) dem fünf- statt bisher siebenköpfigen geschäftsführenden Vorstand angehören. „Dieser Personalvorschlag verspricht trotz großer personeller Veränderungen Kontinuität“, betont Hofmann. Er stehe für die Fortsetzung eines konsequenten Umbaus der IG Metall in Richtung einer starken beteiligungsorientierten und konfliktfähigen Organisationsmacht vor Ort.

Zitzelsberger lobt am Rande der Konferenz gegenüber unserer Zeitung: In dem Personalvorschlag sei „alles vertreten, was die IG Metall für eine gute Führung braucht“. Er sei „absolut überzeugt davon, dass es die richtige Lösung ist“ und werde „mit voller Kraft“ dafür werben, dass die fünf „starken Personen“ mit einem überzeugenden Ergebnis beim Gewerkschaftstag gewählt werden.

Zuständigkeit für die Tarifpolitik im Führungsteam

Auch wenn die Geschäftszuteilung formal noch nicht beschlossen ist, soll Boguslawski offenbar neben dem Amt als Hauptkassiererin auch die Tarifpolitik im Führungsteam betreuen. Die Geschäftsführerin war einst etliche Jahre als Tarifsekretärin rechte Hand von Zitzelsberger. Sie bringe eine hohe Tarifkompetenz in das neue Führungsteam ein, sagt er. Sie habe schon in der Tarifrunde 2018 eine „unglaublich wichtige Rolle gespielt“ und sei bei den Tarifverhandlungen heute in einer der Schlüsselpositionen. Maßgeblich habe sie die Überarbeitung der Manteltarifverträge in Baden-Württemberg mitgeprägt und bei der Tarifbindung für die Dual Studierenden mitgewirkt.

Boguslawski sitzt im Aufsichtsrat von Mercedes-Benz und Bosch. Selbst auf der Arbeitgeberseite, ist zu hören, hat man gute Erfahrungen mit der pragmatisch agierenden Bevollmächtigten gemacht. Es gebe nicht nur in der IG Metall Baden-Württemberg Leute, die etwas von Tarifpolitik verstehen, sagt der Bezirksleiter. „So wären vielleicht auch andere Lösungen möglich gewesen, aber es freut mich, dass die Entscheidung für Nadine gefallen ist.“

Seine Absage an den Spitzenjob, der vor gut drei Wochen viel Wirbel in der Gewerkschaftswelt ausgelöst hat, scheint da fast schon abgehakt für Zitzelsberger. Er sei mit sich „voll im Reinen“, sagt er. Er habe eine „sehr wertschätzende Mischung aus Respekt und Bedauern“ erlebt, beschreibt er die Reaktionen auf seine Absage an ein Führungsamt in den eigenen Reihen. Er habe aber auch die Haltung verspürt: „Nur du kannst entscheiden, was du mit deiner Gesundheit machst – es wird absolut akzeptiert.“ Nun sei es „wichtig, sich nicht länger damit zu beschäftigen“ – der Vorstand habe die Aufgabe, nach vorne zu gucken. Er werde seinen Teil dazu beitragen, ohne dabei besonders in Erscheinung zu treten. Es gehe um die Zukunft der Organisation und „darum, dass wir stark und als Einheit auftreten“.

In diesem Geiste wollen sich die Delegierten nicht öffentlich zu den Personalien äußern – Nachkarten verboten sozusagen. Ein Funktionär deutet nur an, dass sich wichtige Bezirke wie Nordrhein-Westfalen außen vor sehen könnten. Ein anderer meint lakonisch: Ohne festzustellen, es sei gut, dass Zitzelsberger bleibt, könne man nicht mehr sagen, ohne einen Kopf kürzer gemacht zu werden.

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