Bezirksliga Stuttgart Das Ende des Möhringer Märchens

Zu Fall gebracht. Nach der ersten  Niederlage der Spvgg Möhringen (im Bild Steven Jordan) seit November ist klar, dass aus der irren Zugabe nichts wird. Foto: Archiv   Bergmann
Zu Fall gebracht. Nach der ersten Niederlage der Spvgg Möhringen (im Bild Steven Jordan) seit November ist klar, dass aus der irren Zugabe nichts wird. Foto: Archiv Bergmann

Der Kampf um Platz zwei ist entschieden. Derweil plant der TSV Bernhausen den großen Umbruch.

Filderzeitung: Franz Stettmer (frs)
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Filder - Ausgeträumt. Vorbei. Das war’s für diese Saison. Seit Sonntag steht endgültig fest, dass es aus der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga heuer keinen Aufsteiger von den Fildern gibt. Als Vizemeister geht der GFV Ermis Metanastis in die Relegation. Die zuletzt aufgekeimten Hoffnungen der Spvgg Möhringen und des TSV Plattenhardt, die Griechen auf der Zielgeraden noch überrunden zu können, sind derweil durch eigene Punkteverluste geplatzt. Spannend bleibt es somit nur noch im Tabellenkeller. Dort hat der TSV Bernhausen einen wichtigen Schritt zum Klassenverbleib gemacht – was aber nichts daran ändert, dass es am Fleinsbach zu einem großen personellen Schnitt kommen wird.

Spvgg Cannstatt – Spvgg Möhringen

Eines vorneweg: sie haben eine großartige Saison gespielt, ganz unabhängig davon, was auf den letzten Metern nun noch geschieht. Tabellendritter! Beste Mannschaft der Rückrunde! Wer hätte das den Kickern der Spvgg Möhringen zugetraut, galten jene doch bislang als graue Maus der Spielklasse. Und dennoch: am Sonntag war die Enttäuschung spürbar. „Insgeheim hatten die Spieler jetzt natürlich auch noch auf die Zugabe gehofft“, sagt der Trainer Karl-Heinz Fuhrmann. Vizemeisterschaft, Aufstiegsrelegation – das hätte dem Ganzen die irre Krone aufgesetzt. Daraus wird aber nichts werden. Der 6:1-Sieg von Ermis Metanastis am Freitagabend bei einer B-Formation von Türkspor Stuttgart hatte die eigenen Chancen bereits auf ein Minimum sinken lassen. Vollends auf Null haben die Möhringer sie dann selbst befördert. Mit seinem 1:3 bei der Spvgg Cannstatt verlor das Fuhrmann-Team erstmals seit Mitte November wieder ein Punktspiel. Der damaligen 1:2-Niederlage in Plattenhardt war ein furioser Lauf mit neun Siegen und drei Unentschieden gefolgt.

Nun hat das Möhringer Märchen ein Ende gefunden. „Wir sind diesmal nicht einmal annähernd an unser Limit gekommen“, sagt Fuhrmann und grübelt noch, warum. „Vielleicht“, mutmaßt der Coach nicht ganz im Ernst, „haben wir ja zu viele Bayern-Fans im Aufgebot.“ Will heißen: Jungs, die am Vortag den DFB-Pokalsieg ihres Lieblingsclubs zu ausgiebig feierten. Zweifellos bemerkbar machte sich der Ausfall des Spielmachers Marvin Kuhn (grippaler Infekt). Und, klar: auch das genannte Ermis-Ergebnis hat den Mannen von der Hechinger Straße ein Stück weit den Stecker gezogen. In der ersten Hälfte erarbeiteten sie sich noch mehrere Torchancen, von denen Christian Preskitt eine zum zwischenzeitlichen Ausgleich verwertete. Nach der Pause ging dann nichts mehr.

„Viele Ballverluste, viele einfache Fehler“, sagt Fuhrmann, der mit den Seinen gleichwohl immer noch Abteilungsgeschichte schreiben kann. Bleiben die Möhringer Dritter, stellten sie ihr bisheriges Bestergebnis ein. Anno 2008, damals unter dem Trainer Klaus Kulow, gingen sie in der Bezirksliga auf eben jenem Rang über die Ziellinie.

Zweiter ist nun wie gesagt definitiv Ermis Metanastis – und spielt damit ebenfalls überraschend um den Durchmarsch in die Landesliga. In der ersten Relegationsrunde treffen die Griechen am 12. Juni auf ihr Pendant aus dem Bezirk Ostwürttemberg, nach jetzigem Stand die SG Bettringen. Gespielt wird an einem noch unbenannten Ort im Bezirk des Gegners.

TSV Plattenhardt – Sportvg Feuerbach

Mit den Möhringern raus aus dem Aufstiegsrennen ist der TSV Plattenhardt – wobei bei den Filderstädtern eh keiner mehr wirklich an eine Chance geglaubt hatte. Das 1:1 gegen die Sportvg Feuerbach hat die Dinge nun auch rein rechnerisch besiegelt. Der Spielfilm in Kürze: ordentliche erste 45 Minuten, in denen Paulo Bayrak nach eine Ecke von Alperen Albayrak per Kopf die Führung gelang – und schlechte zweite 45 Minuten, in denen dann der Gegner klar bestimmend war. „Feuerbach hat da richtig guten Fußball gespielt“, sagt der Trainer Sascha Krammer, der im Hintergrund in seiner angehenden Funktion als neuer Abteilungsleiter eifrig am Kader für die nächste Runde bastelt. Entschieden ist inzwischen, welche fünf A-Junioren-Kicker der Verein sicher zur ersten Mannschaft übernimmt: Es sind Adrian Jelkic (Tor), Sebastian Gückel (Innenverteidigung), Mikail Namdar, Patrick Neumann (beide Mittelfeld) und Kim Takascs (Angriff).

Was externe Neuzugänge betrifft, hatten die Plattenhardter bei Patrick Weigl (28, Angriff) vom Staffelrivalen Spvgg Cannstatt angeklopft. Jener wird aber wohl Spielertrainer beim A-Kreisligisten SV Gablenberg.

TSV Bernhausen – SV Sillenbuch

Den größeren Schnitt wird es beim Ortsnachbarn TSV Bernhausen geben. Am Fleinsbach haben die Verantwortlichen in der vergangenen Woche getagt – und es steht ein unzweideutiger Beschluss: Die missratene aktuelle Saison wird personelle Konsequenzen haben. „Vom bestehenden Kader waren die Leistungen einfach zu schwach. Wir planen mit zehn bis zwölf Abgängen“, sagt der Trainer Peter Weinmann. Freiwillige Aussteiger, aber auch Spieler, denen der Verein mitteilen will: Sorry, keine Verwendung mehr. Bereits fix ist, dass der Kapitän Mustafa Akcay, Benjamin Samur und Marco Palazzolo aufhören. Und auch Aristidis Perhanidis, der beste Torschütze, wird gehen. Bei ihm dürfte der Weg zum Landesligisten TSV Oberensingen führen.

Auf dem Rasen hat der avisierte Umbruch einstweilen keine negativen Auswirkungen gezeitigt. Im Gegenteil. Nach dem desolaten Auftritt im Kellerduell in Obertürkheim zeigten die Bernhausener diesmal ein anderes Gesicht – und beendeten eine schwarze Serie. Mit einem 4:3 gegen den SV Sillenbuch feierten sie den ersten Heimsieg seit knapp neun Monaten. Letztmals hatten sie am 2. September im eigenen Stadion den Platz als Gewinner verlassen (2:1 gegen Plattenhardt). Gefolgt waren elf vergebliche Anläufe zum nächsten Erfolg.

Die jetzigen drei Punkte lassen im Kampf um den Klassenverbleib tief durchatmen. Auch, weil zugleich die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist, dass es nur einen Direktabsteiger geben wird. Der Grund: der TV Echterdingen kann in der Landesliga seit Sonntag auf keinen Direktabstiegsplatz mehr rutschen. Von „oben“ bleibt somit nur noch der von Auflösungsgerüchten umrankte Ex-Titelanwärter NAFI Stuttgart als latente Gefahr. „Jetzt müssen wir dranbleiben“, sagt Weinmann, dessen Elf sich diesmal auch durch Gegenschläge nicht umwerfen ließ. Dass die frühe 2:0-Führung kippte? Dass nach der Pause plötzlich die Gäste vorn lagen? Egal. Patrick Kerker gab die energische Antwort. Er drosch den Ball aus 30 Metern volley in die Dreiangel – laut Coach „ein Tor des Jahres“, dem Daniele Sinesi dann sogar noch den Siegtreffer anfügte.

SV Vaihingen – TSV Rohr

Der zweite Filder-Sieger des Nachmittags hieß unterdessen, Überraschung – TSV Rohr. Jener steht zwar bereits als Absteiger fest, zeigte aber, dass dies nicht zwangsläufig auf Kosten der Motivation gehen muss. Das Ortsderby war dann allemal noch ein Anreiz. Das für den Tabellenletzten zuckersüße Ergebnis: er blamierte seinen Sportplatznachbarn SV Vaihingen auf dessen Rasen mit 4:2. „Wille und Einsatz waren bei uns besser als beim Gegner“, sagt der Trainer Heinz Rebentisch, in dessen Aufgebot drei Spieler herausragten. Der Torhüter David Carl hielt stark, der Angreifer Roland Nana Aygeman schnürte einen Toredoppelpack. Und dann war da noch Marc Scherle. Der Routinier nahm am Vormittag mal noch eben am Stuttgart-Lauf teil, weshalb er sich zunächst eine Verschnaufpause erbat. Dann, für Hälfte zwei, ging’s auf den Platz – und Scherle avancierte zum Matchwinner. Den dritten Rohrer Treffer bereitete er vor, den vierten erzielte er nach einem Sololauf übers halbe Spielfeld selbst.

Säuerlicher Kommentar des Vaihinger Coachs Stephan Tregel: „Wir haben in dieser Saison einiges erreicht. Aber jetzt fehlen uns einige wichtige Spieler und hat sich zudem eine gewisse Zufriedenheit eingestellt.“ Das sei ärgerlich. Umso mehr, wenn der Bezwinger dann ausgerechnet die Rohrer sind.

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