Bezirksliga Stuttgart Ein Traumdebüt und das Anti-Kanonenfutter

Hinten Stabilisator, vorne Torschütze:  Marc Scherle (links) trug  entscheidend zum ersten Vaihinger Saisonsieg bei. Foto: Yavuz Dural
Hinten Stabilisator, vorne Torschütze: Marc Scherle (links) trug entscheidend zum ersten Vaihinger Saisonsieg bei. Foto: Yavuz Dural

Zwei Filder-Bezirksligisten eilen weiter von Erfolg zu Erfolg – und einer atmet erst einmal tief durch. Die Nachbetrachtung zum vierten Spieltag.

Filderzeitung: Franz Stettmer (frs)
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Filder - Ein Debütant als Matchwinner (TSV Plattenhardt), ein Aufsteiger, der weiter Furore macht (TSV Musberg), und Saisonsieg Nummer eins für die bisherige Schießbude der Staffel (SV Vaihingen) – immerhin drei Fußballteams von den Fildern dürften den vierten Spieltag der Stuttgarter Bezirksliga in guter Erinnerung behalten. Bei den beiden anderen, in Bernhausen und Möhringen, schmerzen derweil nicht nur die Niederlagen des Sonntags, sondern auch zwei Platzverweise von Leistungsträgern.

OFK Beograd Stuttgart – TSV Plattenhardt

Der Abteilungschef Sascha Krammer strahlt bereits: „Ein Glück, dass er bei uns gelandet ist.“ Und für den Trainer Steffen Küttner steht fest: „Der Junge hat Potenzial. Der wird uns in dieser Runde noch weiterhelfen.“ Erstmals hat er dies gleich am Sonntag getan: Beim Debüt für seinen neuen Verein TSV Plattenhardt avancierte Liridon Susuri prompt zum Matchwinner. Fast sah es schon so aus, als sollten die Filderstädter sich am Bollwerk des OFK Beograd Stuttgart die Zähne ausbeißen. Nur noch gut zehn Minuten Spielzeit blieben. Dann kam Susuri. Ein platzierter Flachschuss ins lange Eck – das war das vorentscheidende Führungstor.

Am Ende also gewannen Küttners Kicker auch diese Partie, sogar noch mit 3:1. Sieg Nummer vier im vierten Spiel. Zur eigenen Bestmarke aus der Saison 2011/12 fehlen lediglich noch zwei Erfolge. Seinerzeit, unter dem Coach Ralf Rueff, waren die Plattenhardter mit sechs „Dreiern“ gestartet. „Ein Zwischenstand, mit dem man nur zufrieden sein kann“, findet Küttner auch schon jetzt, zumal sich mehr und mehr abzeichnet, welche Optionen er in seinem Kader hat. Mächtige 30 Mann umfasst dieser nun. Und dabei haben Leistungsträger wie der verletzte Kapitän Antonino Rizzo oder Küttners Partner Paulo Bayrak bislang noch gar nicht beziehungsweise kaum gespielt – Letzterer meldete sich aktuell als Joker zurück.

Nicht zu vergessen eben der Nachschlag Susuri, mit dem sich der interne Konkurrenzkampf weiter erhöht. Bis zu seinem jetzigen Einstand hatte der 20-Jährige, der aus Slowenien zu Schwester und Schwager nach Plattenhardt gezogen ist, gerade mal drei Übungseinheiten mit der Mannschaft absolviert. Dass ihn Küttner dennoch gleich in die erste Elf beförderte, sagt einiges über den Eindruck aus, den der Youngster hinterlassen haben muss.

Dass Susuri ansonsten „die Bindung noch etwas fehlte“? Dass es alles in allem überhaupt „ein eher zähes Ringen“ war, wie Küttner sagt? Der Coach, für dessen Team darüber hinaus Kevin Rippler und der eingewechselte Kim Takacs trafen, kann es verschmerzen – und freut sich nun auf zwei Heimspiele. Die beiden nächsten Gegner bei der erwähnten Rekordjagd heißen Cannstatt und Musberg.

Spvgg Cannstatt – TSV Musberg

Jener TSV Musberg arbeitet unverändert daran, sich als Überraschung dieser Saison zu etablieren. Sofern man zehn Punkte nach vier Spieltagen auf dem Konto eines Aufsteigers als Überraschung betrachten mag. Der Trainer Ralf Martins, dessen Aufgebot mit einem 2:1-Auswärtssieg nun auch die hohe Hürde Spvgg Cannstatt nahm, tut es nur eingeschränkt. „Klar, das ist ein super Rundenstart“, sagt er – fügt aber auch an: „Dass wir kein Kanonenfutter sein werden, das hatten wir gewusst.“

Dafür war die vergangene Aufstiegssaison zu gut. Dafür sind die Musberger zu sehr zu einer schlagkräftigen Einheit zusammengewachsen. Und dafür beinhaltet der Kader auch zu viel individuelle Qualität, wie an diesem Sonntag erneut bewiesen. Beispiel Wolfgang Simon, der mit einer energischen Balleroberung Cedric Betz’ Führungstor einleitete. Beispiel Lukas Zug, der mit einem satten Flachschuss den Siegtreffer erzielte. Und Beispiel auch Nico Drysch. Der Keeper verhinderte zuletzt mit einer starken Parade den erneuten Cannstatter Ausgleich – und machte zugleich ein vorangegangenes Missgeschick wett. Beim 1:1 war ihm ein Rückpass versprungen, was der Gegner dankend nutzte. Vorwürfe dafür vom Trainer? Fehlanzeige. „Auf diesem Katastrophenplatz war richtiger Fußball kaum möglich“, sagt Mertins.

SV Vaihingen – TV 89 Zuffenhausen

Doch muss es ja auch nicht immer Glanz und Gloria sein. Drei Punkte sind drei Punkte, ebenso nachzufragen beim SV Vaihingen. Bei dem ist erst einmal tiefes Durchatmen angesagt, nachdem in manch einem am Schwarzbach zuletzt bereits ein mulmiges Gefühl aufgekommen war. 15 Gegentore in den ersten drei Spielen, zuletzt ein 1:7-Debakel in Plattenhardt – war der personelle Aderlass dieses Sommer doch zu groß? Wie bitte sollte dieses überfordert wirkende Ensemble auf Konkurrenzfähigkeit zu trimmen sein?

Der Sonntag hat mit dem 2:1-Sieg gegen den Aufsteiger TV Zuffenhausen Antworten gebracht. Mit gleich sechs Veränderungen reagierte der Trainer Stephan Tregel in seiner Elf. Die oberste Devise dabei: die Trefferflut eindämmen. Safety first. Diese Rechnung ging auf. Hinten hielt die neu formierte Innenverteidigung mit Marc Scherle und Nico Breuer dicht. Und vorne, da waren dann gleichfalls Scherle sowie Benjamin Schiffner mit Abstaubertoren zur Stelle. Das sollte reichen – auch, „um zu sehen, dass wir in der Liga angekommen sind“, wie Tregel es nennt.

GFV Ermis Metanastis Stuttgart – Spvgg Möhringen

Die Null steht hiernach nur noch auf dem Konto eines Filderteams. Wer hätte es gedacht: auf jenem der Spvgg Möhringen. Zur Erinnerung: in der vergangenen Saison hatten der Trainer Karl-Heinz Fuhrmann und die Seinen noch die Liga gerockt. Als beste Rückrundenmannschaft waren sie zwischendurch sechs Monate lang unbesiegt. Nun, mit dem 2:4 bei Ermis Metanastis, ist die vierte Schlappe in Serie perfekt. Nach einigen personellen Veränderungen im Kader sehen sich die vormaligen Höhenflieger in eine neue Rolle degradiert: die der Lehrlinge. „Man sieht, dass die Nerven gerade etwas blank liegen. Wir müssen lernen, dass wir nach Gegentoren cooler reagieren. Und wir haben leider erneut unsere Torchancen nicht genutzt“, sagt Fuhrmann. Ein Hoch somit auf die baldige Rückkehr der Leistungsträger Manuel Klopfer (Rückenprobleme) und Nils Große Scharmann (Urlaub). „Ihr Fehlen“, konstatiert Fuhrmann, „tut weh.“

Und noch mehr schmerzt, dass nun obendrein der Anführer Marvin Kuhn wegen Meckerns Gelb-Rot gesehen hat, also am nächsten Wochenende aussetzen muss. Für die aktuelle Partie hatte die Begebenheit indes keinen Einfluss mehr. Zu diesem Zeitpunkt war bereits nichts mehr zu retten – und hatte Fuhrmann eh schon einen dicken Hals. Wegen aus seiner Sicht zumindest zwei irregulärer Tore des Gegners. Wegen des umstritten aberkannten eigenen 3:3-Ausgleichstreffers – der Schütze Samir Ramic soll im Abseits gestanden sein. Aber eben auch wegen der erwähnten Versäumnisse seiner eigenen Mannschaft, der eine 70-minütige personelle Überzahl nichts nutzte. Der Ermis-Akteur Georgios Tengelidis hatte wegen Nachtretens gegen Pedro Miguel Carvalho Fumega früh Rot gesehen.

„Am Schluss“, sagt Fuhrmann, „standen wir wie die begossenen Pudel da“ – was aktuell auch für die Tabelle gilt. Dort ist der Vorjahresdritte nun Letzter.

TB Untertürkheim – TSV Bernhausen

Was Niederlagen-Frust und Platzverweis-Frust betrifft, sind die Möhringer jedoch nicht allein. Auch der TSV Bernhausen zog den Kürzeren, mit 1:3 beim Aufsteiger TB Untertürkheim. Und auch bei den Filderstädtern ereilte einen Leistungsträger der vorzeitige Marschbefehl: Veli Celik sah zum Unverständnis der Gäste glatt Rot. Der Grund: ein angeblich angedeuteter Kopfstoß – womit beide Kapitäne der Mannschaft außen vor waren. Der andere, Patrick Kerker (privat verhindert), hatte von vornherein gefehlt.

Dass die Bernhausener dann trotz Unterzahl eine Aufholjagd starteten? Dass Manuel Frommelt mit einem sehenswerten Volleyschuss der Anschlusstreffer gelang? Es zeigt, was eigentlich möglich gewesen wäre – ja, hätten die Fleinsbach­kicker von Beginn an so viel investiert und nicht erst in Hälfte zwei. „Die erste 45 Minuten haben wir jedoch komplett verpennt. Da haben wir überhaupt nichts auf den Boden gebracht“, beklagt der Trainer Peter Weinmann. Auch, weil sein Team mit „dieser Staubwüste“ beim Gegner nicht zurechtgekommen sei. Erst als der Coach in Abou Drammeh und John-Philip Lanitz zwei kopfballstarke Spieler einwechselte, wurde es besser. Allerdings nicht mehr gut genug, um den bereits erlittenen Schaden noch zu reparieren.

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