Bezirksliga Stuttgart Hallo-Wach-Pillen und ein Trainerwechsel

Erst zum Bankdrücker degradiert, dann einer der Bernhausener Matchwinner: der Torjäger Aristidis Perhanidis. Foto: Günter Bergmann
Erst zum Bankdrücker degradiert, dann einer der Bernhausener Matchwinner: der Torjäger Aristidis Perhanidis. Foto: Günter Bergmann

Der TSV Bernhausen holt im Abstiegskampf tief Luft. Das Verfolgerduell fällt derweil überraschend aus. Die Nachbetrachtung zum 25. Spieltag mit Fokus auf die Filderteams.

Filderzeitung: Franz Stettmer (frs)
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Filder - Ein ausgefallenes Spitzenspiel (Möhringen). Zwei Kellerkinder, die ihre Langzeit-Negativserien beenden (Bernhausen, Rohr). Und ein bevorstehender Trainerwechsel (Rohr). An Schlagzeilenträchtigem fehlt es vonseiten der Filder-Mannschaften in der Fußball-Bezirksliga nicht – und das, obwohl es fünf Spieltage vor Rundenschluss tabellarisch nur noch für eine um wirklich etwas geht. Jener, dem TSV Bernhausen, ist im Abstiegskampf der ersehnte Befreiungsschlag geglückt. Wohl auch deshalb, weil der Coach Peter Weinmann seine angekündigten personellen Konsequenzen wahr gemacht hat.

OFK Beograd Stuttgart – TSV Bernhausen

Mit dem 3:1 bei Beograd Stuttgart feierten die Kicker des TSV Bernhausen erstmals seit dem 24. November wieder einen Punktspielsieg. Die Erleichterung darüber war bei allen Beteiligten spürbar. „Ein extrem wichtiges Ergebnis“, sagt Weinmann. Zum einen für die Tabelle, in der die Filderstädter nun bis auf einen Punkt am definitiv rettenden zwölften Tabellenplatz dran sind. Zum anderen für die Moral, nachdem zwischenzeitlich der Verdacht hatte aufkeimen können, die Karre sei bereits komplett verfahren. Was auch immer Weinmann in den vergangenen Monaten versucht hatte – auf dem Rasen hatte seine Mannschaft die Kurve einfach nicht gekriegt. Bis jetzt. Diesmal bewirkten die ergriffenen Maßnahmen den erhofften Hallo-Wach-Effekt.

Die nominellen Überraschungen: der Torjäger Aristidis Perhanidis und der Winterpausen-Neuzugang Alper Varay waren zunächst nur unter den Zuschauern – Perhanidis leistungsbedingt, Varay aus disziplinarischen Gründen. nachdem er im Spiel zuvor laut Coach seine Auswechslung „mit Gesten kommentiert hatte, die nicht auf den Sportplatz gehören“. Zudem krempelte Weinmann von den Positionen her um. Alessandro Pagano etwa tauchte anstelle von Benjamin Samur neu in der Innenverteidigung auf. „Das alles hat vielleicht den ein oder anderen aufgerüttelt“, sagt der Trainer. Zuvorderst offenbar den Betroffenen Perhanidis. Denn der avancierte im zweiten Durchgang doch noch zu einem der Matchwinner. Schließlich als Joker war der 24-Jährige noch keine zwei Minuten auf dem Platz, als er die Seinen nach dem 1:1-Pausenstand erneut in Führung schoss. Überhaupt kamen die spielentscheidenden Figuren von der Bank: Der mit Perhanidis eingewechselte Marco Caruso gab die Vorlage – und markierte dann selbst den dritten Bernhausener Treffer.

Bleibt aus Weinmanns Sicht nun nur zu hoffen, „dass damit auch wirklich der Knoten geplatzt ist – und dass es jetzt wirklich jeder begriffen hat“. Etwa, dass die Abstiegsgefahr ja noch längst nicht behoben ist. Ein erster Schritt, diese verkorkste Saison ohne Totalschaden zu überstehen, ist gemacht, mehr aber noch nicht.

GFV Ermis Metanastis Stuttgart – Spvgg Möhringen

Die Teams der Stunde bleiben einstweilen zwei andere von den Fildern: die Spvgg Möhringen und der SV Vaihingen – wobei Erstgenannte nach zuletzt fünf Siegen in Serie diesmal zur Tatenlosigkeit verurteilt war. Das mit Spannung erwartete Duell zwischen Tabellenzweitem und Tabellendrittem bei Ermis Metanastis fiel aus. Am Sonntag hatten sich beide Kontrahenten bereits warm gemacht – als noch vor dem Anpfiff der Abpfiff erfolgte. Der Grund: der Schiedsrichter musste passen. Eine Bänderverletzung. „Wir waren alle ziemlich verdutzt“, sagt der Möhringer Trainer Karl-Heinz Fuhrmann.

In einer Schnellkonferenz mit dem Staffelleiter Gerhard Fischer einigten sich beide Seiten, gleich am heutigen Dienstagabend einen neuen Anlauf zu unternehmen. Das ist vor allem auch im Sinn der Möhringer. So sind unverändert sie diejenigen, die von einer personellen Konstellation profitieren könnten: Nach der Rote-Karten-Flut des vorigen Wochenendes muss der griechische Gegner in seinem nächsten Spiel auf drei gesperrte Leistungsträger verzichten (Vassiliou, Koutsiofytis, Demos).

VfB Obertürkheim – SV Vaihingen

Unterdessen hat der SV Vaihingen seinen Lauf fortgesetzt. Nach dem 3:1 beim Tabellenvorletzten VfB Obertürkheim haben die Schwarzbachkicker aus ihren fünf vergangenen Partien 13 von 15 möglichen Punkten geholt. Ein Zwischenspurt, mit dem alle Zweifel am Klassenverbleib beseitigt sind. Die zum Rückrunden-Start vom Abteilungsleiter Peter Breuer ausgegebene Marke von 30 Zählern hat die Mannschaft damit schon jetzt übersprungen, fünf Spieltage vor Schluss. Und so ist es auch zu verschmerzen, dass es auf dem Rasen diesmal eine zähe Angelegenheit war. „Wir sind auf einen unangenehmen Gegner getroffen. Die haben um jeden Meter Boden gekämpft und viel mit langen Bällen agiert“, sagt der Trainer Stephan Tregel.

Der Durchbruch zum Sieg gelang den Vaihingern erst in den letzten 25 Minuten. Dabei fielen alle eigenen Treffer nach dem gleichen Strickmuster: Vorstoß über Außen, Flanke, Tor. Hervorheben lassen sich Valentin Kamm mit zwei Vorlagen – und erneut Manuel Rath. Der Angreifer, schon vor Wochenfrist beim 3:2-Coup gegen den Spitzenreiter Stammheim zweifacher Torschütze, schnürte seinen nächsten Doppelpack. „Er ist gerade richtig gut drauf“, sagt Tregel, für den lediglich zwei Sorgen bleiben. In Tom Wolf und Yannik Breuninger hat er auch zwei Spieler neu auf der Verletztenliste. Jeweils etwas im Knie – nur das ist bislang sicher. Genaueres sollen Untersuchungen in dieser Woche bringen.

Das Gleiche gilt für die Personalplanungen zur nächsten Saison. Bei denen gehen sowohl Breuer als auch Tregel davon aus, „dass der Kader im Großen und Ganzen zusammenbleibt“. Der Coach selbst hat noch einen Vertrag bis Sommer 2020.

TSV Rohr – Spvgg Cannstatt

Dagegen ist beim TSV Rohr inzwischen klar, dass es nach dieser Saison einen Trainerwechsel gibt. Der Verein und der Amtsinhaber Heinz Rebentisch haben sich darauf verständigt, ihre Zusammenarbeit im Juni zu beenden. Beidseitiger Tenor: es braucht einen Neuanfang. „Es müssen neuer Wind, neue Gedanken und eine neue Ansprache her“, sagt Rebentisch, der keinen Hehl daraus macht, dass es für ihn selbst „oft keinen Spaß gemacht hat“. Wie auch bei chronischer Personalnot und bislang 18 Niederlagen aus 23 Partien?

Solche Spiele wie das aktuelle waren die große Ausnahme. An diesem Sonntag hat der designierte Absteiger unterstrichen, dass er gewillt ist, sich mit Anstand aus der Liga zu verabschieden – und wurde mit kaum mehr für möglich Gehaltenem belohnt. Nach 19 vergeblichen Anläufen gelang den Rohrern ihr Saisonsieg Nummer zwei. Als Lachnummer der Staffel darf sich nun die Spvgg Cannstatt fühlen. Sie ging an der Dürrlewangstraße als 0:2-Verlierer vom Platz. Nach der Pause machten die eingewechselten eigentlichen Zweite-Mannschaft-Kicker Max Alber und Sebastian Reuschen die Überraschung perfekt. Kurios: im Rohrer Tor stand zu diesem Zeitpunkt bereits der Ersatzkeeper Daniel Güney. Er hatte als Feldspieler begonnen, musste dann aber für den lädierten David Carl (Prellung) zwischen den Pfosten ran.

Mit wem es anstelle von Rebentisch weitergeht? Und mit welchen Spielern? Und mit welchen Abteilungsverantwortlichen? Alles offene Fragen. Auf den Vereinschef Albrecht Metzger, der derzeit nebenbei kommissarisch als Rohrer Fußballchef fungiert, wartet viel Arbeit.

Croatia Stuttgart – TSV Plattenhardt

Bleibt noch der TSV Plattenhardt. Jener war diesmal das einzige Filderteam, das eine Niederlage hinnehmen musste. Zuletzt eindeutig im Aufwärtstrend, verspielten die Weilerhau-Kicker nun mit einem 2:3 bei Croatia Stuttgart das letzte Minifünkchen Hoffnung, im Rennen um die Vizemeisterschaft noch einmal heranzukommen. Zum Verhängnis wurde den Gästen eine Kombination aus eigener Abschlussschwäche, schlichtem Pech sowie gegnerischer Willenskraft. „Wir haben mehrere Hunderprozentige liegen lassen, und Croatia hat gefightet bis zum Umfallen“, sagt der Trainer Sascha Krammer.

In drei Fällen lief es für die Seinen zudem unglücklich. So klatschte Marcel Stannulls Schuss nicht ins Netz, sondern an die Querlatte. So bereiteten die Plattenhardter gerade die Auswechslung des an der Hand verletzten Theofilaktos Spiridopoulos vor, als dem Lädierten ein Fehlpass unterlief, den der Gegner zum Ausgleich verwertete. Und so entschied der Schiedsrichter zuletzt umstritten auf Freistoß für den Gegner. Jenen zirkelte Ivan Matanovic sehenswert zum Croatia-Sieg ins Tor.

Krammers säuerliches Fazit: „Solche Tage gibt es im Fußball wohl.“

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