Bezirksliga Stuttgart Konkurrenz, bitte warm anziehen

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Der TSV Plattenhardt ballert sich im Derby zu einem 7:1 – und legt in seinem Kader personell nach. Auch der TSV Musberg und der TSV Bernhausen siegen.

Der Plattenhardter Neuzugang Kevin Siekerman netzte dreifach ein – und führt nun die Torschützenliste der Staffel  an. Foto: Yavuz Dural
Der Plattenhardter Neuzugang Kevin Siekerman netzte dreifach ein – und führt nun die Torschützenliste der Staffel an. Foto: Yavuz Dural

Filder - Abgerechnet wird bekanntlich erst am Schluss, in der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga also noch in weiter Ferne, irgendwann in acht, neun Monaten. Ein Signal ist gleichwohl schon seit diesem Sonntag gesetzt. Es lautet: Konkurrenz, bitte warm anziehen. Mit 7:0 hat der MTV Stuttgart im Spitzenspiel die Spvgg Cannstatt vom Platz gefegt. Und kaum wenig gnädig machte es der TSV Plattenhardt im Derby mit einem überforderten SV Vaihingen – ebenfalls sieben Stück, in diesem Fall ein 7:1. Nicht von ungefähr sind diese beiden Mannschaften nun die einzigen mit der Optimalausbeute von neun Punkten auf dem Konto. Was bei den eh schon namhaft besetzten Plattenhardtern hinzukommt: zur Verfügung stehen ihnen mittlerweile zwei nachträgliche weitere Neuzugänge.

TSV Plattenhardt – SV Vaihingen

Freilich, Steffen Küttner, der neue Trainer des TSV Plattenhardt, ist keiner, der zu vorschnellen Euphorieausbrüchen neigt. Auch nach dem Traumsaisonstart der Filderstädter bleibt er bei seiner Devise: Ball flach halten – und weiter konzentriert arbeiten. „So komisch es nach einem 7:1 klingt“, sagt Küttner, „aber wir haben noch einiges, was wir verbessern müssen“. Was konkret? Trockene Antwort: „Zum Beispiel die Chancenverwertung.“

Dies lässt tief blicken, was das Kräfteverhältnis am Sonntag auf dem Rasen anbelangt. Die Plattenhardter haben ihren Gegner zum Sparringspartner degradiert. Ja, die Gäste vom SV Vaihingen waren mit dem Ergebnis noch gut bedient. Zum einen, weil es ihnen selbst im Umbruch und ersatzgeschwächt derzeit an Konkurrenzfähigkeit fehlt. Zum anderen aber eben auch, weil Küttners Kicker mit geballter Macht anrollten. Zwei Schlüsselszenen spielten sich dabei gleich in den ersten fünf Minuten ab: Zunächst köpfte Kevin Siekerman nach Vorarbeit von Denis Kroer zur Blitzführung der Gastgeber ein. Dann hatten die Vaihinger ihr Déjà-Vu-Erlebnis im Vergleich zur vorigen Woche. Wieder Elfmeter, wieder die frühe Chance, sich selbst zu positionieren – doch machte es Jeremiah Gey­witz nicht besser als Maximilian Stockbauer beim 1:4 in Musberg. Auch er scheiterte. Der Plattenhardter Keeper Daniel Wagner wehrte ab.

Damit war den Gästen der Stecker gezogen. In der Folge tobten sich vor allem zwei Plattenhardter aus: Siekerman als letztlich dreifacher Torschütze – und der eingewechselte Alperen Albayrak mit drei Torvorlagen. Wie eine Drohung muss man es bei der Konkurrenz auffassen, dass der Aufstiegsanwärter darüber hinaus in seinem Kader inzwischen noch zweimal nachgelegt hat. Ein überraschendes Comeback feierte Erdal Tunc. Der 32-Jährige hatte seine Karriere in Folge eines Schien- und Wadenbeinbruchs eigentlich bereits beendet. Nun, knapp zwei Jahre nach seinem Unfall, stand er putzmunter wieder auf dem Rasen. „Er hatte wieder Lust, und auf den Sechserpositionen sind wir sowieso nicht so üppig besetzt“, sagt Küttner.

Ebenfalls gern nachträglich aufgenommen hat der Coach den Angreifer Liridon Susuri (20). Der Youngster soll in seiner Heimat Slowenien höherklassig gespielt haben – eine tiefere Recherche fiel bislang schwer, da der Neue nicht Deutsch spricht. „Talentiert und gut“ sei er aber allemal. Und somit noch einer mehr, der taugt, andernorts neidische Blicke zu zeitigen?

Küttners aktueller Gegenüber Stephan Tregel gäbe wohl einiges dafür, wenn er eine ähnliche personelle Auswahl hätte. Stattdessen ist die Realität am Schwarzbach weiterhin: Notaufgebot, null Punkte, Gegentore zuhauf – insgesamt nun satte 15 aus gerade mal drei Partien. Zu allem Überfluss sah Maximilian Spangenberg Gelb-Rot. „Wir müssen uns jetzt schnell an die Liga gewöhnen und zu einer Kompaktheit finden“, sagt Tregel. Sonst könnte es eine noch deutlich schwerere Saison werden, als manch einer in Vaihingen eh schon befürchtet hatte.

Spvgg Möhringen – Türkspor Stuttgart

Die zweite Mannschaft im Klassement, die bislang ausnahmslos als Verlierer vom Platz gegangen ist, stellt derweil die größere Überraschung dar: Es ist die Spvgg Möhringen, der Dritte der vergangenen Saison. Für den geht nach dem 1:2 zuhause gegen Türkspor Stuttgart die Formsuche weiter – diesmal allerdings weniger in Bezug auf die Abwehr, sondern den Angriff. „Wenn man selbst aus allerbesten Chancen keine Tore macht, dann kann es halt nicht reichen“, ächzt der Trainer Karl-Heinz Fuhrmann. Allein sechsmal sah er die Seinen unbedrängt auf den Gästekeeper zulaufen. Das Ergebnis? Verballert, verstolpert, vergeben. Vor allem Pedro Miguel Carvalho Fumega klebte das Pech an den Schuhen. Und als dann Steven Jordan die Kugel zum vermeintlich späten Ausgleich über die Linie drückte, kam noch ein Hadern mit dem Schiedsrichter hinzu: Jener entschied auf Abseits.

Die Möhringer Hoffnung ruht nun auf der baldigen Rückkehr der Offensivkräfte Nils Große Scharmann (Urlaub), Ali Abalo und Manuel Klopfer (beide angeschlagen) – und einem schnellen Lerneffekt im jungen Aufgebot. „Wir sind erst am Anfang eines Wegs“, sagt Fuhrmann.

GFV Ermis Metanastis Stuttgart – TSV Bernhausen

Letzteres trifft auch beim TSV Bernhausen zu – mit dem Unterschied, dass jener nach seinem Kaderrevival dieses Sommers inzwischen die ersten Erfolgserlebnisse feiern kann. Dem ermutigenden Pokal-2:1 vom Dienstag bei Beograd ließen die Filderstädter nun gleich den nächsten Auswärtssieg folgen, und das noch dazu bei ihrem Angstgegner. Gleich drei Pflichtspielniederlagen hatte es 2018/2019 gegen Ermis Metanastis gesetzt. Dieses Mal? Die „Veilchen“ revanchierten sich gegen den Vizemeister mit einem 3:2. „Eine super Woche“, sagt der Trainer Peter Weinmann. Vor allem für Onur Aycil. Der Rückkehrer wurde zum späten Matchwinner. Als beiden Teams in der spätsommerlichen Hitze die Zunge bereits gen Boden hing, als Weinmann erkannte: „Alle waren kaputt“, da trat Aycil auf den Plan. Einmal kurz geschaut, einmal wuchtig abgezogen, und der Ball schlug zur Entscheidung im Torwinkel ein.

Zuvor hatten bereits Sebastian Lieto nach einem verunglückten Ermis-Rückpass und Emilio Padalino für die Gäste getroffen gehabt. Der gegnerische Standard-Spezialist Gianluca Marsiglio hatte per Elfmeter und Freistoß zweimal ausgeglichen. Doch ließen die Bernhausener sich dadurch nicht schocken. „Die Moral der Jungs“, sagt Weinmann „war überragend.“ Auch das ein Gegensatz zur vorigen Runde. Da, zur Erinnerung, hatte die lasche Einstellung der Seinen dem Coach noch erhöhten Blutdruck beschert.

TSV Musberg – OFK Beograd Stuttgart

Aktuell sind Weinmanns Mannen einer von drei Filder-Gewinnern des Spieltags. Plattenhardt, Bernhausen – und TSV Musberg. Der Aufsteiger setzt sein forsches „Hallo“ in der Spielklasse fort. Das bekam nun auch der selbsternannte Spitzenanwärter Beograd Stuttgart zu spüren. Endstand am Turnerweg: 3:1. „Ein Gegner mit super Einzelspielern“, sagt der Trainer Ralf Martins, „aber wir haben es geduldig und gut gemacht.“ Genauer gesagt: nach einem „beiderseitigen Wahnsinnstempo der ersten Hälfte“ spielten die Musberger eine bessere Kondition und jugendlichen Elan als Trümpfe aus. Die vorentscheidenden Treffer Nummer zwei und drei leitete Kasim Minhas ein. Erst erzwang er per Sololauf einen Elfmeter, den der Kapitän Lukas Zug verwandelte. Dann schlug er einen Freistoß, den der Gegner ins eigene Netz verlängerte.

Spätestens damit war für Martins „die größte Lachnummer des Spiels“ vergessen. Auch die Gäste hatte einen Strafstoß erhalten gehabt – laut Martins „ein Schiedsrichter-Geschenk“. Doch der Ex-Rohrer Ramin Sina drosch den Ball meterhoch übers Tor. Der Mann zwischen den Musberger Pfosten, Nico Drysch, musste also erst gar nicht eingreifen. Ihm gab Martins nach mehrmonatiger Verletzungspause den Vorzug, weil die bisherige Nummer eins Simon Hochschein nun für zwei Wochen fehlt (Auslandsseminar). Zugleich scheint damit das Rennen um den Stammplatz neu eröffnet. „Nico ist ein außergewöhnlich guter Torwart. Nach Simons Rückkehr werden wir uns mal zusammensetzen und schauen, wie es weitergeht“, kündigt Martins an.

Mal schauen, das gilt indes auch für den Musberger Weg insgesamt. Die nächsten Gegner heißen Cannstatt, Türkspor und Plattenhardt. Sollte die Mannschaft in der Tabelle danach immer noch vorne mitmischen, wäre auch das ein Signal.