Bezirksliga Stuttgart Nach „Gurkentor“: Weinmann vor dem Aus

Letzter Auftritt? Zwischen dem TSV Bernhausen und dessen Trainer Peter Weinmann stehen die Zeichen auf Trennung. Foto: Yavuz Dural
Letzter Auftritt? Zwischen dem TSV Bernhausen und dessen Trainer Peter Weinmann stehen die Zeichen auf Trennung. Foto: Yavuz Dural

In Bernhausen zeichnet sich ein Trainerwechsel ab – und in Plattenhardt ächzt man unter einem Schock. Der Rückblick zum neunten Spieltag mit Fokus auf die Mannschaften aus dem Gebiet der Filder-Zeitung.

Filderzeitung: Franz Stettmer (frs)
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Filder - Manchmal ist es schon komisch im Fußball. Da gibt es Spieltage, an denen man als Berichterstatter hinterher gähnend am Schreibtisch sitzt. Tote Hose, nix passiert. Und an anderen Wochenenden, wie diesem, weiß man vor lauter Ereignissen nicht mehr, wo man anfangen soll. Beim plötzlich schwächelnden Tabellenführer TSV Plattenhardt, der nebst krankem Coach zwei weitere wohl schwer verletzte Leistungsträger beklagt? Beim Überraschungsverfolger SV Sillenbuch, der nicht nur den sechsten Sieg in Serie, sondern auch drei frisch gebackene Väter feiern kann? Oder bei der Spvgg Möhringen? Der bisherige Tabellenletzte hat im Kellerduell beim TSV Bernhausen mit einem 1:0 die endlich ersten Punkte der Saison eingefahren – und damit wohl den Trainer des Gegners aus dem Amt geschossen. Peter Weinmann steht am Fleinsbach vor dem Aus.

TSV Bernhausen – Spvgg Möhringen

Niederlage Nummer sieben im achten Saisonspiel – das dürfte, wenn die Anzeichen nicht trügen, eine nun entscheidende zu viel gewesen sein. Für den heutigen Dienstagabend haben sie beim TSV Bernhausen eine Krisensitzung anberaumt. Abteilungsleitung und Trainergespann wollen „gemeinsam besprechen, wie es weitergeht“, sagt Nikolaos Kalantidis, der Fußballchef des Vereins. Eine Überraschung wäre es, befände sich Weinmann danach noch im Amt. Anders als in der vergangenen Saison, als sich Kalantidis in da schon schwierigen Phasen ein jedes Mal demonstrativ vor den Coach gestellt hatte, sagt er nun: „Ich schätze den Peter sehr, aber irgendwann ist das Ganze ein bisschen ausgelaugt.“ Die sportliche Bilanz sei halt alles andere als gut. Auch hat Weinmann selbst intern mittlerweile „Gegenstimmen“ ausgemacht. Er sieht seinerseits Gesprächsbedarf, nachdem er aus der Führungsetage ein Murren gegen seine Person vernommen hat.

Kommt es zur erwarteten Trennung, wäre es für den 44-Jährigen das Aus im sechsten Jahr – in einem Jahr, in dem freilich von vornherein allen Beteiligten bewusst sein musste, dass es ein erneut schweres wird. Und so sind im Umfeld durchaus auch Unkenrufe mit ganz anderem Tenor zu hören: Das hauptsächliche Bernhausener Problem, das sitze nicht auf der Trainerbank, es befinde sich vielmehr in der Zusammenstellung des Kaders. Der bange Verdacht nicht weniger Beobachter ist, dass es jenem nach dem personellen Großumbruch vom Sommer schlicht an Ligatauglichkeit fehlt.

Hierzu Entkräftendes wusste das nun obendrein vom Verletzungspech gebeutelte Ensemble auch an diesem Sonntag nicht beizutragen. Das Kellerduell mit der Spvgg Möhringen geriet laut Weinmann zu „einem Grottenkick“ – in dem dann zu allem Überfluss „ein Gurkentor“ die Seinen zum abermaligen Verlierer machte. 85 Minuten waren bereits gespielt, alles deutete auf eine Nullnummer hin, als ein eigentlich harmloser Schuss des eingewechselten Gästekickers Christian Preskitt abgefälscht ins Tor hoppelte. Für Weinmann und dessen Kicker war es der ultimative Schlag in den Nacken, für den bislang punktlosen Gegner womöglich jener mit befreiender Wirkung.

„Man hat gemerkt, dass für beide Seiten der Druck sehr groß ist“, sagt Weinmanns Gegenüber Karl-Heinz Fuhrmann, „aber am Ende völlig egal – für uns kam es nur auf die Zähler an.“ Jene seien „brutal wichtig für den Kopf“. Und auch für die Tabelle, in der die Möhringer die rote Laterne vor der für sie nun folgenden Spielpause prompt abgegeben haben. Am kommenden Wochenende haben sie frei, anders als der Nachbar Bernhausen. Dessen nächste Gegner heißen MTV Stuttgart, Musberg und Plattenhardt. Wäre ihnen am Fleinsbach nicht eh schon mulmig, spätestens damit müsste es werden.

TB Untertürkheim – TSV Plattenhardt

Freilich: mit ihren Sorgenfalten sind die Bernhausener nicht allein. Diese wölben sich mittlerweile auch beim erwähnten Ortsnachbarn TSV Plattenhardt – was zeigt, wie schnell es im Fußball gehen kann. Gerade noch vermeintlich unaufhaltsamer Seriensieger, hat beim Tabellenführer eine einzige Woche vieles anders gemacht. Erst die 0:1-Heimniederlage gegen Ermis Metanastis, dann das mit B-Elf peinliche Pokal-2:10 in Feuerbach, nun nur ein 0:0 beim Aufsteiger TB Untertürkheim. Der Topfavorit ist also doch verwundbar, wobei dessen Abteilungsleiter Sascha Krammer in den abgegebenen Punkten „das weniger Schmerzhafte“ sieht als in den Begleiterscheinungen.

Nachdem bei Theofilaktos Spiridopoulos inzwischen eine Schultereckgelenksprengung diagnostiziert ist, hat der aktuelle Spieltag zwei weitere drohende Langzeitausfälle gebracht. So schied der Kapitän Antonino Rizzo mit einer Adduktorenverletzung aus. Und für den Torjäger Kevin Siekerman war schon nach einer Viertelstunde Schluss. Ein Bänderriss? Oder gar ein Knöchelbruch? Eine MRT-Untersuchung soll Aufschluss bringen. „Ein Schock. Das wäre der Super-GAU“, ächzt Krammer, der am Sonntag einen Zusatzjob bekam. Da obendrein der Trainer Steffen Küttner krank ausfiel, übernahm er das Coaching am Spielfeldrand. Von dort aus sah Krammer, wie Paulo Bayrak per Pfostenschuss, Kevin Rippler und Georgios Doufas die Plattenhardter Siegchancen vergaben – und wie sich die Seinen auf der Gegenseite aber auch bei ihrem Keeper Daniel Wagner bedanken konnten, dass jener zweimal stark rettete.

SV Sillenbuch – MTV Stuttgart

In der Tabelle ist der Plattenhardter Vorsprung durch das Remis auf drei Punkte geschmolzen. Erster Verfolger ist nun, man höre und staune – der SV Sillenbuch. Der Außenseiter hat auch im Duell der Torfabriken der Staffel keinen Halt gemacht. Der Endstand gegen den MTV Stuttgart: ein 5:3, Sieg Nummer sechs in Serie – was am Spitalwald einerseits freut, andererseits aber den ein oder anderen allmählich bleich um die Nase werden lässt. Wohin wird das führen, wenn die Mannschaft diese Form konserviert? Etwa da hin, dass man sich mit dem Thema Landesliga beschäftigen muss?

Hätte das vor der Saison jemand getan, hätten die Sillenbucher das für einen Aprilscherz gehalten. „Ich wusste, dass wir eine sehr starke Mannschaft haben“, sagt der Spielleiter Hans-Georg Spies. Aber so stark? An der Zielsetzung will er so oder so noch nichts ändern: Punkte für den Klassenverbleib. Betonung auf „noch“. „Wenn es dann wirklich so weiter läuft“, sagt Spies, „können wir uns in der Rückrunde über anderes unterhalten“ – wobei für ihn eines jetzt schon sicher ist: „Strukturell sind wir eigentlich gar nicht so aufgestellt, dass die Landesliga machbar wäre.“ Fahrtgelder, Trainingsmöglichkeiten, Platzsituation – der Verein hätte viel Arbeit vor sich.

Doch soll es die kickende Belegschaft nicht hindern, weiter ihrem derzeitigen Gute-Laune-Job nachzugehen. Erneut sprühten die Sillenbucher vor Spielfreude, und erneut machte sich die Breite ihres Kaders bezahlt. Dass in Sascha Blessing, Jannik Schuller und Michael Neumaier drei wichtige Spieler kurzfristig ausfielen? Kurioser identischer Grund: alle drei wurden am Wochenende Vater. Kein Problem! Die Gastgeber steckten dies ebenso weg wie einen 1:3-Rückstand in Hälfte eins. Marco Schlecker und Luca Krieglstein drehten mit Doppelpacks die Partie. Der eine verwandelte zwei Elfmeter, der andere stellte nach Krankheitspause als Joker seinen Torriecher unter Beweis. Fazit: drei Punkte, dreimal Nachwuchs – was für ein Tag also auch aus Sillenbucher Sicht!

Spvgg Cannstatt – SV Vaihingen

Und in dieses Bild des Ereignisreichtums fügte sich denn auch das fünfte im Einsatz befindliche Team aus dem Verbreitungsgebiet der Filder-Zeitung ein – wobei es im Fall des SV Vaihingen zugegebenermaßen keine nahende Trainerentlassung, keine böse Lädierten und auch keine Kreißsaalverkündungen sind. Die Schwarzbachkicker siegten im Auswärtsspiel bei der Spvgg Cannstatt einfach „nur“ mit 3:0. Ein Auftritt, der den Trainer Stephan Tregel freilich höchst zufrieden stimmt. „Ballbesitzspiel, Pressing – man merkt, dass die Abläufe immer besser passen“, sagt er. Vor allem auch im Abwehrverhalten. Waren die Vaihinger in ihren drei ersten Saisonspielen mit 15 Gegentoren zur Schießbude mutiert, haben sie in den fünf Partien seither nur noch drei Treffer zugelassen.

Vorne stellte am Sonntag Marc Scherle mit einem satten 20-Meter-Schuss zur frühen Führung die Weichen. Thomas Drephal und Ali Hasöz machten schließlich alles klar. „Richtig guter Fußball von uns“, konstatiert Tregel – anders als beim vormaligen Tabellennachbarn in Bernhausen, wo die Uhr nun gegen den Amtskollegen Weinmann tickt.

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