Bezirksliga Stuttgart Neuer Erster – die Zange macht’s möglich

Kevin Rippler war mit drei Treffern und einer Torvorlage der Plattenhardter Mann des Tages. Foto: Günter  Bergmann
Kevin Rippler war mit drei Treffern und einer Torvorlage der Plattenhardter Mann des Tages. Foto: Günter Bergmann

Der TSV Plattenhardt setzt seinen Lauf fort und blickt nun auf zwei „Wochen der Wahrheit“. Außer den Filderstädtern siegt am fünften Spieltag nur ein weiteres Filderteam.

Filderzeitung: Franz Stettmer (frs)
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Filder - Da werden die Spieler beim nächsten Training wohl große Augen machen. Da baut der TSV Plattenhardt seinen Traumstart in der Fußball-Bezirksliga aus. Fünftes Spiel, fünfter Sieg. Da ist die Mannschaft nun neuer Spitzenreiter. Und was kündigt der Coach Steffen Küttner an? „Wir werden reden müssen. Es gibt etwas, das mich geärgert hat.“ Bei der Konkurrenz mag man sich denken: wohl dem, der auf einem solchen Niveau mäkeln kann. Von den anderen Filder­teams begann nur noch eines die aktuelle englische Woche ebenfalls mit einem Erfolg: der SV Vaihingen. Derweil musste der Aufsteiger TSV Musberg trotz erneutem Spektakelauftritt seine erste Saisonniederlage hinnehmen.

TSV Plattenhardt – Spvgg Cannstatt

Die Zugabe für den TSV Plattenhardt kam nach dem Abpfiff. Mit der Nachricht von der gleichzeitigen Niederlage des MTV Stuttgart war klar: Die Staffel hat einen neuen Spitzenreiter. Jener heißt eben Plattenhardt, zum ersten Mal wieder seit zwei Jahren und einem Monat. Es ist der Lohn für viel versprechende erste Wochen dieser Saison, in der die Filderstädter ihre Aufgaben bisher mit bemerkenswerter Souveränität erledigen. Nächster Gegner, nächste Demonstration der Stärke. Aktuell, beim 5:2, ging es den Gästen von der Spvgg Cannstatt nicht besser als ihren Vorgängern. Und gar nicht auszudenken, wie das Ergebnis gelautet hätte, hätte der Favorit durchgängig das Gaspedal durchgedrückt. Hat er aber nicht, sondern nur 60 Minuten lang. Und genau das ist der Punkt, der dem Trainer Küttner schließlich sauer aufgestoßen ist.

„Es war klasse und hat Spaß gemacht, zuzuschauen. Dann hat die Mannschaft aber leider mehrere Gänge zurückgeschaltet“, sagt der Coach. So etwas ärgere ihn, zumal daraus zuletzt noch zwei Gegentore resultierten. Küttners Devise ist: wehret allen Anfängen. Für etwaigen Schlendrian soll erst gar kein Spielraum sein. Denn fest steht für den Neuen auch, bei allem bisherigen tollen Abschneiden: „Die richtig starken Gegner und damit die Wochen der Wahrheit kommen erst jetzt.“ Musberg, Türkspor, Ermis Metanastis – bei den folgenden Aufgaben muss sich zeigen, wohin der Plattenhardter Weg in dieser Saison tatsächlich führen kann.

Einstweilen kam auch der Kontrahent Cannstatt nicht über die Rolle eines Sparringspartners hinaus. Nicht zuletzt, weil zwei Spieler besonders aufdrehten. Die Plattenhardter Flügelzange mit Alperen Albayrak und Kevin Rippler erwischte einen Sahnetag. Der eine, Albayrak, bereitete wie schon im vorangegangenen Heimspiel gegen Vaihingen drei Treffer vor. Der andere, Rippler, netzte dreifach ein – und schlug obendrein die Flanke zu Marcel Stannulls volley erzieltem Traumtor zum 4:0. „Er bringt Woche für Woche eine Wahnsinnsenergieleistung. Und diesmal hatte er zudem eine super Chancenverwertung“, sagt Küttner mit Blick auf Rippler.

Ob also zumindest jener bei der noch ausstehenden Schelte ungestreift bleiben wird? Als der Knick im Spiel kam, war der 24-Jährige bereits unter Zuschauerapplaus ausgewechselt.

TSV Musberg – Türkspor Stuttgart

Dagegen fühlte sich der Anhang des TSV Musberg hin- und hergerissen. Nach der 3:4-Heimniederlage gegen Türkspor Stuttgart ist die Frage: trotzdem freuen über ein abermaliges Spektakel? Eines mit erneut offenem Visier, „immer attraktiv, aber halt auch risikobehaftet“, wie es der Trainer Ralf Martins skizziert. Oder aber hadern ob einer verpassten Chance? Schließlich war das eigene Team im Duell mit dem Titelanwärter bereits 2:0 vorn gelegen. Zwei schnelle Treffer von Friedrich Grivas, der einen Musterpass des Neuzugangs Labinot Dodoli verwertete, sowie von Lukas Zug ließen die erhoffte Überraschung konkrete Formen annehmen.

Dann aber leitete ein Missgeschick des Torhüters Nico Drysch die Wende ein. Der Keeper passte den Ball unbedrängt zum Gegner. Und dann musste Martins schließlich ein nüchternes Fazit ziehen: „Respekt, was die Jungs gegen einen solchen Gegner gezeigt haben. Erneut eine starke Leistung.“ Jene eben dieses Gegners war aber halt noch eine Schippe stärker. „Tikitaka-Fußball vom Feinsten“ bescheinigt Martins dem Kontrahenten. So verließen die Musberger erstmals in dieser Saison als Verlierer den Platz – freilich als einer mit erhobenem Haupt.

Die Vorfreude auf die gleich nächste Prüfung gegen ein Schwergewicht der Liga ist allemal da. Am Donnerstag geht’s nach Plattenhardt.

TSV Bernhausen – Croatia Stuttgart

Weniger positive Aspekte kann derweil der TSV Bernhausen dem Torreigen seiner Begegnung abgewinnen. Auch die Fleinsbachkicker zogen auf eigenem Platz mit 3:4 den Kürzeren, in ihrem Fall gegen Croatia Stuttgart. Das Ärgernis: was sich die Mannschaft offensiv erarbeitete, riss sie defensiv wieder ein. „90 Minuten kämpferischer Einsatz waren umsonst, weil wir uns hinten die Dinger praktisch selber reingehauen haben“, sagt der Trainer Peter Weinmann. Beispiele gefällig? Erst verursachte Abou Drammeh einen Handelfmeter. Dann faustete der Keeper Serdar Kurt einen Volleyschuss der Gäste beim Abwehrversuch ins eigene Netz. Und schließlich passte Emilio Padalino den Ball direkt vor die Füße des Croatia-Torjägers Ivan Matanovic. Drei Pannen, drei Gegentore. Da nutzte es auch nichts mehr, dass zwischendurch Onur Aycil sehenswert per Freistoß traf.

Alles in allem setzte sich die Bernhausener Misere im eigenen Stadion fort. Von den vergangenen 15 Liga-Heimspielen haben die „Veilchen“ nur zwei gewonnen. Ein Glück also, dass nun eine Auswärtspartie folgt, am Donnerstag in Vaihingen?

Sportvg Feuerbach – SV Vaihingen

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Beim dann wartenden Gegner, dem SV Vaihingen, zeigt die Formkurve nach oben. Nach ihrem Desasterstart der ersten drei Spieltage mit 15 Gegentoren haben die Schwarzbachkicker sich stabilisiert. Das 2:1 in Feuerbach war nun der zweite Sieg in Serie – und erneut stellte die neu formierte Defensive die Erfolgsbasis dar. Die Abwehr mit Marc Scherle und Nico Breuer im Zentrum ließ wie schon beim Heimerfolg gegen Zuffenhausen wenig zu. „Geduldig, diszipliniert“ nennt der Trainer Stephan Tregel die eigene Auftrittsweise. „Höhepunktarm, unspektakulär“, würden womöglich andere sagen. Doch wer wollte sich bei den Vaihingern daran stören? Die Punkte sind das, was zählt.

Fest steht für Tregel: „Wir legen gerade Spiel für Spiel ein paar Prozent zu.“ Inzwischen auch bei der Verwertung dicker Torchancen. Zwei Elfmeter hatte die Mannschaft in dieser Saison bereits verschossen gehabt. Der nun dritte saß. Benjamin Schiffner verwandelte routiniert, ehe Jeremiah Geywitz nach der Pause der vorentscheidende zweite Treffer gelang. Wegbereiter war beide Male Ali Hasöz.

Spvgg Möhringen – TB Untertürkheim

Zum Tabellenende haben die Vaihinger damit ruckzuck eine Sechs-Zähler-Kluft hergestellt. Dort, ganz unten, steht unverändert die Spvgg Möhringen. Für jene ging es auch im fünften Versuch schief: 1:2 gegen den TB Untertürkheim. Auch im Duell mit dem Aufsteiger gelang die Wende nicht. Stattdessen sieht sich der Trainer Karl-Heinz Fuhrmann mehr und mehr als Psychologe gefordert. Das Problem: kein Erfolg gleich kein Selbstvertrauen, kein Selbstvertrauen gleich kein Erfolg. Der Absturz vom Hurrateam des Spieljahrs 2018/2019 zum plötzlichen Serienverlierer setzt den Seinen offenkundig zu. „In der vergangenen Saison“, ist der Coach überzeugt, „hätten wir eine Begegnung wie diese immer gewonnen.“ Aktuell nicht. Aktuell kommt auf der einen Seite Pech hinzu, indem etwa ein Kopfball des Urlaubsrückkehrers Nils Große Scharmann nur an den Pfosten geht – und auf der anderen unterlaufen den Möhringern weiterhin verhängnisvolle Aussetzer. „Schläfrig, extrem schlecht verteidigt“, sagt Fuhrmann zu den beiden Gegentoren. Doch sei das eben ein Lernprozess. Dass seine jungen Nachrücker nicht gleich ein gleichwertiger Ersatz für die verlustig gegangenen Routiniers Brunetti, Wieser und Zydeck sein würden können, war dem Trainer stets klar gewesen.

So lautet Fuhrmanns Devise nach wie vor: „Arbeiten. Ruhe bewahren.“ Mit der Hoffnung, dass das an der Hechinger Straße auch alle anderen so sehen. Bislang ja.

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