Bezirksliga Stuttgart Vom Spitzenreiter-Schock und König Otto

Der  TSV Plattenhardt bangt nun auch noch  um seinen Abwehrchef Georgios Doufas. Foto: Yavuz Dural
Der TSV Plattenhardt bangt nun auch noch um seinen Abwehrchef Georgios Doufas. Foto: Yavuz Dural

Der Rückblick zum zehnten Spieltag mit Fokus auf die Mannschaften aus dem Verbreitungsgebiet der Filder-Zeitung.

Filderzeitung: Franz Stettmer (frs)
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Filder - Das Titelrennen als Langweiler? Die Meisterfrage praktisch bereits vor der Winterpause beantwortet? Mal ehrlich: wer hatte in der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga bis vor zwei Wochen nicht so gedacht? Denn wer konnte schon damit rechnen, dass der Seriensieger TSV Plattenhardt plötzlich zum Krisenteam mutiert? Genau so ist es nun aber gekommen. Der aktuelle zehnte Spieltag hat für den Topfavoriten nicht nur den nächsten sportlichen Dämpfer, sondern auch den nächsten personellen Schockmoment gebracht. In der Tabelle beträgt der Abstand zwischen dem Ersten und Fünften lediglich noch vier Punkte – und steht vor allem einer der Verfolger als Gewinner da. Die Rede ist vom Aufsteiger TSV Musberg.

TSV Musberg – SV Sillenbuch

Klassenneuling rockt die Liga – das Fußballmärchen am Turnerweg geht munter weiter. Nach dem 1:0-Sieg auch im Verfolgerduell mit dem SV Sillenbuch haben die Musberger bereits 15 Punkte Abstand zu dem Tabellenbereich, der von ihnen offiziell als Orientierungsmarke vorgesehen war, sprich der Abstiegszone. Eben offiziell wollen die Verantwortlichen des Filderclubs auch weiter nichts an ihrer vorsichtigen Zielsetzung korrigieren. „Wir schauen von Spiel zu Spiel und nehmen es, wie es kommt“, sagt der Trainer Ralf Martins, wobei er natürlich mittlerweile selber weiß, dass ein eigenes Kellerszenario in etwa so wahrscheinlich ist, wie dass Paderborn noch Deutscher Meister wird. Einen Anflug von Hurra erlaubt sich der Coach denn immerhin. Die Begegnung vom Sonntag? „Das“, konstatiert Martins, „war ein Fußballfest.“ Oder, um es mit seinem Gegenüber Zvonimir Topalusic zu sagen: „Eine Vollgaspartie mit zwei richtig starken Teams“ – von denen einem das Glück des Tüchtigen schließlich etwas mehr zur Seite stand.

Letzteres waren Martins’ Kicker. Für jene avancierte der Innenverteidiger Marc Wiederoder zum Spieler des Tages. Zum einen, weil er laut seinem Trainer hinten „ein Fels in der Brandung war“. Zum anderen, weil der 22-Jährige dann obendrein vorne als Torschütze in Erscheinung trat. Wieder mal. Und wie gehabt bei einer Standardsituation. Kurz vor der Pause schraubte Wiederoder sich in einen Freistoßflankenball seines Teamkollegen Lukas Zug – bereits Saisontreffer Nummer sechs für den Mann mit der wuchtigen Stirn. In der Staffel ist er damit der torgefährlichste Abwehrspieler.

Alles Weitere erledigten die Musberger mit großer Kampfkraft, einem zudem starken Keeper Simon Hochschein und zuletzt auch Hilfe des Torgebälks. In der Nachspielzeit klatschte ein Freistoß des Sillenbuchers Luca Krieglstein gegen die Querlatte. Spätestens damit war für die Gäste ihrerseits klar: Es gibt dann halt solche Spieltage, an denen der Ball einfach nicht über die Linie will. „Wie viele Großchancen wir zuvor schon vergeben hatten, kann ich gar nicht mehr aufzählen“, sagt der Gästecoach Topalusic. Die Mehrzahl, keine Frage, hatte seine Elf. Dennoch blieb diese erstmals in dieser Saison ohne Treffer – und ging am Ende erstmals nach sechs Siegen in Serie wieder als Verlierer vom Platz.

In der Tabelle sind die Sillenbucher dennoch weiter Zweiter und können sich nun aufs Gipfeltreffen freuen. Am nächsten Wochenende kommt der Spitzenreiter TSV Plattenhardt an den Spitalwald.

TSV Plattenhardt – Croatia Stuttgart

Jener TSV Plattenhardt, bei dem man spätestens seit diesem Sonntag von einer Krise sprechen muss. Das überraschende 1:3 zuhause gegen Croatia Stuttgart war für die Filderstädter das vierte Pflichtspiel nacheinander ohne Sieg, wobei sie sich im Weilerhau noch nicht sicher sind, was schwerer wiegt: dieses nächste enttäuschende Ergebnis – oder der gleichzeitige nächste Eintrag auf der Verletztenliste. Nun hat es auch noch den Abwehrchef erwischt. Für Georgios Doufas endete die Partie mit lädiertem Ellenbogen. Bangend warten die Plattenhardter auf das Ergebnis einer MRT-Untersuchung. Erst in der Woche zuvor waren beim Torjäger Kevin Siekerman ein mehrfacher Bänderriss im Sprunggelenk und beim Verteidiger Theofilaktos Spiridopoulos eine Schultereckgelenksprengung diagnostiziert worden. Obendrein fiel diesmal der Keeper Daniel Wagner mit einer Adduktorenzerrung aus.

„Wenn alle fit sind, haben wir den mit Abstand stärksten Kader der Liga“, sagt der Abteilungsleiter Sascha Krammer. Betonung auf „wenn“. Wenn dagegen nicht, kommt es so wie momentan – dann haben auch die vermeintlich Unaufhaltsamen plötzlich ein Problem. Aktuell half es auch nichts, dass der Trainer Steffen Küttner sich zumindest für diese gut 90 Spielminuten aus seiner Krankheitspause zurückmeldete. Der Coach musste mit ansehen, wie die Seinen sich von einem giftig agierenden Gegner den Schneid abkaufen ließen. Und wie sie in der zweiten Hälfte trotz personeller Überzahl zunehmend rat- und hilflos anrannten.

Dass der Gästekicker Filip Bungic kurz vor der Pause wegen Meckerns Gelb-Rot sah? Dass die Plattenhardter also eine Dreiviertelstunde lang einen Spieler mehr auf dem Rasen hatten? Es verpuffte wirkungslos. „Gefühlt haben wir 40, 50 Flanken in den Strafraum geschlagen“, sagt Krammer. Mehr als der zwischenzeitliche Ausgleich durch Paulo Bayrak sprang aber nicht heraus. Ja, schlimmer für den Favoriten: stattdessen schloss Croatia zwei Konter erfolgreich ab, den vorentscheidenden zum 1:2 über den schnellen Ex-Vaihinger Holly Bokilo.

Und so steht der vormalige Seriensieger nun schwuppdiwupp an einem kritischen Punkt. Von wegen Sololauf zum Aufstieg. Als Nächstes geht es wie gesagt ins Spitzenspiel nach Sillenbuch – in dem eine weitere Niederlage den Verlust von Platz eins bedeutete. „Es ist eine Bewährungsprobe, zu zeigen, dass doch auch der zweite Anzug passt“, sagt Krammer.

SV Vaihingen – Türkspor Stuttgart

Dass Niederlage nicht gleich Niederlage ist, illustriert unterdessen das Beispiel SV Vaihingen. Auch die Schwarzbachkicker verloren, in ihrem Fall allerdings erhobenen Hauptes. Der Auftritt beim 3:5 gegen Türkspor Stuttgart war aller Ehren wert. „Unser bisher bestes Saisonspiel“, sagt der Trainer Stephan Tregel. Eine gute Hälfte lang setzten seine Mannen dem Meisterschaftsmitfavoriten zu. Hohe Laufbereitschaft, intensives Pressing – dies wurde mit Treffern von Benjamin Schiffner, Ali Hasöz und Noah Kiyici belohnt. Zweimal leistete der neu in die Startelf gerückte Steffen Günther die Vorarbeit.

Erst als bei den Vaihingern die Kräfte schwanden, setzte sich die spielerische Klasse des Gegners durch. Eines Gegners, dem Tregel „eine geile Truppe“ attestiert. Mit einem Sonntagsschuss von Merih Yesilirmak, der ungestreift in den Torwinkel rauschte, kippte die Partie – und Tregel wusste, warum er einigen zuvor vergebenen eigenen Chancen zur Ergebniserhöhung nachtrauerte. Was gewesen wäre, wenn Schiffner und Günther nicht frei stehend vor dem Tor gescheitert wären? Für den Coach ein klarer Fall: „Dann ist das Ding gelaufen, und zwar für uns.“ So bleibt immerhin die Erkenntnis, „auf einem richtig guten Weg“ zu sein.

MTV Stuttgart – TSV Bernhausen

Inwieweit das auch für den TSV Bernhausen gilt, bleibt abzuwarten. Immerhin aber haben die Filderstädter im Spiel eins nach der Trennung von ihrem Trainer Peter Weinmann einen Anfang gemacht, auf dem sich aufbauen lässt. Mit einem 1:1 beim MTV Stuttgart stoppten sie ihre Niederlagenserie – und zugleich auch den besten Angriff der Staffel. Zur Einordnung: bisher hatte das Ballermann-Trio Hahn/Backes/Fadi Odesh für den Gegner in dieser Saison schon 22-mal eingenetzt, mithin zehnmal öfter als alle Bernhausener zusammen. Diesmal jedoch? Da stießen die Erwähnten auf Beton. Unter der Devise „der Zweck heiligt die Mittel“ rührten die Gäste vom Fleinsbach jenen an. „Wir haben es wie Griechenland bei der WM 2004 gemacht“, sagt der Spielleiter Konstantinos Kalantidis, der bis auf Weiteres als Interimscoach fungiert. Rehhagel’scher König-Otto-Gedächtnisfußball: hinten eine Fünferabwehrkette, überhaupt eine Elf der Verteidiger – und nach vorne, da schaun mer mal.

Dieser Plan ging auf. Durch ein Kontertor von Ali Karakoc kam der Außenseiter sogar zur Führung, welche allerdings nur für drei Minuten hielt. „Insgesamt haben die Jungs bewiesen, dass wir keine Laufkundschaft sind und was man als Mannschaft schaffen kann“, sagt Kalantidis. Wie lange nun noch mit ihm als Verantwortlichem, dürfte sich in dieser Woche klären. Dann wollen die Bernhausener in Sachen Weinmann-Nachfolge weitere Gespräche führen. Als Kandidat für den Posten gilt nach wie vor der eigene Torhüter, Serdar Kurt. Der 33-Jährige fungierte bereits bei seinem Vorgängerverein KTSV Hößlinswart als Spielertrainer.

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