Achtelfinale Fußball-Bezirkspokal Stuttgart/Böblingen Der Favoritenschreck kegelt den nächsten Bezirksligisten raus

Ioannis Nedos (Mitte), hier im Pokalspiel gegen den SC Stammheim in der vergangenen Saison, und seine Weilimdorfer setzten ihre beeindruckende Serie fort. Foto: Günter Bergmann

„Aller guten Dinge sind drei“, lautet die Devise bei der SG Weilimdorf. Derweil setzt sich Türkspor im Duell der Tabellenführer durch und ein Trainer will den Kopf freibekommen – in 2962 Metern Höhe.

Sport: Dominik Grill (grd)

Das Achtelfinale am Donnerstagabend bedeutete das erstmalige Bezirkspokal-Aufeinandertreffen der Stuttgarter und der Böblinger Teams, nachdem die Runden davor noch innerhalb der Landkreise ausgemacht worden waren. Gewinner und Verlierer gab es auf beiden Seiten, vor allem aber geht das Favoritensterben weiter: Mit dem SV Vaihingen ist der nächste Bezirksligist raus, nur deren zwei stehen aktuell im Viertelfinale. Die Chance zum Nachziehen hat außerdem Croatia Stuttgart, die erst am kommenden Dienstag auf einen alten Bekannten treffen. Der Blick auf die Begegnungen des Achtelfinales.

 

SG Weilimdorf – SV Vaihingen 2:1

Sie haben es wieder getan! Nach dem TV Echterdingen II und der Spvgg Cannstatt in den vergangenen zwei Runden schmissen die Weilimdorfer den nächsten Bezirksligisten aus dem Pokal, besiegten die Vaihinger mit einem knappen 2:1. „Das ist einfach unser Wettbewerb“, sagte Philip Baltsios, Trainer bei Weilimdorf, „ich glaube, wir haben im Pokal noch ein paar Prozentpunkte mehr an Motivation.“ Den Spielverlauf beschrieb er als das übliche Katz-und-Maus-Spiel zwischen Favorit und Außenseiter: „Der Gegner war fast das ganze Spiel über im Ballbesitz, wir standen kompakt und haben aggressiv verteidigt.“

In der ersten Halbzeit sah er harmlose Gäste, die seiner Mannschaft zweimal ins Messer liefen. „Wir waren im Umschaltspiel extrem effektiv und ich glaube, die Gegner im Pokal unterschätzen uns.“ So habe Vaihingen erst in der zweiten Hälfte die beiden Stammstürmer gebracht, danach extremen Druck aufgebaut. Am Ende stand dennoch ein gerechtfertigter Sieg für die Weilimdorfer auf der Anzeigetafel, so Baltsios: „Wenn man sich unseren Kampf und unseren Einsatz anschaut, glaube ich, dass es verdient war.“

Auf der anderen Seite sprach der Vaihinger Trainer Jeremiah Geywitz von keinem schlechten Spiel seiner Mannschaft, aber: „Die Hypothek, einem 2:0 hinterherzulaufen, war zu groß.“ Während man selbst einige Hochkaräter liegen ließ, habe der Gegner ebenjene sehr effektiv genutzt, prompt lag man schon nach elf Minuten mit zwei Toren zurück. Von einem „Unterschätzen des Gegners“ wollte er nichts wissen, dass die angesprochenen Stürmer David Hug und Fabijan Krpan nicht in der Startelf standen hatte taktische Gründe. „Am Ende hat es nicht geklappt, also kann man mir als Trainer schon den Schuh anziehen“, sagte ein fairer Geywitz.

Tore: 1:0 Janik (6.), 2:0 Tsehaye (11.), 2:1 Stockbauer (57.).

Besonderes: –

SV Vaihingen II – TSV Kuppingen 2:6

Dass der Pokal seine eigenen Gesetze hat, ist altbekannt und macht gerade den Außenseitern Hoffnung. So auch dem Kreisliga-B-Ligisten SV Vaihingen II: „Man hofft natürlich immer, dass man in so einer Pokalnacht auch gegen einen A-Ligisten gewinnt“, sagte Christian Rieger, Trainer der Heimelf. Entsprechend selbstbewusst war man ins Spiel gestartet: „Früh drauf, hoch pressen, wir wollten den Gegner überraschen.“ Stattdessen lief man in mehrere Konter, die der eine Etage höher spielende TSV Kuppingen gnadenlos ausnutzte. Am Ende steht eine klare Niederlage zu Buche, das Abenteuer Bezirkspokal ist damit auch für die zweite Vaihinger Mannschaft beendet.

Ganz so deutlich, wie es das Ergebnis vermuten lässt, sah Rieger das Spiel nicht: „Die Niederlage war natürlich verdient, aber nicht unbedingt in der Höhe.“ Der „Genickbruch“ im eigenen Spiel sei durch die erwähnte Kaltschnäuzigkeit des Gegners vor dem Tor erfolgt – vor allem in Halbzeit eins. Nach der Umstellung in der zweiten Hälfte – von einer Dreier- auf eine Viererkette – habe man besser gestanden. Als Florian Auch in der 70. Minute auf 2:4 verkürzte, machte der Außenseiter auf, witterte noch eine Chance. Stattdessen fing man sich noch zwei späte Gegentore. Am Ende erkannte Rieger an: „Vor dem Tor hat sich der Qualitätsunterschied zwischen der Kreisliga A und B gezeigt.“

Tore: 0:1 Uyar (3.), 0:2 Poser (12.), 1:2 Günther (18.), 1:3 Humm (28.), 1:4 Prokein (45.), 2:4 Auch (70.), 2:5 Prokein (80.), 2:6 Holzner (90.+4).

Besonderes: –

TSV Leinfelden – VfL Herrenberg 1:5

Auch für den zweiten verbliebenen B-Ligisten ist die diesjährige Pokalsaison beendet. Trotz der deutlichen Niederlage habe man sich laut dem Leinfeldener Coach Roberto Zaccaro gegen die Gäste aus der Bezirksliga deutlich über Wert verkauft: „Wir waren teilweise auf Augenhöhe, haben denen das Leben richtig schwer gemacht.“ Zwar sei Herrenberg unterm Strich besser gewesen und habe verdient gewonnen, das Ergebnis spiegele aber nicht den Spielverlauf wider. Nach einem 0:2-Pausenrückstand gelang dem Leinfeldener Sechser Ben Unger der Anschlusstreffer zum 1:2, nur wenige Minuten später sorgten die Gäste aber per Strafstoß für die Vorentscheidung.

Der Elferpfiff sei aber laut Zaccaro mindestens fragwürdig gewesen. Weder er noch seine zwei verdächtigten Abwehrspieler hätten einen Kontakt zum gegnerischen Spieler wahrgenommen. Statt Frust zu schieben, überwog aber am Ende bei den Leinfeldenern der Stolz auf die eigene Leistung – sowohl im Spiel gegen Herrenberg als auch über die ganze Pokalsaison hinweg. Dabei kam der Lerneffekt nicht zu kurz: „Es ist wichtig für eine Kreisliga-B-Mannschaft zu sehen, wie ein Team aus den höheren Ligen spielt“, sagte Zaccaro, der die Partie gegen den Bezirksligisten auch als Fingerzeig für die eigene Entwicklung verstand: „Seht ihr Jungs, da wollen wir auch mal hin.“

Tore: 0:1 Fais (34.), 0:2 Atis (38.), 1:2 Unger (60.), 1:3 Lutz (65./Foulelfmeter), 1:4 Franguere (73.), 1:5 Kirn (86.).

Besonderes: –

SG Stgt West – MTV Stuttgart II 3:2

Noch vor wenigen Wochen standen sich die beiden Teams aus der Staffel eins in der Kreisliga A gegenüber, am Ende hieß es 2:2-Unentschieden; im Pokal freilich ein unmögliches Ergebnis, es musste einen Sieger geben und der lautete SG West. Deren Trainer Philip Baltsios war zufrieden mit dem Auftritt seines Teams: „Für die Mannschaft, die wir zusammenbekommen haben, war es ein gutes Spiel.“ Unter der Woche sei es personell immer schwierig, außerdem liege der Fokus ohnehin auf der Liga.

Nichtsdestotrotz zeigte das Team die richtige Einstellung, besonders nach dem frühen Rückstand: „Wir berappeln uns schnell, das ist eine Stärke von uns.“ Per 40-Meter-Schuss sorgte Jan Feldmann für den Ausgleich, erwischte den zu weit vor dem Tor stehenden gegnerischen Keeper Erik Strube auf dem falschen Fuß. Unterm Strich steht laut Baltios ein verdienter Sieg und die Lust auf mehr: „Es macht Spaß da oben mitzumischen, ins Finale zu kommen, wäre natürlich ein Traum“, meinte der Trainer grinsend und fügte an: „Im Pokal ist alles möglich.“

Für die Gäste dagegen ist der Traum nach einem „engen, kampfbetonten Spiel“ ausgeträumt, wie Spielleiter Luca Luchetta die Partie beschrieb. Insgesamt sei das Ergebnis nicht unverdient gewesen, das eigene Hauptaugenmerk ist aber sowieso auf die Liga gerichtet: „Alex Schweinberger und Rainer Schwarz sind wieder fit, wir haben sie aber für das Spiel am Sonntag geschont.“ Dann zählt es für die beiden Stammkräfte und den Rest der Elf gegen den SSV Zuffenhausen, den Tabellendritten der Staffel zwei, zu bestehen.

Tore: 0:1 Abdolla (17.), 1:1 Feldmann (28.), 2:1 Müller (41.), 2:2 Brayton-Brown (43./Foulelfmeter), 3:2 Kottmann (64.).

Besonderes: –

Türkspor Stuttgart – SV Aidlingen 2:1

Im Duell der Kreisliga-A-Tabellenführer setzte sich Türkspor knapp gegen die Gäste aus Aidlingen durch, bleibt in dieser Saison weiter ungeschlagen. Besonders in der ersten Halbzeit präsentierte sich der Spitzenreiter der Staffel eins laut Trainer Memik Erdogan gewohnt dominant: „Der Gegner hatte nicht den Hauch einer Torchance.“ Früh schon stand es 2:0 für die Heimelf, bei denen mit Daniel Bosnjak der wohl beste Spieler der Mannschaft 90 Minuten auf der Bank saß. Auch bei den Wechseln während des Spiels hatte Erdogan die Ligapartie gegen den SV Prag im Hinterkopf, in der zweiten Halbzeit habe man das gemerkt: „Es wurde ein richtig spannendes und turbulentes Spiel, Kompliment an Aidlingen.“

Den Elfmeterpfiff zum Strafstoß für die Gäste in der 67. Minute bezeichnete er als „Geschenk des Schiris“, die Aidlinger seien aber ein „sehr fairer Gegner“ gewesen. Bei den eigenen Ambitionen in Sachen Pokalsieg gibt er sich bedeckt – noch. Das Spiel gegen den Spitzenreiter der Staffel zwei diente jedenfalls auch als Gradmesser: „Es war ein gutes Spiel, Erster gegen Erster, jetzt wissen wir, wo wir stehen.“Am Ende bleibt die Erkenntnis: Nicht nur in der Liga, auch im Pokal ist Türkspor bislang unaufhaltsam.

Tore: 1:0 Korkmaz (10.), 2:0 Capar (22.), 2:1 Kalmbach (67., Foulelfmeter).

Besonderes: –

TSV Jahn Büsnau – TV Nebringen 4:0

Pflichtaufgabe erfüllt: Gegen den Drittletzten der Staffel drei, Kreisliga A, ließ der Tabellenvize der zweiten Staffel keine Zweifel aufkommen, hätte „eigentlich 7:0 gewinnen müssen“. So sah es zumindest der Büsnauer Trainer Marc Molinus, der nur einen Tag später das herrliche Wetter auf der Zugspitze genoss (neun Grad und strahlender Sonnenschein). „Eine kurze Auszeit, um den Kopf freizubekommen“, scherzte der Coach – und zwar von den eigenen Luxusproblemen. Die da lauten: Starke Ersatzspieler, die nach ihrer guten Leistung den Stammkräften im kommenden Ligaspiel den Startelfplatz streitig machen könnten.

Dann geht es zum FV Germania Degerloch – die Partie, auf der auch bei der Kaderzusammenstellung gegen Nebringen der Fokus lag. „Das Spiel gestern hat die ganze Breite des Kaders gezeigt“, sagte ein hochzufriedener Molinus, der auch auf die Spielanlage des Gegners vorbereitet war: „Lange Bälle und hinten kompakt stehen, damit hatten sie bereits gegen starke Gegner Erfolg.“ Beispielsweise schmissen die Nebringer in der vorigen Pokalrunde den Bezirksligisten SV Oberjesingen aus dem Wettbewerb. „Gegen uns war es das falsche Mittel, weil wir hinten sehr sicher stehen“, sagte Molinus, der in der Liga nun die Qual der (Startelf-)Wahl hat.

Tore: 1:0 Neils (18.), 2:0 Kastler (34.), 3:0 Schneider (54.), 4:0 Schneider (90.).

Besonderes: –

ASV Botnang – Croatia Stuttgart

Als in der vergangenen Saison Croatia Stuttgart ungeschlagen durch die Staffel eins der Kreisliga A marschierte, konnten ihnen nur die Botnanger Punkte abringen. Das mit Spannung erwartete Wiedersehen lässt noch auf sich warten, die Partie wurde auf Dienstag, 19. November, verschoben (19.30 Uhr).

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