Bezirkspokal Enz/Murr SV Kornwestheim stürmt völlig losgelöst ins Pokalfinale

In einem starken Kornwestheimer Kollektiv steuert Tom Schneider zwei Tore zum Erreichen des Endspiels bei. Foto: Peter Mann

Nach schwachen 30 Minuten dreht der SV Kornwestheim im Bezirkspokal Halbfinale gegen den TSV Heimsheim auf und schlägt den Ligarivalen mit 5:2 (2:2).

Ludwigsburg: Elke Rutschmann (eru)

Tom Schilling war natürlich auch dabei. Deutschlands neue Fußballhymne. „Völlig losgelöst“ wummerte am späten Donnerstagabend nach dem Abpfiff über den Kunstrasenplatz des SV Kornwestheim. Was für ein erhebender Moment für den Club. Die Mannschaft von Coach Roberto Raimondo hatte soeben durch einen 5:2 (2:2)-Erfolg gegen den TSV Heimsheim das Bezirkspokalfinale erreicht.

 

Vor allem Kapitän Marco Reichert feierte den Finaleinzug und stimmte sein Team im Spielerkreis ein. „Dass ich das noch mal erlebe ist großartig. 2013 stand ich mit dem SVK zuletzt im Endspiel. Dafür verschiebe ich auch den Urlaub“, sagt der 33-Jährige. Vor 13  Jahren unterlag er gegen den FC Marbach im Elfmeterschießen. Diesmal wollen es die Kornwestheimer gegen den A-Liga-Spitzenreiter TSV Grünbühl dann besser machen.

Heimsheim Trainer steht nach sechs Jahren wieder auf dem Feld

Doch ehe sich der Spielführer und die Mannschaft in den Armen liegen konnten, mussten sie in der ersten Halbzeit erst einmal zwei Rückschläge verkraften. Heimsheims Trainer Oliver Kudera schickte nämlich eine besondere Elf auf den Rasen und streifte sich sechs Jahre nach seinem letzten Einsatz als Spieler nach der Rotsperre von Torjäger Lino Widmaier selbst das Trikot über. Ein Schachzug, der Wirkung zeigte beim Gegner, denn nach einer schlafmützigen Aktion der Kornwestheimer Abwehr schlenzte der 35-Jährige einen Ball in Mats-Hummels-Manier per Außenrist zum 1:0 in die Maschen. Dass der Coach über ein feines Füßchen verfügt zeigte er in der 21. Minute zum Leidwesen des SVK bei einem Freistoß erneut, als er den Ball aus rund 20 Metern ins linke untere Eck zirkelte.

Starker Auftritt von Gianluca Altobelli

Der SV Kornwestheim steckte den Rückstand aber erstaunlich gut weg. Nach einer Ecke verkürzte Niklas Strehlow vier Minuten später zum 1:2 für die Gastgeber. Jetzt wollte die Mannschaft von Roberto Raimondo mehr, angetrieben vom überragend spielenden Gianluca Altobelli, der bei seiner Auswechslung in der Nachspielzeit einen Extra-Applaus der Zuschauer bekam. Der erst 22-Jährige machte viele Bälle fest und übernahm Verantwortung im Mittelfeld. Daran wuchsen auch die Kollegen. Drei Minuten vor der Pause glich Kornwestheim nach einem starken Sololauf von der Mittellinie durch Tom Schneider aus. Trotz des Ausgleichs gab es für die Spieler einen Einlauf in der Kabine. „Die ersten 30 Minuten waren wir richtig schlecht. Da bin ich richtig laut geworden“, sagte der SVK-Coach. Erneut kamen die Gäste dann aber gut aus der Pause. Der vor allem in der zweiten Hälfte sehr zuverlässige Keeper Steffen Scheck hielt das Remis jedoch fest.

SVK gelingen zwei Tore in Unterzahl

Mit Gier, Willen und Charakter drehten die Kornwestheimer dann auf. Nach einer Flanke von Cedric Schröder war Marco Reichert (62.) zur Stelle und stellte auf 3:2. Jetzt war die Raimondo-Formation im Flow. Nicht einmal die Gelb-Rote Karte gegen Zdenek Polizoakis (71.) konnte die Männer in den gelben Trikots stoppen. Oliver Kudera hatte mittlerweile wieder die Rolle getauscht und verfolgte von der Bank aus, dass seine Mannschaft trotz Überzahl nicht mehr ins Spiel zurückfand. Im Gegenteil. In der 75. Minute war noch einmal Tom Schneider zur Stelle und verwertete eine Kopfballverlängerung zur Vorentscheidung. Und weil es gerade so gut lief durfte auch noch der eingewechselte Issa Mira (88.) ran und vollendete einen Konter zum 5:2-Endstand. Dafür gab es auch Lob vom doppelten Heimsheimer Torschützen. „Es war ein heißer Tanz, und Kornwestheim ist einfach auch ein Topteam“, sagte Oliver Kudera, der seinem Team trotz des Ausscheidens eine starke Pokalrunde attestierte.

Traum für Raimondos Team geht weiter

Für die Kornwestheimer geht der Traum weiter. „Wenn wir so fighten, sind wir selbst mit einem Mann weniger nicht zu schlagen“, sagte Roberto Raimondo. Sein Team dürfe jetzt feiern, müsse dann aber schnell den Fokus auf das sonntägliche Spiel (15 Uhr) beim Vierten FSV 08 Bietigheim-Bissingen II richten, mit dem man mit einem Sieg nach Punkten gleichziehen würde. „Die spielen eine überragende Rückrunde. Das wird ein heißer Tanz“, sagte Raimondo. In der Pokalform könnte das für den SVK machbar sein.

SV Kornwestheim : Scheck – Kotsinas, Oesterwinter, Polizoakis, Strehlow – Altobelli, Reichert (80. Schima), Schneider, Schröder, Schwalb (64. Mira), Schürmann (74. Makovic).

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