Das Ende eines Biathlon-Krimis: Franziska Preuß kümmert sich um ihre enttäuschte Kontrahentin Lou Jeanmonnot. Foto: Imago//Mathias Bergeld
Franziska Preuß gewinnt nach einem Drama in Oslo den Gesamtweltcup. Doch statt zu jubeln, tröstet sie im Moment ihres wichtigsten Triumphes ihre Konkurrentin – und zeigt damit nach Meinung unseres Autors Jochen Klingovsky ihre wahre Größe.
Jochen Klingovsky
23.03.2025 - 16:13 Uhr
Franziska Preuß hätte lautstark jubeln, den wichtigsten Erfolg ihrer Karriere überschwänglich feiern, den Moment des Triumphs so richtig auskosten können. All das tat sie nicht. Stattdessen wartete sie hinter der Ziellinie auf ihre total enttäuschte Kontrahentin Lou Jeanmonnot, nahm die Französin in die Arme, tröstete sie. Es war eine Geste, mit der die derzeit beste Biathletin der Welt ihre wahre Größe zeigte. Und mit der sie jeden Fair-Play-Preis, der in der Welt des Profisports ausgelobt wird, verdient hätte.
Denn Franziska Preuß, schnell in der Loipe und zielsicher am Schießstand, verfügt ja zudem noch über die Fähigkeit, stets die treffenden Worte zu finden. „Es ist blöd, so zu gewinnen“, sagte sie nach dem Unglück von Lou Jeanmonnot, die in der letzten Kurve des Kopf-an-Kopf-Rennens um den Gesamtweltcup im Massenstartwettbewerb von Oslo gestürzt war, „ich hätte es lieber auf der Zielgeraden entschieden.“
Keine unfaire Aktion von Franziska Preuß
Zu diesem Sprint war es nicht gekommen, weshalb sich Franziska Preuß danach vor allem dafür interessierte, ob sie sich womöglich in der entscheidenden Kurve, in der es (zu) eng geworden war, unabsichtlich eine unfaire Aktion geleistet hatte. Hatte sie nicht. Von Lou Jeanmonnot, die über den eigenen Stock gestolpert war, gab es keine Vorwürfe, das französische Team nahm den eingereichten Protest wieder zurück. Woraufhin Franziska Preuß endlich den Freudentränen freien Lauf lassen konnte.
Franziska Preuß mit der großen Kristallkugel. Foto: dpa/Terje Pedersen
Bei der anschließenden Siegerehrung erhielt sie als sechste Deutsche die große Kristallkugel. Es ist für die stärkste Biathletin der Saison die sportliche Krönung gewesen. Königin der Herzen war Franziska Preuß zu diesem Zeitpunkt bereits.