Biber im Landkreis Esslingen Der Landschaftgestalter mit Biss ist wieder zurück

Von Philipp Braitinger 

Biber fühlen sich wohl im Landkreis Esslingen. Ihre Zahl steigt laut Umweltschützern seit einigen Jahren an, inzwischen sollen es 15 Exemplare sein. Eine Ausstellung in Plochingen informiert über das Leben der Nagetiere.

Hat sich der Biber ein Objekt  ausgesucht, kennt seine Nagelust keine Grenzen. Foto: Rudel Horst
Hat sich der Biber ein Objekt ausgesucht, kennt seine Nagelust keine Grenzen. Foto: Rudel Horst

Plochingen - Er ist wieder da. Nachdem der Biber vor rund 100 Jahren nahezu ausgerottet war, kehrt er nun zurück nach Baden-Württemberg. Auch im Landkreis Esslingen wurde er schon mehrfach gesichtet, an den Wernauer Baggerseen beispielsweise oder am Beutwangsee in Nürtingen. „Er breitet sich aus“, berichtet Harald Brandstetter vom Naturschutzbund (Nabu) während des Biberaktionstages am Sonntag im Umweltzentrum Neckar-Fils in Plochingen. Brandstetter ist einer von vier Biberberatern im Landkreis.

Eine Biberehe hält ein Leben lang

Die Umweltschützer schätzen die Zahl der Biber im Landkreis Esslingen auf gut 15 Exemplare. Vor fünf Jahren seien es gerade einmal zwei Tiere gewesen. Wie viele es noch werden könnten, ist derzeit ungewiss. „Wenn alle Reviere besetzt sind, pendelt es sich ein“, erklärt Brandstetter. In Baden-Württemberg sollen es bereits 5500 Tiere sein. Ein Pärchen, das übrigens lebenslang zusammenbleibt, kann zwei bis drei Biberkinder pro Jahr bekommen. Wenn der Nachwuchs alt genug ist, sucht er sich ein eigenes Revier. Eingewandert sind die Nagetiere vor allem aus Bayern, wo sie entlang der Donau wieder ausgewildert wurden. Aber auch aus der Schweiz sollen einige Exemplare den Weg ins Ländle gefunden haben. Auf der Suche nach neuen Revieren können die kleinen Tiere kilometerweit über Land laufen.

Dass die nacht- und dämmerungsaktiven Tiere bis vor Kurzem gänzlich verschwunden waren, lag laut Biberberater Brandstetter vor allem an der intensiven Bejagung durch den Menschen. Insbesondere die flauschigen Felle waren begehrt, um daraus Mäntel, Decken oder Mützen herzustellen. Ferner wurden das Fleisch gegessen und bestimmte Körperteile wie das Drüsenfett zu Medizinprodukten verarbeitet. An mangelndem Lebensraum habe es nicht gelegen, dass die Biber verschwunden seien, stellt Brandstetter klar. „Die Biotope waren nicht das Problem.“

Der Biber tut der Artenvielfalt gut

Aus ökologischer Sicht wird die Rückkehr des Bibers begrüßt. „Er erhöht die Artenvielfalt um das Zehnfache“, sagt der Biberberater. Denn in den Biberburgen finden auch andere Tiere wie Fische und Insekten einen Schutzraum. Die Freude über die Rückkehr der Biber wird aber nicht überall geteilt, denn die Tiere bauen Staudämme. „Er ist ein exzellenter Baumeister“, so Brandstetter. Durch die Dämme könnten Felder überflutet werden. Außerdem nage der Biber gerne an Bäumen, was zu Konflikten mit Landwirten führen könne. Und wenn die Biber mit ihren Höhlen Wege und Straßen untergraben, könnten diese beschädigt werden.

Die Biberberater im Landkreis Esslingen sollen zusammen mit der Naturschutzbehörde im Konfliktfall beraten und nach Lösungen suchen. So können beispielsweise Dränagen in Biberdämmen Überflutungen verhindern oder Zäune Bäume schützen. Ein Abschuss der streng geschützten Tiere ist nur im Ausnahmefall zulässig und muss behördlich genehmigt werden.