Biennale Sindelfingen Oratorium zum Bauernkrieg vor der Uraufführung

Komponist Christoph Reuter Foto: Junala

Im Rahmen der Biennale Sindelfingen wird am Wochenende das Oratorium „Unter dem Morgenstern“ uraufgeführt. Wir haben mit dem Komponisten Christoph Reuter gesprochen.

Unter dem Leitthema „Freiheit und Verantwortung“ läuft derzeit zum sechsten Mal die Sindelfinger Biennale. Damit widmet sich das vierwöchige Kulturfestival nicht zuletzt dem Bauernkrieg und seiner großen Schlacht am Goldberg, bei der die Aufbegehrenden vor 500 Jahren eine vernichtende Niederlage erlitten.

 

Auf diese blutige Schlacht bezieht sich das Oratorium „Unter dem Morgenstern“. Das Auftragswerk der Stadt Sindelfingen haben Andreas Hillger (Text) und Christoph Reuter (Musik) geschrieben und komponiert. Der Morgenstern ist der Planet, der vor dem Sonnenaufgang am hellsten leuchtet, meistens ist es die liebreizende Venus. Die zweite Bedeutung dieses Wortes bezieht sich auf eine schreckliche mittelalterliche Kampfwaffe, einen langen Griff mit einer Kugel dran, die mit brutalen Spitzen geschmückt war.

Christoph Reuter studierte an den Musikhochschulen Leipzig und Berlin Jazzpiano. In seinem Soloprogramm „Klassik improvisiert“ lässt er klassische Werke mit eigenen Improvisationen verschmelzen. Als Komponist schreibt der Berliner Musiker für Orchester und Chöre, in den letzten Jahren sind drei Klavierkonzerte, sechs Oratorien und ein Musical entstanden. Wir haben uns im Vorfeld der Sindelfinger Aufführungen mit ihm unterhalten.

Herr Reuter, was hat Sie besonders daran gereizt, an diesem Projekt mitzumachen?

Es ist ein sehr komplexes Projekt, in dem die unterschiedlichsten inhaltlichen Welten wie Religion, Revolution, Aufstand, Krieg und Tod zusammenwirken. Besonders reizvoll ist dabei, dass sehr viele Musikgruppen mitwirken, deren Altersspannweite von zehn bis 80 Jahren reicht. Besondere Klangfarben gibt es auch durch einen Sprecher, eine Sängerin und eine Band.

Welche Stimmungen erwarten denn die Zuhörer?

Letztlich gibt es viele Aspekte, vor allem philosophischer Natur. Beleuchtet werden die Motivation, ab wann man sich aufbäumt und wann nicht. Warum gibt es Widerstand? Beleuchtet werden auch die vier Reiter namens Pest, Not, Hunger und Tod. Aber bei allem gibt es auch Schimmer von Hoffnung. Besonders spannend fand ich die Phase mit der Gräfin, die einfach übers Land reitet und zu ihrem Vergnügen die geplagten Bauern Schneckenhäuser sammeln lässt, an denen sie sich erfreut.

Kann man Ihrer Komposition einem charakteristischen Musikstil zuordnen?

Eher nein, als Komponist changiere ich zwischen den verschiedenen Elementen hin und her. So erklingt hergebrachte Sinfonik, tonale Weltmusik, die aber auch atonale Elemente enthalten kann, und Jazz – je nachdem welche Textinhalte ich mit Musik zu illustrieren hatte. Wichtig ist mir, dass Musik und Text zusammen Stimmungen erzeugen, denn Kunst hat etwas mit Emotionen zu tun.

Und was bewegt Sie bei diesem Stoff besonders?

Ich habe mich natürlich zunächst gefragt, was das mit mir zu tun hat. Aber bei diesen historischen Geschehnissen und Wirklichkeiten geht es nicht um globale Zusammenhänge, sondern um reale Vorgänge, die vor Ort stattgefunden haben. Die Spannbreite der Stimmungen reicht vom Aufruf, die Waffen zu erheben, und doch vielleicht auch an einen Lichtblick zu glauben. Das Thema besteht von vor 500 Jahren bis heute. Man denke nur an die derzeit laufenden kriegerischen Auseinandersetzungen, auch sie entstehen durch die immer noch zu leichte Verführbarkeit der Menschen. Hier kann Musik, wie sie auch klingen mag, vielleicht Hoffnung vermitteln.

„Unter dem Morgenstern“

Termine
Die Aufführungen sind in der Stadthalle am Samstag, 5. Juli, um 19 Uhr sowie am Sonntag, 6. Juli, um 18 Uhr. Tickets zu 25, ermäßigt 20 Euro gibt es unter www.sindelfingen.reservix.de und an allen Reservix-Vorverkaufsstellen.

Ausführende
Mitwirkende sind unter anderem das Sinfonieorchester Sindelfingen, das Streichorchester der Musikschule, die Hanke-Brothers sowie mehrere lokale Chöre und eine Band. Die Gesamtleitung liegt bei Landeskirchenmusikdirektor Mathias Hanke, lange Jahre Kantor an der Sindelfinger Martinskirche.

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