Mit einem Kredit haben die Brüder auf dem Grundstück der Familie in Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) eine kleine Brauküche, einen Schank- und einen Lagerraum errichtet, wo sich nun die Kisten mit ihrem Felsenbergbräu stapeln. Seit Mai wird das Bier verkauft und, „wir können uns nicht beschweren“, sagt der 25-Jährige.
Abgefüllt wird das Bier auf der Alb
Eigentlich hat die neue Brauerei sogar einen kleinen Hype ausgelöst: neben Bosch-Mitarbeitern, für die es nach Feierabend nur ein paar Meter in den Hof der Familie sind, freuen sich auch viele alteingesessene Schwieberdinger über das Bier. Kenner verbanden die rund 11 600 Einwohner zählenden Gemeinde über viele Jahrzehnte mit der Lammbrauerei, das Bier des Familienbetriebs wurde auf dem Markgröninger Schäferlauf und auf anderen Volksfesten ausgeschenkt – auch auf dem Wasen hatten die Marke ein eigenes Zelt. 1981 wurde das mittelständische Unternehmen dann an Stuttgarter Hofbräu verkauft, ein Jahr später wurde der Betrieb eingestellt. „Es ist schön, die Bierbrautradition wieder aufleben zu lassen“, sagt Velte. In dem kleinen Schankraum neben der Brauküche stehen auf einem Regalbrett alte Lammbrauerei-Gläser und -Krüge, Geschenke von Einheimischen, Fans der alten und neuen Braukultur in der Stadt.
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An drei Tagen in der Woche verkaufen die Veltes aus dem kleinen, garagenähnlichen Raum ihr Bier. Wer mag, kann bequem mit dem Auto in den Hof fahren, den Drive-In nutzen und Kästen oder Sixpacks bequem in den Kofferraum laden. Wer mehr Zeit mitbringt und ein bisschen sitzen mag, der kann auf Bierbänken Platz nehmen – und bekommt dann dort das Bier, das direkt nebenan gebraut wurde. Eine eigene Abfüllanlage anzuschaffen, dieses Risiko wollten die Brüder erst einmal nicht eingehen. Neu kostet eine solche Anlage schnell mal eine halbe Million Euro, „und würde mindestens noch einmal das Doppelte an Platz brauchen“, sagt Marvin Velte. In zwei oder drei Jahren – je nachdem, wie sich das Geschäft entwickelt – könne man nochmal über die Anschaffung nachdenken. Vorerst arbeiten die Schwieberdinger mit einem Abfüller auf der schwäbischen Alb zusammen, der bringt derzeit ein Helles und ein Weizen in die braunen Flaschen.
Sportvereine und Feste im Blick
Bei zwei Sorten wollen es die Veltes aber nicht belassen, sondern „jahreszeitbezogen“ andere Sorten anbieten – beispielsweise einen Maibock, ein Sommerpils oder ein Starkbier. „Wir wollen auch ein Bewusstsein schaffen, dass es jede Menge verschiedene Sorten gibt“, sagt Marvin. Gemeinsam mit seinem Bruder hat er einst mit Kochtopf und Plastikeimer begonnen, die ersten 20 Liter zu brauen. Das Wissen über Bier hatten sie sich in Büchern und im Internet angelesen. Weil das Hopfenkaltgetränk bei Freunden und Familie gut ankam, war schnell klar, dass sie größer einsteigen möchten. „Und auf einmal saßen wir beim Notar und haben die Firma gegründet“, erinnert sich Velte.
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Das wichtigste beim Brauen sei es, sauber zu arbeiten. Das schwierigste, das Bier wieder genauso hinzubekommen, das hat Marvin Velte schnell festgestellt, „ansonsten ist es auch einfach viel Warten“. Die Gerste für das Schwieberdinger Bier kommt direkt aus der Region, der Hopfen aus Tettnang vom Bodensee, rund um Stuttgart ist er nicht zu finden. „Wir möchten aber irgendwann mal ein Bier machen, bei dem alles von hier kommt“, sagt Velte. Im Hof stehen einige Hopfenpflanzen, bis die Dolden tragen, dürfte es aber noch ein bisschen dauern. Kaufen kann man das Bier bislang im Hof in der Benzstraße und in der Bierakademie im Schwieberdinger Schlosshof.
Felsenbergbräu, das nach einem Gewann benannt ist – unter anderem heißt auch das Fußballstadion Felsenberg-Arena – soll bald auch auf Festen und bei Sportveranstaltungen ausgeschenkt werden. In der kommenden Saison wird die Biermarke als Hauptsponsor das Trikot des TSV Schwieberdingen zieren – eine besondere Ehre für Tobias, der selbst dort spielt. Auch Supermärkte und Restaurants haben die Brüder im Blick, Letztere sind jedoch oft an Lieferanten gebunden und kommen schwer aus den Verträgen.
Fans auch in Bayern
„Mit den Großen mithalten, das wollen und können wir nicht“, sagt Marvin Velte. Die Hauptsache sei: ein gutes Produkt. Deshalb bleibt der kleine Ausschankraum das Herz des Betriebs. Dass das Bier aus dem Kreis Ludwigsburg nicht so schlecht sein kann, zeigt der Umstand, dass es bereits Fans in Bayern hat, wo Helles noch einmal anders zelebriert wird als im Schwabenland. Marvin Velte brachte seinen Kommilitonen einige Flaschen mit nach München, wo er studiert. Und den Bayern hat’s geschmeckt.
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Wo wird sonst noch Bier gebraut?
Felsenbergbräu
Das Sortiment der kleinen Schwieberdinger Brauerei umfasst ein Hefeweizen und ein Helles, ein Kasten kostet jeweils 19,90 Euro plus Pfand. Der Verkauf und der Ausschank in der Benzstraße 9 ist dienstags und freitags von 13 bis 17 Uhr geöffnet, an Donnerstagen stehen die Türen von 10 bis 12.30 Uhr und von 16 bis 20 Uhr offen.
Aus dem Kreis
Der bekannteste Bierhersteller aus Ludwigsburg ist Andreas Rothacker, der im Rossknecht immer wieder neue Sorten kredenzt. Sonst ist die Brau-Szene im Kreis überschaubar: in Asperg erfanden zwei Freunde zum 1200-jährigen Stadtjubiläum das „Esele“, das immer noch in ausgewählten Supermärkten zu haben ist. In Münchingen gibt es die Braumanufaktur Strohgäu, in der Marbacher Salzscheuer die Mikrobrauerei von Dieter Baader, in Besigheim stellt eine Braubruderschaft „Zoigl“ her.