Biergarten und Biomarkt geschlossen Wie geht es im Hofgut Hagenbach in Backnang weiter ?

Das Hofgut Hagenbach liegt idyllisch am Rand von Backnang. Foto: Hofgut Hagenbach

Nach nur einer Saison hören die Pächter des beliebten Biergartens auf – nach dem Aus des Biomarkts der zweite Schlag für das Hofgut. Wir haben nachgehakt, wie die Zukunftspläne aussehen.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Schlechte Nachrichten für hopfenhaltige Erfrischungen aus Backnang und der Umgebung: Der Biergarten im Hofgut Hagenbach wird in diesem Sommer nicht wieder öffnen. Auf ihrer Webseite teilt die Gastronomin Antonija Zoller mit, sie und ihr Mann wollten sich künftig auf ihr Restaurant Krone in Weinstadt-Schnait konzentrieren. „Wir hätten die Zusammenarbeit sehr gerne weitergeführt, allerdings steht die Qualität bei uns an erster Stelle“, so Zoller. „Wir haben es versucht, aber leider ist es für uns nicht möglich, diese Qualität für beide Standorte auf Dauer aufrecht zu erhalten.“

 

Keine neue Verpachtung des Lokals in Sicht

Das Ehepaar Zoller hatte den Biergarten im Hofgut erst im Frühsommer 2023 übernommen. Sie hauchten dem Biergarten neues Leben ein und servierten dort neben kühlem Blonden auch selbst gemachte Maultaschen, Salate, Burger, hausgemachte Limonade und Wein aus dem Remstal. Die Karte war überschaubar, die Speisen dafür von ausgesuchter Qualität – und der Andrang an Kunden groß. Hochzeiten und Kulturevents dort abzuhalten war ebenfalls angedacht, doch daraus wird nun nichts mehr.

Der Eigentümer des Hofguts, Mathias Wurche, bedauert das Aus nach nur einer Saison. „Natürlich herrscht bei mir jetzt Frustration. Wir hatten drei potenzielle Pächter zur Auswahl und hätten gerne etwas Nachhaltiges dort gehabt.“ Er plane bis auf Weiteres, das Lokal nicht mehr zu verpachten. Sprich: mit einem Biergarten in dem idyllisch gelegenen Hofgut am Rande des Plattenwalds ist erst einmal Schluss.

Es ist der zweite Rückschlag für das Hofgut in den vergangenen Monaten. Der dortige Biomarkt hat bereits kurz vor Weihnachten geschlossen – nach 25 Jahren des Bestehens. Grund war laut Wurche unter anderem die Personalsituation. Es sei extrem schwer gewesen, die viereinhalb Vollzeitstellen zu besetzen. Teils half der Eigentümer selbst im Laden aus. Hinzu kamen Preissteigerungen bei Produkten und Energie.

Der wichtigste Grund für die Schließung sei jedoch die wachsende Konkurrenz durch Discounter, die inzwischen selbst viele Bioprodukte im Sortiment haben. „Heutzutage gibt es sogar von Knorr oder Bonduelle Biogemüse“, sagt Wurche. Besonders kleinere Biomärkte hätten dadurch ein echtes Problem. Sie seien Vorreiter der Biowelle gewesen. „Die Discounter sind darauf mitgeschwommen – und dann haben sie uns ausgebootet.“ Mit dem Beginn der hohen Inflation sei die Kundschaft mehr und mehr zu den Discountern gewechselt. Wenn Wurche von der Schließung nach einem Vierteljahrhundert spricht, schwingt Wehmut mit. „Aber betriebswirtschaftlich bereue ich sie nicht“, sagt der Hofgutbesitzer.

Was wird nun aus den Räumlichkeiten? Das Hofgut Hagenbach sucht Mieter

Wie geht es nun weiter am Hofgut Hagenbach? Foto: Hofgut Hagenbach

Der Biomarkt war bislang ein klarer Anziehungspunkt am Hofgut. Sein Ende macht es nicht gerade realistischer, einen gastronomischen Nachfolger für den Biergarten zu finden, etwa ein Café. Denn fehlt der Markt, fehlen auch viele Laufkunden. Die Frage ist nun unter anderem: Was geschieht mit den Räumen des Biomarkts? Mit rund 700 Metern Fläche inklusive der Galerie, einer Deckenhöhe von zehn Metern und großen Fenstern könnte man meinen, die Interessenten müssten Schlange stehen. „Zudem haben wir hier viele Parkplätze, die Umgebung ist auch sehr schön.“ Trotzdem ist die Suche nach einem passenden Mieter schwer – zumal Mathias Wurche etwas Langfristiges vorschwebt.

Ursprünglich war sein Plan, dort einen Mieter aus dem medizinischen Bereich unterzubringen. Schließlich war Wurches Vision für das Hofgut immer ein „Ort für Körper, Geist und Seele“. Andere Mieter des Hofguts Hagenbach sind beispielsweise eine Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, ein Allgemeinmediziner, eine Yogaschule, eine Paramentenwerkstatt und ein Kosmetikstudio. Doch aus dem gewünschten Projekt eines weiteren Mediziners in den Ex-Biomarkträumen wurde nichts. „Inzwischen bin ich wirklich offen, was einen Nachmieter angeht, ich könnte mir dort zum Beispiel auch ein Kreativbüro vorstellen“, sagt Wurche.

Das Schulfruchtprogramm läuft weiter

Was auf jeden Fall fortgesetzt wird, ist das Schulfruchtprogramm, über das das Hofgut Schüler von rund 160 Schulen in der Region mit frischem Obst und Gemüse versorgt. Das Programm wird von der EU gefördert, „im nächsten Jahr wird das sogar noch ein bisschen intensiviert“, sagt Mathias Wurche.

Geschichte Das Hofgut Hagenbach existiert seit dem Jahr 1888. Es liegt zwischen der Markuskirche und der Murr. Einst war es ein reiner landwirtschaftlicher Betrieb, der beispielsweise Eier, Milch und Äpfel verkaufte. Mathias Wurche hat das Hofgut 1991 von seiner Tante übernommen, er sieht es als Vermächtnis seiner Familie, das er aufrechterhalten will.

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