Deutschland gegen Ungarn So bereitet sich Stuttgart auf das EM-Spiel vor
Das EM-Spiel des Nationalteams gegen Ungarn wird am Mittwoch ganz Stuttgart lahmlegen. Viele Straßen sind wegen der Fanmärsche gesperrt.
Das EM-Spiel des Nationalteams gegen Ungarn wird am Mittwoch ganz Stuttgart lahmlegen. Viele Straßen sind wegen der Fanmärsche gesperrt.
Europameister war er nie. Dafür hat er es 1990 zum Weltmeister gebracht, und darf sich mit Fug und Recht Experte nennen lassen. Olaf Thon schien dem öffentlich-rechtlichen Sender der richtige zu sein, um die Chancen der Deutschen einzuordnen, wenn sie am Mittwoch um 18 Uhr in Stuttgart gegen Ungarn spielen. Live wird er sich im „Morgenmagazin“ aus Stuttgart melden.
Am Mittwoch sendet die ARD zwischen 5.30 Uhr und 9 Uhr vom Marktplatz, am Donnerstag von der Grabkapelle. Sieben Mal wird nach Stuttgart geschaltet. Dabei darf Niko Kappel, Paralympics-Sieger und EM-Botschafter, verkünden, wie schön Stuttgart ist. Olaf Thon ist nicht der einzige, der zum Spiel anreist. 54 000 Menschen werden im Stadion sein. Weil die Karten weltweit verlost werden, werden viele von außerhalb anreisen.
Darunter werden natürlich auch viele aus Ungarn sein. Eine Gruppe darunter bereitet der Polizei Sorgen – und viel Arbeit, wenn sie wie angenommen auftaucht: Die Hooligan-Gruppe „Carpathian Brigade“. Bei der EM 2021 fielen einige von ihnen schon sehr negativ auf: Sie zeigten den Hitlergruß und skandierten „Deutschland, Deutschland homosexuell!“ Sie gelten als gewaltbereit, nationalistisch und extrem rechts. Das Spiel ist als Hochrisikospiel eingeordnet.
Spannend bis aufregend wird es schon am Nachmittag, wenn die Fans beider Teams mit Fanmärschen zum Stadion ziehen wollen. Bei Hochrisikospielen der Bundesliga ist es üblich, dass die Polizei die beiden Lager räumlich trennt bei der Anreise zum Stadion. Das wird sie auch bei der EM-Begegnung im Stadion am Neckar tun, das für die Dauer des Turniers Stuttgart Arena heißt. Wie, das wird noch nicht verraten. Nur so viel ist bekannt: Die Deutschen Fans haben auf Twitter angekündigt, dass sie sich von 11 Uhr an im Stadtgarten bei der Uni treffen werden und dort um 14.30 Uhr loslaufen nach Bad Cannstatt.
Die Ungarn haben einen anderen Fan-Treffpunkt. Zunächst werden die Gruppen auf getrennten Routen gehen. Die Cannstatter Straße, die B 14, werden sie jedoch beide nutzen. Hier wird laut der Polizei ein Schwerpunkt der Maßnahmen liegen: Man werde durch einen zeitlichen Abstand und Einsatzkräfte dafür sorgen, dass es zu keiner Durchmischung komme. Auch im öffentlichen Nahverkehr sollen sie getrennt anreisen und am Stadion unterschiedliche Eingänge benutzen. Die Polizei und die Stadt haben mehrfach auf mögliche Verkehrsbehinderungen Mittwoch hingewiesen.
Szenekundige Beamte werden beobachten, wie sich die Fans verhalten und wie die Gruppen sich bewegen. Ihr Job ist es, frühzeitig zu erkennen, ob und wo es zu Auseinandersetzungen kommen könnte.
Wo Fans sind, fließt viel Bier. Sonja Merz, die Wirtin des von den Dänen in der Nacht zum Sonntag leer getrunkenen Biergartens im Schlossgarten, freut sich über ihren Rekordumsatz – und über das große Medieninteresse. Etliche TV-Sender wie Sky schicken Kamerateams zu ihr. Nach dem Ansturm der „Wikinger“ hat sie nun Maßnahmen ergriffen: Auf ihren beiden Parkplätzen stehen zusätzlich zum üblichen Bestand im Gastrohaus zwei Kühltankwagen mit Bier.
In der Fanzone auf dem Schlossplatz waren die Wirte dagegen enttäuscht, dass die Stadt die durstigen Dänen an ihnen vorbei ins Stadion geschleust habe. Die erste Bilanz der Gastronomie in der Uefa-Zone fällt daher „teils, teils“ aus. Die ersten Tagen mit dem Opening-Konzert und dem Deutschland-Spiel seien hervorragend gewesen, hört man, doch dann habe es „Wellenbewegungen“ gegeben, wie der Gastronom Michael Schmücker sagt. Oft sei leider nur wenig los.
Sein Kollege Michael Wilhelmer hofft, dass Deutschland ins Viertel- und Halbfinale kommt, also eine Euphorie auslöst, die dann für einen guten Umsatz in der Fanzone sorgt.
Christian List, der auf dem Schillerplatz Lauben führt wie beim Weindorf, ist mit dem bisherigen Verlauf „nicht unzufrieden“. Seine Mischkalkulation sieht vor, dass es starke, aber auch schwache Zeiten gibt. Stefan Schneider vom Palast der Republik berichtet von „toller Stimmung“ mit den Dänen, für die er deren Nationalhymne gespielt habe. Allerdings sei ihm unter Androhung einer Geldstrafe untersagt worden, draußen TV-Geräte aufzustellen. So schlimm ist das für ihn nicht. Da er mit 4,80 Euro das billigste Bier in der City verkauft, kommen die Massen auch so – vor und nach den Spielen.