Stephan Muck ist Winzer und betreibt einen Besen in der Bietigheimer Innenstadt. Foto: Simon Granville
2020 gelang Stephan Muck in Bietigheim-Bissingen eine Überraschung im OB-Wahlkampf gegen Jürgen Kessing. Nun zieht sich der Winzer aus der Stadtpolitik zurück. Endgültig?
Stephan Muck hört nach mehr als einem Vierteljahrhundert als Stadtrat in Bietigheim-Bissingen auf. Der 55-Jährige hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, wie er erklärt. Leichtmachen liegt ohnehin nicht in der Natur des Freien Wählers, der einst fast OB geworden wäre.
Muck ist Kleinwinzer – trotz immer schwierigerer Rahmenbedingungen für die Wengerter. Er ist außerdem Gastronom, betreibt den Besa em Städtle in Bietigheim, der kürzlich 30-jähriges Bestehen feierte. In all den Jahrzehnten sah er viele andere gastronomische Angebote in der Stadt verschwinden, die Mucks blieben.
Im Familienverbund hat Muck es mit seinen Eltern geschafft, Weinbau und Gastronomie am Laufen zu halten. Und dieser Familienverbund ist nun auch der Grund für den Rückzug. „Ich habe natürlich eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die seit 1999 für mich gestimmt haben, deshalb fiel mir die Entscheidung nicht leicht“, sagt Muck.
Im Bietigheimer Rathaus tagt der Gemeinderat – künftig ohne Stephan Muck. Foto: Simon Granville
Nun sei es für ihn aber an der Zeit, sich um seine Eltern zu kümmern. Die Arztbesuche häuften sich, der Vater sei ein Pflegefall, da bleibe kaum Zeit, das anspruchsvolle Ehrenamt voll auszufüllen. Im Kreistag will er aber bleiben.
Ein leiser Abschied
Für Muck endet ein wichtiger Lebensabschnitt, „aber das bedarf keiner besonderen Erwähnung“, sagt er. Er möchte das Mitwirken an der Stadtentwicklung nicht zu hoch gehängt haben. Stolz ist er aber auf einen vergleichsweise kurzen Zeitraum dieser mehr als 26 Jahre.
„Das war eine geile Zeit“, erinnert sich Muck an den OB-Wahlkampf 2020. Als Stadtrat und großer Widersacher von Amtsinhaber Jürgen Kessing gelang ihm damals ein Überraschungserfolg: 43,5 Prozent der Wähler stimmten für ihn, Kessing kam auf 54,7 Prozent. Außer Muck hatte sich kein weiterer ernsthafter Kandidat getraut.
Die Zeit sei stressig gewesen, aber auch sehr erfüllend. Dass er nicht gewonnen hat, ärgert ihn nicht. Mit einem solchen Ergebnis sei damals nicht zu rechnen gewesen.
In zwei Jahren wird in Bietigheim-Bissingen wieder ein Oberbürgermeister gewählt. Ob sich mit dem Rückzug aus dem Gemeinderat auch seine OB-Ambitionen erledigt haben? „Mal schauen“, sagt Muck und grinst.