Bietigheim-Bissingen Samy Deluxe legte den Schalter um

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Der Dachdecker Walter Schilling betreibt ein eigenes kleines Hip Hop-Magazin im Netz. Darin berichtet er auch über die Rap-Szene in seiner Heimatstadt Bietigheim-Bissingen.

Walter Schilling berichtet auch über die Bietigheimer Rap-Szene Foto: factum/Bach
Walter Schilling berichtet auch über die Bietigheimer Rap-Szene Foto: factum/Bach

Bietigheim-Bissingen - Walter Schilling weiß noch genau, wann seine Faszination für Hip-Hop begann: „In der fünften Klasse habe ich nachts ‚Viva‘ geschaut. Ich wollte das machen, was die coolen Kids auch machen“, erzählt er. Da habe er das Musikvideo zu „Weck mich auf“ von Samy Deluxe gehört. „Das war absolut flashig, wie wenn man bei mir einen Schalter umgelegt hätte“, sagt Schilling.

Heute ist der ursprünglich aus Bietigheim-Bissingen stammende Dachdecker-Geselle 24 Jahre alt und betreibt seit knapp neun Monaten ein Internetmagazin, in dem sich alles um Rap dreht. „Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich gesagt habe: ich brauche Output“, sagt Schilling. Fortan reichte es ihm nicht mehr, die Fachmagazine wie „Juice“ zu lesen, die neu erscheinenden Alben durchzuhören und Konzerte zu besuchen – „die Hip-Hop Open in Stuttgart waren immer Pflicht“. Jetzt schreibt Schilling selbst Plattenkritiken, auch über Rap-Klassiker wie „Bambule“ von Absolute Beginner.

Zum Rapper taugt er nicht, findet Schilling

Zuerst behielt er sein Hobby für sich. „Meine Deutschlehrerin war von meinen Schulaufsätzen auch nicht überzeugt“, gesteht Schilling. Seinen Freunden wiederum gefielen seine Reviews. Zum Rapper selbst tauge er nicht, findet Schilling. Das hat er vor Jahren bereits ausprobiert. „Da gibt es bestimmt noch den einen oder anderen Track auf dem Dachboden, auf dem ich rappe“, sagt er. Aber Rap hören, verstehen, rezensieren, das liegt ihm, das macht er gerne. Dafür schlägt sich Schilling gerne auch mal die Nacht um die Ohren. Bei seinen Dachdecker-Arbeitskollegen findet seine Begeisterung wenig Anklang: „Die hören lieber SWR4 oder Rock“, sagt er.

Online ging Schilling erst Anfang dieses Jahres, zuerst als Webradio mit Livesendung, mittlerweile als Rapjournalismus- Podcast. „Damit erreicht man mehr Leute“, sagt er. „BB21“ heißt sein Magazin, die Buchstaben stehen für Bietigheim-Bissingen, die 21 für die beiden letzten Ziffern der Postleitzahl. „Auf diesem Sound bleibst du kleben“, ist der Slogan von „BB21“.

Das Magazin als Türöffner für Interviewanfragen

Einmal pro Woche stellt Schilling einen Podcast von etwa einer Stunde Länge online. Da geht es um aktuelle Alben, etwa von KIZ oder Cro, oder es ist eine Themensendung, in der sich Schilling ausschließlich mit korpulenten Rappern beschäftigt. Auch die Bietigheimer Hip-Hop-Szene hat er einmal beleuchtet. „Hier gibt es nämlich eine richtig gute Rap-Szene“, sagt Schilling: Lia, Caz, Lucky Looks oder Bausa seien Rapper, von denen man in Zukunft noch mehr hören werde. Er findet es nur schade, dass in Bietigheim-Bissingen selbst so wenige Hip-Hop-Konzerte stattfinden.

Für sein Magazin führt Schilling auch Interviews mit Rappern, am besten gleich nach einem Konzert, backstage. An die ganz Großen wie Sido oder Bushido kommt er nicht ran. Doch dadurch, dass er auf seiner Homepage bereits „zig Interviews mit Newcomer-Rappern“ vorzuweisen hat, dient ihm „BB21“ als Türöffner für weitere Anfragen. So hat er schon mit dem Berliner Rapper Takt32 oder mit dem Stuttgarter Mc Bruddaal gesprochen. Ob er sich vorstellen kann, mit Rap-Journalismus auch sein Geld zu verdienen? „Ja“, sagt er, „aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“