Die Fans der Bietigheim Steelers feiern Tylor McNeely, den All-Time-Topscorer der DEL 2. Foto: Baumann/Alexander Keppler
Von der Deutschen Eishockey Liga in die Oberliga – und zurück in die DEL2. Die Bietigheim Steelers haben eine Achterbahnfahrt hinter sich. Warum der Absturz sogar positiv war!
Es ist ein Horrorszenario: Durchgereicht zu werden von der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in die Oberliga. Weg vom Premiumprodukt, runter in die Drittklassigkeit. Die Bietigheim Steelers mussten diesen Absturz leidvoll erfahren, doch im Nachhinein sieht Geschäftsführer Gregor Rustige diesen Niedergang sogar irgendwie positiv. „Dieser komplette Neuanfang war wie ein reinigendes Gewitter“, sagt der 38-Jährige.
In obere Tabellenhälfte gekämpft
Nach dem Wiederaufstieg in die DEL 2 in der vergangenen Saison hat sich sein Team inzwischen in der zweiten Liga sogar in der oberen Tabellenhälfte etabliert. Vor den beiden Heimspielen am 26. Dezember gegen die Ravensburg Towerstars und am 28. Dezember (jeweils 17 Uhr/EgeTrans Arena) gegen die Starbulls Rosenheim steht die Mannschaft von Trainer Alexander Dück im 14er Feld auf Platz sechs.
Aus den vergangenen zehn Spielen gab es acht Siege und nur zwei Niederlagen. Dabei war der Saisonstart total in die Hose gegangen. Erst im neunten Spiel gelang dem Team um All-Time-Topscorer Tylor McNeely mit dem 6:1 gegen die Blue Devils Weiden der erste Sieg nach regulärer Spielzeit.
„Wir mussten in einer Liga mit ganz anderem Tempo zwölf neue Spieler integrieren, einige davon kamen aus den USA und Kanada und spielen das erste Mal in Europa. Bis da ein Rädchen ins andere greift, dauert es einfach“, erklärt Rustige. Trainer Alexander Dück und seinen Assistenten Boris Blank brachte der Fehlstart genauso wenig aus der Fassung wie die darauffolgende Aufholjagd: „Egal, ob wir zu Beginn Letzter waren oder danach Sechster – für mich ist das eine Momentaufnahme, denn abgerechnet wird am Schluss nach 52 Spieltagen“, sagt Dück.
Steelers-Geschäftführer Gregor Rustige ist mit der Entwicklung des Clubs sehr zufrieden. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen B
Die jüngste Achterbahnfahrt passt irgendwie in das ständige Auf und Ab der Steelers in den vergangenen Jahren. Nach der dritten Meisterschaft in der DEL2 (2015, 2018, 2021) stiegen die Bietigheimer erstmals in die Deutsche Eishockey Liga auf. Nach Platz 13 in der Saison 2021/22 folgte im darauf folgenden Spieljahr 2022/23 der Abstieg in die DEL 2 und nach der Saison 2023/24 sogar der Absturz in die drittklassige Oberliga.
Dort war eigentlich im Zuge der Konsolidierung der Aufstieg erst im zweiten oder dritten Jahr vorgesehen, doch das Team überraschte mit dem sofortigen Sprung nach oben. „Wir haben uns selbst etwas gewundert, dass wir so schnell wieder da sind, wo die Steelers einfach auch hingehören – nämlich in die zweite Liga“, sagt Rustige.
Statt Lokalderbys gegen die Stuttgarter Rebels und Heilbronner Falken kommen die Gegner nun aus der ganzen Republik. „Die Lust auf die Steelers ist wieder geweckt“, freut sich der Geschäftsführer. Der Zuschauerschnitt in der EgeTrans Arena beträgt rund 3500 Besucher. Rustige bezeichnet die Begeisterung um seinen Club schwäbisch bescheiden als „Hype-le“.
Steeles Coach Alexander Dück hat ein schlagkräftiges Team für die DEL2 zusammengestellt. Foto: Baumann/Alexander Keppler
Das Budget beläuft sich auf rund 3,5 Millionen Euro. In der DEL waren es noch 4,5 bis 5 Millionen Euro. „In der Etattabelle waren wir als kleines Bietigheim damit weit abgeschlagen auf dem letzten Platz“, ordnet Rustige die Kräfteverhältnisse ein. Womit er praktisch schon die Lehren aus dem Abenteuer DEL anspricht: „Man braucht professionellere Strukturen und einfach auch mehr Geld, vor allem für die Mannschaft, aber auch fürs Drumherum, um die Marke aufzubauen. Diese richtigen Schlüsse haben wir gezogen“, betont Rustige.
Er sieht die Steelers auf dem richtigen Weg, um perspektivisch auch irgendwann wieder einen Aufstieg in die DEL anzupeilen. Das „reinigende Gewitter“ nach dem Absturz in die Oberliga hat seinen Teil dazu beigetragen.