Bietigheimer Olymp-Dynastie Die Bezners aus Bietigheim – wie der Vater so der Sohn

Mark Bezner (li.) führt bei Olymp die Geschäfte. Sein Sohn Louis bereitet sich derzeit auf den Chefposten vor. Foto: Olymp/Lichgut/Max Kovalenko

Louis Bezner, Sohn des Olymp-Chefs Mark Bezner und Urenkel des Olymp-Gründers, bereitet sich auf den Chefposten vor – in vierter Generation. „Sein Gesellenstück“, sagt der Vater.

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Es war im Sommer 2024, als der Bietigheimer Olymp-Chef Mark Bezner (damals 61) seinen 28-jährigen Sohn Louis erst zum Geschäftsführer und dann zum Lehrling machte.

 

Louis Bezner segelte mit Vater, Mutter und seinen drei jüngeren Geschwistern in der Adria, als ihn sein Vater vor allen fragte, ob er die Olymp-Tochter Maerz Muenchen führen wolle. Maerz ist der Strickwaren-Spezialist der Olymp Bezner-Gruppe, die Leitung war durch eine überraschende Kündigung kurzfristig frei. Für seine Antwort brauchte Louis Bezner nicht viel Zeit. Ahnte er aber, dass damit seine Lehrlingsjahre erst begannen?

Die Bezners sind eine der bekanntesten Modedynastien im Südwesten. Da ist die Familie Grupp, die vor allem durch Senior Wolfgang medial die größte Präsenz erreicht. Erst vor zwei Jahren übergab er die Trigema-Geschäfte an seine Kinder Wolfgang und Bonita, die vierte Generation. Da ist zum Beispiel die Albstädter Familie Mey, deren Unternehmen für gehobene Nacht- und Unterwäsche steht. Und da sind die Bezners, die Olymp zu einem der größten Hemdenhersteller in Europa geformt haben.

Mark und Louis Bezner gelten beide als weltoffen und zielstrebig. Letzteres gilt für den Beruf wie für den Sport: Louis Bezner lief diesen März einen Halbmarathon in Madrid. Vater Mark, der einst für die deutsche Jugendnationalmannschaft schwamm, gründete das Olymp-Segelteam. Vor eineinhalb Jahren gewann er mit seinem Sohn bei den Swan One Design Weltmeisterschaften mit dem Beznerschen Club Swan 50-Boot. Mark Bezner steuerte selbst, sein Sohn Louis zählte zur Crew.

Es entspringt dieser Bande, dass sein Vater vor einem Jahr ungewöhnlich offen im Interview mit dieser Zeitung verkündete: „Vielleicht wird mein Sohn Louis mein Nachfolger.“ Die Arbeit seines Sohnes als Geschäftsführer von Maerz Muenchen sei sein „Gesellenstück“.

An einem Vormittag kurz vor Ostern sitzt sein Sohn, Geschäftsführer und Lehrling in der Cafeteria des Stuttgarter Pressehauses, um über sein künftiges Gesellenstück zu erzählen. „Dynamisch, authentisch und ehrgeizig“ sei er, antwortet Bezner auf die Frage nach seinen drei wichtigsten Eigenschaften, und dass für ihn der Geschäftsführer-Posten „die perfekte Chance, mich wirklich zu beweisen“ sei.

Louis Bezner wirkt, als habe er sich sein Leben lang für Olymp vorbereitet

Schon früh wollte Louis Bezner Erfahrungen in anderen Unternehmen sammeln, „um vorbereitet zu sein“, wie er sagt. Das BWL-Studium auf einer privaten Wirtschaftshochschule. Praktika beim Konsumgüterkonzern Beiersdorf (Nivea) und Champagner-Produzenten Moet Hennessy. Der erste Job bei Adidas. Alles Unternehmen mit weltbekannten Marken, so wie auch Olymp eine sein möchte. Schließlich die Pläne, in den USA bei einem Tech-Unternehmen zu arbeiten oder nochmals zu studieren, „um diese Erfahrungen nach Bietigheim zu bringen“, so Bezner.

Letzteres vereitelte das überraschende Angebot des Vaters. „Maerz Muenchen stand nie auf meiner Agenda. Für mich war aber schnell klar, welches Potenzial in der Marke und dem Unternehmen steckt.“

Louis Bezner im Garten des Stuttgarter Pressehauses. Foto: Max Kovalenko/Lichtgut

Louis Bezner geht von Punkt zu Punkt, wenn er darüber redet, wie er das 1920 gegründete Unternehmen neu ausrichten möchte. Er spricht deswegen manchmal etwas abgehackt, die Finger klopfen auf dem Tisch. Es gehe um die „emotionale Verbindung“ und „Direktansprache“ der Verbraucher. Vor allem gehe es um Bekanntheit und neue Begehrlichkeiten.

Lange Zeit galten die Wollprodukte von Maerz als etwas angestaubt. Ältere erinnern sich an den gelben Pullunder, der das Markenzeichen des einstigen Außenministers Hans-Dietrich Genscher (FDP) wurde – ein Strickpullunder der Marke Maerz. In den 1950er Jahren waren Troyer-Pullover aus Schurwolle bei Bergsteigern beliebt – Hermann Buhl und sein Team trugen sie bei der Erstbesteigung des Nanga Parbat im Himalaja. Im Jahr 1979 brachte das Unternehmen den ersten maschinenwaschbaren Merino-Pullover in den Handel. Der „Merino Superwasch“ und andere Gipfelstürme sind Jahrzehnte her, die heutigen Käuferinnen und Käufer wurden im Schnitt mindestens vor einem halben Jahrhundert geboren. Louis Bezner möchte künftig Maerz vor allem für die kaufkräftigen 30- bis 45-Jährigen zur begehrten Marke machen. Eine Geschichte von Innovation und Tradition spinnen, die die branchenweit bekannte Strickexpertise in den Geschäften und Onlineshops ein klein wenig vergoldet.

Der gelbe Pullunder von Maerz war das Markenzeichen des inzwischen gestorbenen Außenministers Hans-Dietrich Genscher (FDP), hier auf einem Flug im April 1992. Foto: dpa

199 Euro kostet das dunkelblaue Strickhemd, das Bezner zum Interview trägt: „superwaschbare“ Merinowolle mit sieben Knöpfen – „eine zugängliche Premium-Brand“, wie er es nennt. Ein Produkt, das „auf Langlebigkeit ausgelegt“ sei und „über Generationen getragen“ werde. „Gerade heute suchen Kunden wieder stärker nach Vertrauen, Verlässlichkeit und Beständigkeit“, sagt Bezner. „Man kauft nicht nur ein Produkt, sondern Werte, mit denen man sich identifizieren kann.“

Olymp hat Hollywoodstars wie Matthew McConaughey unter Vertrag

Das gilt ebenso für Olymp. Vater Mark Bezner hat den Hemdenspezialisten in der Coronakrise verstärkt als Lifestyle-Marke ausgerichtet und das Sortiment mit Freizeitmode erweitert. Hollywoodstars wie Matthew McConaughey tragen öffentlichkeitswirksam die Kollektionen – dafür startete Olymp die größte Marketing-Kampagne seiner Geschichte.

Werbemittel wie diese stehen Louis Bezner bei Maerz Muenchen nicht zur Verfügung. Eher folgt er hier der Devise seines Großvaters Eberhard Bezner, der einst seine Geschäftspartner persönlich zum Hemdenkauf aufforderte, sozusagen als frühes Testimonial in eigener Sache. „Wenn nicht ich als Geschäftsführer des Unternehmens an allererster Stelle als Markenbotschafter fungieren würde, wer soll es sonst machen?“, sagt Louis Bezner.

Eberhard Bezner führte Olymp fünf Jahrzehnte lang (Archivfoto von 2019). Foto: Pressefoto Baumann

Dass er unter den vier Geschwistern als Markenbotschafter hervorsticht, zeichnete sich schon länger ab. Anders gesagt: Bisher zieht es niemand anderes ins väterliche Unternehmen. Sein jüngerer Bruder Paul (25) arbeite in Amsterdam in der Tech-Branche und sei aktuell dabei, sich selbstständig zu machen. Die Schwester Emanuella (22) habe kürzlich ihr Masterstudium in Barcelona abgeschlossen, die jüngste Schwester Alexia (18) mache gerade das Abitur.

Sie alle sind Teil einer deutsch-brasilianischen Familie. Mark Bezner lernte seine Frau Karin (55) in Stuttgart kennen, als sie von Brasilien aus eine Weiterbildung als Kieferorthopädin absolvierte. Über den Jahreswechsel kommen wir noch immer in Brasilien zusammen, sagt Louis Bezner. Untereinander sprächen die Kinder ohnehin Portugiesisch. Über das Unternehmen zu reden, sei zuhause sehr selten.

Das gilt für den Austausch mit dem Vater nicht. Sollte diesem das Gesellenstück gefallen, wäre es bei Olymp eine interne Nachfolge, wie sie sich laut Umfragen die allermeisten Familienunternehmen wünschen. Louis Bezner führte Olymp dann in der vierten Generation. 1960 hatte sein Opa Eberhard als einziges Kind des Firmengründers Eugen Bezner im Alter von 24 Jahren die Geschäfte übernommen, als der Vater unerwartet früh starb. Eberhard Bezner leitete Olymp rund fünf Jahrzehnte lang, zuletzt mit seinem Sohn Mark. So ganz wollte der heute 90-Jährige von Olymp nicht lassen.

Mark Bezner wiederum sagt, mit 70 werde er „sicherlich nicht mehr Olymp-Chef“ sein. Und er sagt auch: „Ich werde dem Unternehmen immer verbunden sein und meine Tätigkeit sicherlich nicht auf eine Beiratstätigkeit beschränken.“

Die Verbundenheit ist oft stärker, als man denkt. Vielleicht könnten es für Louis Bezner als Geschäftsführer in München noch lange Lehrjahre werden.

Olymp und Maerz – zwei Modespezialisten aus dem Süden

Olymp
Olymp wurde 1951 von Eugen Bezner in Bietigheim-Bissingen gegründet und entwickelte sich über die Jahrzehnte zum größten Hemdenhersteller in Deutschland. Olymp erweitert seit Jahren seine Produktpalette und richtet sich unter dem aktuellen Chef Mark Bezner stärker als Lifestylemarke für Männermode aus. Olymp hatte zuletzt 860 Beschäftigte und erzielte 2024 einen Umsatz in Höhe von 212 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Diesen März erwarb Olymp die Markenrechte des insolventen Konkurrenten Eterna.

Maerz Muenchen
Der Strickwarenspezialist wurde 1920 gegründet und gehört seit 2010 zur Olymp Bezner Gruppe. Maerz zählt rund 350 Beschäftigte – davon gut 100 in Deutschland. Der Umsatz betrug zuletzt gut 27 Millionen Euro. Ungewöhnlich: Rund 90 Prozent der Erlöse wurden in Deutschland erzielt. Seit 2025 führt Louis Bezner – Sohn von Olymp-Chef Mark Bezner – die Geschäfte.

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