Pferdemarkt in Bietigheim „Wir ergänzen uns alle gut“ – Wie feiert es sich abseits des Bierzelts?

Tanzen auf der Plattform über der Enz: Je später der Abend wird, desto schwieriger wird es, hier noch einen Platz zu ergattern. Foto: Andreas Essig

Pop-up-Clubs am Rande des Bietigheimer Pferdemarkts werden immer beliebter – sogar ein Netflix-Star legt dort auf. Als Konkurrenz zum traditionellen Programm sehen sie sich aber nicht.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Während die Menschen auf dem Bietigheimer Pferdemarkt an Ständen vorbeischlendern, mit dem Riesenrad fahren oder sich im Zelt eine Maß Bier kaufen, befindet sich am Rande des Festgeländes ein schmaler, versteckter Eingang mit Türsteher. Dahinter ist von Volksfest-Atmosphäre allerdings nichts zu spüren. Dort dreht ein DJ an den Knöpfen seines Mischpults, die Menschen schlürfen aus ihren Longdrinks und tanzen zur lässigen Musik, die aus den Lautsprechern dröhnt.

 

Es wirkt fast wie eine Parallelwelt. Dabei sind die Pop-up-Clubs am Rande des Bietigheimer Pferdemarktes eine immer beliebter werdende Ergänzung zum traditionellen Programm. Die Menschen gehen von „PIAs Pferdemarkt“ zur „Party am Wasser – Pferdemarkt Edition“, zum Biergarten Rössle, zwischendrin mal wieder ins Bierzelt und zurück – ein permanentes Kommen und Gehen. Die Clubs sind ein relativ neuer Trend, der noch mehr Menschen abholt und das Bietigheimer Volksfest bereichert.

Tanzplattform über dem Wasser als Highlight

Bastian Fischer ist ganz dunkel gekleidet. Die „Party am Wasser“ veranstaltet er schon zum dritten Mal. Sein Großvater und Gründer des Restaurants „Eberhard am Wasser“ wollte früher von einem Club am Rande des Pferdemarktes nichts wissen. Doch seitdem Bastian Fischer die Führung übernommen hat, nimmt die Party an Fahrt auf.

Im ersten Jahr sei es noch schwierig gewesen, Gäste vom Festplatz auf seine Terrasse zu locken. Doch schon im Vorjahr war die kleine Location direkt am Fluss Enz jeden Abend voll. Das Highlight ist die Plattform über dem Wasser, auf der die Menschen tanzen können. Doch die sei schnell voll, sagt Fischer. Wer sie am späten Abend einmal verlasse, komme so schnell nicht wieder drauf – die Hartgesottenen harren also aus. „Manche müssen schon kämpfen“, sagt Fischer und lacht.

Bastian Fischer hat seine „Party am Wasser“ als einen festen Bestandteil des Bietigheimer Pferdemarktes etabliert. Foto: Andreas Essig

Sein persönliches Highlight sei der Auftritt von DJ Tanina. Sie hat mit der Netflix-Serie „Too Hot To Handle“ Bekanntheit erlangt und im vergangenen Jahr auch schon beim Electro-Festival „Tomorrowland“ in Brasilien aufgelegt. Ansonsten steht jeder Abend unter einem anderen Motto: Afro Friday, Mainstage Saturday, Disco Sunday, Tech House Monday – da ist für jeden etwas dabei.

Hausgemachte Speisen und bekannte DJs

Wer aus dem Norden Bietigheims Richtung Festplatz geht, kommt an „PIAs Pferdemarkt“ eigentlich kaum vorbei. Direkt an der Holzgartenstraße hat der Inhaber des Restaurants PIA, Giosué Tolomeo, seine Feierlocation aufgebaut. Bereits zum vierten Mal lockt er mit hausgemachten Speisen, Getränken und Musik die Besucher des Pferdemarktes zu sich. „Wir stehen für Qualität, sei es bei der Bar oder beim Essen“, sagt Tolomeo.

Auf dem Speiseplan stehen etwa Burger, Pommes oder Köfte, dazu gibt es Longdrinks und verschiedene Spritz-Varianten. Auch beim Line-up „kann uns keiner nachmachen“, findet Tolomeo. Die „besten Stuttgarter DJs“ wie Message und Marcelo Santos legen auf, oder auch die „Star-DJs“ Tomi & Kesh. „Wir setzen von Jahr zu Jahr immer noch einen drauf. Wir sind eine echte Institution geworden.“ Seine Mitstreiter wie Eberhards am Wasser oder das Rössle sieht Tolomeo aber nicht als Konkurrenten: „Wir ergänzen uns alle gut.“

Gemischtes Publikum von jung bis alt

Das Konzept der Pop-up-Clubs gefällt auch den Gästen. Zum Beispiel Mike Schlingensief mit seiner Begleitung Nina Hoppe, die von „PIAs Pferdemarkt“ nur rund 100 Meter nach Hause haben. Hier treffe man immer auf bekannte Gesichter, dazu gebe es einem abseits des Festgeländes „ein bisschen Luft zum Durchatmen“. Sein Lieblingsort auf dem Pferdemarkt? „Schon hier“, sagt Schlingensief. Der PIA-Pop-Up-Club würde jedes Jahr etwas Neues bieten, „und alles ist immer super organisiert“.

Auf der „Party am Wasser“ können Barbara und Irene ausgelassen feiern – fernab vom Bierzelt. Foto: Andreas Essig

Das Publikum der Pop-Up-Clubs ist bunt gemischt, alle Altersklassen sind vertreten. Das zeigt sich etwa auch auf der Plattform bei Eberhards am Wasser. Dort tanzt eine Gruppe junger Frauen, aber auch zwei 58-Jährige geben sich voll und ganz dem Beat hin. Schon seit kurz nach der Eröffnung um 18 Uhr sind Barbara und Irena auf der Tanzfläche. „Für uns Ältere ist es toll, dass so früh schon Musik läuft“, sagt Irene.

Sie selbst ist in Bietigheim aufgewachsen, Barbara dagegen wohnt seit rund 30 Jahren hier. Den Inhaber von Eberhards am Wasser, den „Basti“, kenne man halt. Deswegen kommen die beiden auch jeden Tag. „Ich finde es cool, dass es eine Alternative zum Bierzelt gibt“, sagt Barbara. Auch Irene ist vom Bierzelt nicht sonderlich angetan: „Wir sind hier, um zu tanzen. Wegen dem Pferdemarkt selbst sind wir nicht gekommen.“ Und Irene ergänzt: „Ich hoffe, dass sich das als Alternative etabliert.“

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