Bilanz der Deutschen Bahn Bahn fährt weiteren Milliardenverlust ein

Levin Holle (l), Vorstand Finanzen und Logistik der Deutschen Bahn AG, und Richard Lutz, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Bahn AG Foto: dpa/Carsten Koall

Der hoch verschuldete Staatskonzern hat erneut eine desaströse Bilanz vorgelegt – die Vorstandsbezüge haben sich dennoch verdoppelt. Die Regierungskoalition übernimmt einen schweren Sanierungsfall.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)

Die Deutsche Bahn AG hat erneut einen Milliardenverlust eingefahren und wichtige Ziele verfehlt. Die wirtschaftliche Lage des größten Staatskonzerns sei „ausgesprochen ernst“, sagte Finanzchef Levin Holle bei der Bilanzvorlage in Berlin. DB-Chef Richard Lutz räumte ein, man sei von früheren Qualitäts- und Wachstumszielen „weit, weit weg“ und man stecke in der größten Krise seit der Bahnreform 1994. Es gebe aber erste Fortschritte beim Sanierungsprogramm S3, das bis Ende 2027 schwarze Zahlen bringen soll, unter anderem durch den Abbau von noch 10 000 Stellen vor allem in der Verwaltung.

 

Die Politik will eine Neuaufstellung der Bahn

Die neue Regierung übernimmt einen schweren Sanierungsfall. Schon unter früheren Regierungen wurden vielfach angemahnte Reformen beim Unternehmen mit seinen noch 226 000 Beschäftigten versäumt sowie die bundeseigene Schieneninfrastruktur vernachlässigt und unterfinanziert. Den Zusatzbedarf für Sanierung, Digitalisierung und Ausbau des Netzes beziffert die Bahn-Spitze auf 150 Milliarden Euro. Union und SPD wollen nun eine Neuaufstellung und weitere Verschlankung des Konzerns sowie „mehr Fachkompetenz“ im Bahn-Vorstand und Aufsichtsrat durchsetzen, wie aus einem ersten Papier der gemeinsamen Arbeitsgruppe Verkehr hervorgeht.

Inwieweit die Bahn-Spitze im Amt bleiben darf, ist offen. Lutz betonte auf Nachfrage, er mache den Job weiter gerne und leide angesichts der vielen Betriebsprobleme und Verspätungen „jeden Tag mit den Fahrgästen“. Schon als Ex-Bahnchef Rüdiger Grube 2017 hinwarf, fand die Merkel-Regierung lange keinen Nachfolger und der damalige Finanzchef Lutz galt nur als Notlösung. Als Übergangskandidat wird Holle gehandelt, der aus dem Finanzministerium zum Konzern kam, und als ein Nachfolger Christian Kern, früher Chef der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und Ex-Bundeskanzler in Österreich für die Sozialdemokraten.

Steigender Verlust bei gleich bleibendem Umsatz

Es gibt für die Politik und das Management auf jeden Fall viel zu tun, wie die erneut desaströse Bilanz zeigt. Unterm Strich steht für 2024 ein Minus von rund 1,8 Milliarden Euro, nach einem Verlust von sogar 2,7 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Der bereinigte Umsatz lag fast unverändert bei 26 Milliarden Euro. Erstmals ist die Lkw-Spedition Schenker herausgerechnet, die zuletzt rund 20 Milliarden Euro Umsatz mit mehr als 70 000 Mitarbeitern machte und an den dänischen Logistiker DSV verkauft wurde. Zuvor musste sich der Konzern vom britischen Ableger Arriva trennen, ebenfalls auf politischen Druck.

Seit der Coronakrise schreibt der Staatskonzern durchweg Verluste von mehr als zehn Milliarden Euro und hat seine Ziele mehrfach teils weit verfehlt. Der Schuldenberg türmte sich Ende 2024 auf 32,6 Milliarden Euro, bedingt auch durch die hohen Mehrkosten bei Stuttgart 21, wie Holle betont. Aus dem Schenker-Notverkauf sollen die Nettoerlöse von rund 11 Milliarden Euro in den Schuldenabbau fließen. Allerdings sind auch wieder neue Schulden in diesem Jahr von drei Milliarden Euro geplant, sodass sich die Nettoverbindlichkeiten gleich wieder auf rund 26 Milliarden Euro erhöhen werden. Die Schulden kosten den Konzern viel Geld. Allein 2024 wuchs der operative Zinssaldo von 558 auf 689 Millionen Euro. Nach Zinsen steht beim Betriebsergebnis ein eklatanter Verlust von rund einer Milliarde. Auch vor Steuern und Zinsen ist das operative Geschäft weiter defizitär, das Ebit verringerte sich aber auf minus 333 Millionen Euro nach zuvor fast 2,2 Milliarden Euro Verlusten. Die Verbesserung ist indes maßgeblich Zahlungen des Bundes für die Infrastruktur und Instandhaltung zu verdanken, die der Konzern vorgeschossen hatte.

Einziger Lichtblick: der Regionalverkehr

Die DB Infra-Go AG, die das Netz verwaltet, konnte so rund 2,5 Milliarden höhere externe Erlöse verbuchen und ein Ebit von 226 Millionen Euro ausweisen (nach noch mehr als 1,2 Milliarden Euro Verlust im Jahr zuvor). Weiter tiefrote Zahlen schreibt dagegen der Güterverkehr der DB Cargo mit minus 357 Millionen Euro. Im Fernverkehr stiegen die Verluste der ICE-Flotte von 43 auf 96 Millionen Euro, allein 200 Millionen Euro Entschädigungen mussten an Kunden gezahlt werden. Einziger Lichtblick ist der hoch bezuschusste Regionalverkehr, die DB Regio steuerte aus den roten Zahlen und weist 108 Millionen Euro Betriebsgewinn aus.

Trotz der Milliardenverluste haben sich die Bezüge der acht Bahn-Konzernvorstände 2024 auf 10,1 Millionen Euro fast verdoppelt. Ein Sprecher erklärt das auf Nachfrage unserer Redaktion damit, dass 2023 keine variablen Vergütungen gezahlt werden durften, weil der Konzern von der Strompreisbremse profitierte. Allerdings zeigt die Bilanzanalyse, dass sich auch die festen Vergütungen der Bahn-Spitze trotz der Einsparprogramme massiv erhöht haben. So stieg das Festgehalt von Bahn-Chef Lutz um mehr als 40 Prozent auf 1,4 Millionen Euro und inklusive der erfolgsabhängigen Boni auf 2,14 Millionen Euro. Das ist rund eine Million Euro mehr als 2023, damals hatte Lutz insgesamt 1,16 Millionen Euro erhalten.

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