Die beiden Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain lassen trotz eines soliden Gewinns wichtige Fragen offen. Nicht nur die Zukunft der Postbank ist bisher in der Schwebe.
Frankfurt - Die Deutsche Bank hat das Jahr 2014 besser abgeschlossen als von vielen Experten erwartet. Mit 1,7 Milliarden Euro nach Steuern lag der Gewinn um mehr als eine Milliarde Euro höher als im Jahr zuvor. Dennoch schränkte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen in einer Telefonkonferenz ein, dass die Bank trotz deutlicher Fortschritte noch nicht so profitabel sei, wie sie sein könnte. Zwar reagierten die Anleger gestern mit einem Kurssprung auf die überraschend guten Zahlen, doch der aktuelle Aktienkurs liegt noch unter dem Wert, bei dem die Doppelspitze im Juni 2012 die Konzernführung übernommen hatte. Es gebe „keinen Grund, sich auszuruhen“, sagte Fitschen denn auch. „Die Belastung durch Rechtsstreitigkeiten ist nach wie vor zu hoch.“
Mehr als 6000 Fälle beschäftigen die Juristen der Bank, die Rückstellungen dafür wurden 2014 auf 3,2 Milliarden Euro erhöht. Und Finanzchef Stefan Krause deutete an, dass man damit nicht einmal alles habe tun können, was man gern getan hätte – im Endeffekt könnten die Belastungen also noch größer ausfallen.
Fitschen und Jain riskieren keinen Ausblick auf 2015
Vor diesem Hintergrund und dem noch immer schwierigen Umfeld für die Branche wagten die Bank-Chefs denn auch keinen Ausblick auf das laufende Jahr. Im zweiten Quartal wollen Fitschen und Anshu Jain die neue Strategie vorstellen, mit der sie die Bank auf das veränderte Umfeld einstellen und den Anschluss zur Weltspitze halten wollen. Welche Veränderungen dabei zu erwarten sind, wollte die Spitze am Donnerstag aber noch nicht verraten.
Alle Spekulationen, etwa über eine Verkauf der Postbank oder die Abspaltung des Privatkundengeschäfts, seien zu früh, es seien noch keine Entscheidungen gefallen. Fitschen machte allerdings deutlich, dass es in der nächsten Zeit darum gehen wird, die Kosten zu senken. „In diesem schwierigen Umfeld ist Kostendisziplin zwingend erforderlich. Und wir sind keineswegs zufrieden, wo wir bei den Kosten stehen.“ Auf Jahressicht musste die Deutsche Bank in den vergangenen zwölf Monaten rund 87 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen - inklusive Kosten für Rechtsstreitigkeiten und Abbau von Altlasten. Das ist deutlich mehr als bei manchem Wettbewerber. Damit droht wohl ein neuer Stellenabbau bei den derzeit gut 98 000 Vollzeitkräften.
Unklar ist aber, wie weit der Umbau in die Struktur der Bank eingreifen wird. Zwar betonten sowohl Fitschen als auch Jain, dass man das Konzept der Universalbank für richtig halte, doch sei es auch mit den höchsten regulatorischen Anforderungen verbunden. Der Streit zwischen den Investmentbankern und „klassischen“ Bankern könnte in der Strategiediskussion durchaus wieder aufflammen. Dies vor allem, weil das Investmentbanking im vergangenen Jahr deutlich besser abgeschnitten hat als erwartet und auch als manche Mitbewerber. Im Privat- und Firmenkundengeschäft dagegen brach der Gewinn um 15 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro ein. Das lag aber hauptsächlich an dem Urteil des Bundesgerichtshofs, in dem Bearbeitungsgebühren für unzulässig erklärt worden waren. Allein dafür musste die Deutsche Bank im Gesamtjahr rund 450 Millionen Euro zurückstellen. Die Postbank rutschte deshalb im vierten Quartal in die roten Zahlen. Das Geschäft leidet zudem unter den historisch niedrigen Zinsen.
Das Investmentbanking ist erfolgreich
Ganz anders dagegen die Erfolge der Bank im Investmentbanking zum Jahresende. Vor allem im wichtigen Anleihehandel konnte das Institut Marktanteile gewinnen. Dass sich die Deutsche Bank auf ihr Kerngeschäft verlassen kann, war nach enttäuschenden Zahlen der großen US-Rivalen nicht vorhersehbar, dürfte Jain aber bestärken. Er will den Rückzug etlicher europäischer Banken aus dem kapitalzehrenden Geschäft für die Deutsche Bank nutzen. Im Schlussquartal lieferten die Investmentbanker einen Vorsteuergewinn von 516 (Vorjahr: 132) Millionen Euro ab. Jain hofft, dass die Schwankungen an den Märkten besonders in Europa auch im neuen Jahr helfen. Das erste Quartal, traditionell das stärkste im Anleihehandel, sei gut angelaufen.
Grundsätzlich zeigten sich Jain und Fitschen mit den bisherigen Fortschritten zufrieden. „Die Deutsche Bank ist heute eine fundamental andere Bank als zu Beginn unseres Weges. Trotzdem liegen noch einige Herausforderungen vor uns“, sagte Jain. Und auch Fitschen betonte, dass man mit der jetzigen Kapitalausstattung „deutlich sicherer“ aufgestellt sei als früher.