Bilanz der Landesfirma Neckarpri Das Defizit nach dem EnBW-Deal nimmt ab

Der Umbau der EnBW trägt Früchte – hier der Windpark Baltic 2 in der Ostsee. Foto: dpa

Mit dem Aktiencoup wollte Stefan Mappus die schwäbische Hausfrau begeistern. Doch seine Rechnung ging bis jetzt nicht auf. Nun steigt der Wert der Konzernanteile fast wieder auf den Einstandspreis. Doch in der Finanzierung klafft noch eine Lücke.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Der Satz von Stefan Mappus gehört längst zu den geflügelten Worten der Landespolitik. „Die schwäbische Hausfrau wird begeistert sein“, meinte der CDU-Ministerpräsident, als er im Dezember 2010 seinen EnBW-Deal verkündete. Wenn das Land knapp die Hälfte der Anteile an dem Karlsruher Energiekonzern von den Franzosen zurückerwerbe, finanziere sich das praktisch von alleine: Die Zinsen für die Anleihen über gut fünf Milliarden Euro ließen sich mit der Dividende bezahlen, am Ende bleibe sogar noch etwas übrig.

 

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Mappus’ Rechnung ging bekanntlich nicht auf. Kurz nach seinem Überraschungscoup am Landtag vorbei, der später als Verfassungsbruch gewertet wurde, kam es zur Atomkatastrophe von Fukushima und in der Folge zum deutschen Atomausstieg. Für die schwäbische Hausfrau begann damit eine lange Leidenszeit: Die EnBW-Anteile verloren massiv an Wert, bis knapp zur Hälfte im Jahr 2016. Zugleich reichte die Dividende nicht mehr aus, um die Zinsen zu bezahlen. Nur eine Garantie des Landes und Zuschüsse in dreistelliger Millionenhöhe bewahrten die Landesfirma Neckarpri, die die Aktien hielt, vor dem Aus.

Hoffnung für die schwäbische Hausfrau

Nun aber, da der Umbau des Konzerns unter dem Vorstandschef Frank Mastiaux Früchte trägt, kann sich die schwäbische Hausfrau zusehends entspannen. Schon seit 2017 geht es wieder aufwärts mit dem Wert der EnBW-Aktien, der alljährlich im Auftrag der Neckarpri von Wirtschaftsprüfern ermittelt wird. Im jetzt veröffentlichten Jahresabschluss für das neunte Geschäftsjahr setzt sich diese Trendwende fort: Auf gut fünf Milliarden Euro taxieren die Prüfer jene knapp 47 Prozent der Anteile, für die Mappus einst 5,25 Milliarden Euro bezahlte. Die Lücke zwischen dem Einstandspreis und dem heutigen Wert, einst fast 2,6 Milliarden Euro, reduziert sich damit auf 229 Millionen Euro. Pro Aktie entspricht das einem Wert von 38,83 Euro – nicht mehr weit entfernt von jenen 40 Euro zuzüglich Dividende, die das Land Anfang 2011 an die Électricité de France (EdF) überwiesen hatte. Fünf Jahre später war der Wert auf ein Tief von 20,70 Euro abgesackt. Für die Differenz übernahm das Land jeweils eine Garantie, sonst hätte die Neckarpri ihre Beteiligung massiv abwerten müssen.

Das Kalkül, die Zinskosten aus der Dividende zu bezahlen, geht zwar immer noch nicht auf. Aber die zeitweise weit geöffnete Schere zwischen den beiden Posten schließt sich allmählich. Zum einen gelang es der Neckarpri, die Zinsen für die Anleihen zu senken. Man nutze ein historisches Tief, hatte Mappus Ende 2010 seine Eile begründet. Tatsächlich sanken die Zinsen weiter und näherten sich dem Nullpunkt. Für durchschnittlich zwölf Jahre hat sich die Neckarpri heute das niedrige Niveau gesichert; damit sei man gut gegen einen Zinsanstieg gewappnet. Der bleibe freilich ein „nicht unerhebliches Risiko“, heißt es wie stets im Geschäftsbericht.

Der Fehlbetrag sinkt auf ein Drittel

Umgekehrt geht es bei der EnBW-Dividende wieder aufwärts. Nach einem Jahr, in dem die Ausschüttung ganz gestrichen war, wurden zunächst 50 Cent je Aktie gezahlt; zuletzt waren es 65 Cent für das Geschäftsjahr 2018. Damit habe man Erträge von 84 Millionen Euro verbuchen können, bilanziert die Neckarpri. Dem standen Zinskosten von gut 93 Millionen Euro gegenüber. Unterm Strich erwirtschaftete die Landesfirma daher einen Fehlbetrag von 9,8 Millionen Euro – noch knapp ein Drittel des Defizits vom Vorjahr (29,5 Millionen Euro). Erst bei einer Dividende von 73 Cent würden die Kreditkosten komplett abgedeckt. Auch im laufenden Geschäftsjahr rechnet die Neckarpri noch nicht damit. Jeder Cent mehr Dividende, rechnet sie vor, würde den Fehlbetrag um 1,3 Millionen Euro reduzieren.

Um die Landesfirma zu stabilisieren, erhielt sie Zuschüsse aus Steuermitteln – erst 123 Millionen Euro, dann rund 94 Millionen Euro pro Jahr. Aktuell sind davon bereits 17 Millionen Euro geflossen, wodurch sich die äußerst knappe Eigenkapitalrendite geringfügig verbesserte – von 0,08 auf 0,22 Prozent. Die übrigen 77 Millionen Euro sollen noch im laufenden Jahr abgerufen werden. Dann aber soll Schluss sein mit den Zuschüssen. Im Etatentwurf für die beiden nächsten Jahre seien keine weiteren Zahlungen vorgesehen, sagt eine Sprecherin des Finanzministeriums auf Anfrage.

Auch darüber dürfte die schwäbische Hausfrau erleichtert sein.

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