Bilanz der Lebensmittelkontrolleure Kontrolleure finden museumsreifes Ekeltier

Überraschung in den Frühstücksflocken: Die tote Fledermaus war sicher einer der spektakulärsten Funde, die Lebensmittelkontrolleure in der Stadt gemacht haben. Mehr Fotos von Funden aus 2012 sehen Sie in der Fotostrecke. Foto: Stadt Stuttgart 11 Bilder
Überraschung in den Frühstücksflocken: Die tote Fledermaus war sicher einer der spektakulärsten Funde, die Lebensmittelkontrolleure in der Stadt gemacht haben. Mehr Fotos von Funden aus 2012 sehen Sie in der Fotostrecke. Foto: Stadt Stuttgart

Die Fledermaus aus den Cornflakes war 2012 ein spektakulärer Einsatz: Für regelmäßige Kontrollen in allen Lebensmittelbetrieben in der Stadt haben die Stuttgarter Lebensmittelkontrolleure nach wie vor zu wenig Personal.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - Es ist zwar selten lustig, was Lebensmittelkontrolleure von ihrer Arbeit zu berichten haben. Doch Thomas Stegmanns, der Chef der Kontrolleure, sorgt trotzdem für ein paar Lacher, wenn er die Bilanz des Jahres 2012 präsentiert. Zum Beispiel die Geschichte von der kleinen toten Fledermaus in den Cornflakes: ein Bürger brachte die Packung zur Dienststelle für Lebensmittelüberwachung, Verbraucherschutz und Veterinärwesen. Die Nachforschungen ergaben, dass das Flatterwesen nicht bei der Frühstücksflockenherstellung in die Schachtel geraten war, sondern erst im Haushalt des Verbrauchers hinein gekrochen war. Also gab es keinen Grund, gegen den Hersteller einzuschreiten. Nur, wohin mit dem toten, mumifizierten Tier? Ab ins Museum: in Rotterdam ist die Frühstücksfledermaus nun zu bewundern. Dort ist sie im Naturhistorischen Museum in der Abteilung „Tote Tiere mit einer Geschichte“ ausgestellt.

58 Betriebe mussten geschlossen werden

So ein gutes, fast schon heiteres Ende haben längst nicht alle Fälle, die in der Dienststelle bearbeitet werden. Immerhin mussten die Kontrolleure von 4504 Betrieben, die sie sich anschauten, bei 2022 eine Beanstandung aussprechen. Diese könne im einfachsten Fall eine Anordnung, einen Missstand zu beseitigen, bedeuten. Im schlimmsten Fall könne das aber auch heißen, dass ein Betrieb geschlossen werden muss, so Stegmanns. 2012 traf dies 58 Betriebe. Als Beispiel nannte der Leiter der Lebensmittelüberwachung eine Bäckerei, bei der ein Kunde Mäusekot im süßen Stückle entdeckt hatte. „Dass da nicht mal nur eine Maus durchgehuscht ist, ist klar“, so Stegmanns. Auch dass in einem Betrieb, der Unterlegscheiben im Brot einbackt, Schimmel in der Spülmaschine und ein gammeliges Kühlhaus zu finden waren, endete mit der Schließung des Betriebs.

Personalmangel: Nur 39 Prozent der Betriebe wurden überprüft

Gefunden wurden die Ekelfakten bei der Überprüfung von nur 39 Prozent der Betriebe – das ist seit Jahren die niedrigste Kontrollquote, 2011 waren es noch 46 Prozent, 2010 noch 53 Prozent. Die Dienststelle leide nach wie vor unter Personalmangel. Von 18 Stellen waren im vergangenen Jahr 14 besetzt. In diesem Jahr hat das Land eine weitere Stelle bewilligt, doch Fachkräfte sind nur 15 im Dienst. Ein Teil der Stellen ist mit Auszubildenden besetzt. Zurzeit bildet die Stadt acht neue Kontrolleure aus.

„Das Problem ist, dass die Leute sehr schnell abgeworben werden“, sagt der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Das Gehalt sei zu gering, um die Fachleute in der Stadt zu halten. „Nur eine bessere Bezahlung könnte helfen“, sagt Schairer, so wie das zurzeit auch für Erzieher in Stuttgart diskutiert werde. Die Amtstierärztin Eike Drees erzählt, was sonst geschehen kann: „Bei einem Termin in einem Metzgereibetrieb bot der Chef meinem Kollegen 1000 Euro mehr, als er bei uns bekommt. Man kann ihm natürlich nicht böse sein, wenn er uns verlässt“, sagt sie.




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