Bilanz der Stuttgarter Museen 2014 Linden-Museum ist der große Gewinner

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Das vergangene Jahr war kein besonders erfolgreiches für die Stuttgarter Museen. Für die großen Häuser war es schwierig, an das Erfolgsjahr 2013 anzuknüpfen, sie haben einen starken Besucherrückgang zu verkraften. Das Linden-Museum allerdings erwies sich als Besuchermagnet.

Das Interesse am Linden-Museum in Stuttgart ist 2014 um mehr als elf Prozent gestiegen. Foto: Michael Steinert
Das Interesse am Linden-Museum in Stuttgart ist 2014 um mehr als elf Prozent gestiegen. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Es ist das Tor zur großen, weiten Welt – jedenfalls dann, wenn entweder die finanziellen Mittel oder die Zeit nicht ausreichen, um mal eben in den Flieger zu steigen und andere Kontinente zu erleben. Das Interesse des Publikums am Stuttgarter Linden-Museum war auch im vergangenen Jahr wieder ungebrochen. Die kulturellen und geschichtlichen Hintergründe aus der weiten Welt sind ein Publikumsmagnet: Das Linden-Museum ist der große Gewinner in der Besuchergunst des Jahres 2014. Hatte man im Jahre 2013 noch 103.453 Besucher gezählt, waren es im vergangenen Jahr 115.250 Besucher – ein Anstieg um 11,4 Prozent. Es war das besucherstärkste Jahr seit 1994 und die Inka-Ausstellung die erfolgreichste Sonderausstellung in der Geschichte des Linden-Museums. Sie zählte insgesamt 103.857 Besucher, davon 59 590 im Jahr 2014. Die Sonderausstellung „Myanmar – Das Goldene Land“ (seit 18. Oktober 2014, läuft noch bis 17. Mai 2015) haben bis Ende des Jahres 16.195 Besucher gesehen.

Die Inka-Ausstellung war das Zugpferd im Jahr 2014

„Die Sonderausstellungen haben ein großes Interesse nach sich gezogen, besonders die Inka-Ausstellung war ein Erfolg“, sagt die Direktorin des Linden-Museums, Inés de Castro. Die Inkas wurden in den Völkerkundemuseen bisher wenig bedacht, europaweit war die Stuttgarter Ausstellung eine der ersten. Eigenen Umfragen zufolge seien 60 Prozent der Museumsbesucher im vergangenen Jahr extra für die Inka-Ausstellung in die Stadt gekommen, sagt de Castro. „Das ist für unser Haus ein unheimlich großes Lob. Endlich bekommt das Linden-Museum auch die Bedeutung, die ihm zusteht“, sagt die Museumsdirektorin.

Von einem gesteigerten Besucheransturm kann das Kunstmuseum nur träumen: Im vergangenen Jahr sank die Besucherzahl auf 115 673 – gegenüber dem Jahr 2013 ein Minus von 18,1 Prozent. Für diesen Einbruch hat die Direktorin des Kunstmuseums, Ulrike Groos, allerdings eine plausible Erklärung: „Wir mussten 2014 aufgrund der Baumaßnahmen am Oberlichtband am Kleinen Schloßplatz über mehrere Wochen komplett oder teilweise unseren Sammlungsbereich schließen. Die Besucherzahl 2014 lässt sich daher nicht mit den Vorjahren vergleichen.“ 2013 war mit den Ausstellungen zu Otto Dix und Willi Baumeister eines der erfolgreichsten Jahre überhaupt des Museums (141 200 Besucher) und ein positiver Ausreißer, heißt es. Allerdings ist das Museum für das laufende Jahr positiver gestimmt, sagt Groos: „Das Museum wird zehn Jahre alt, deswegen finden besondere Ausstellungen und Veranstaltungen im Rahmen unseres Jubiläumsthemas Kunst und Musik statt.“

Sonderausstellungen sollen mehr Besucher locken

Nicht nur das Kunstmuseum musste 2014 einen Besucherrückgang verzeichnen, auch das Interesse an anderen Museen wie der Staatsgalerie, dem Naturkundemuseum, dem Haus der Geschichte oder dem Landesmuseum ist stark gesunken. Wirklich besorgt zeigt sich aus den Häusern allerdings niemand, denn man ist sich einig: 2013 war ein extrem erfolgreiches Jahr mit interessanten Sonderausstellungen auf der ganzen Linie. Daran anzuknüpfen sei von vorneherein schwierig gewesen. Auf Sonderausstellungen will auch das Schweinemuseum in diesem Jahr setzen: Kamen im Jahr 2013 noch 42 600 Besucher, wollten im vergangenen Jahr nur 32  205 Besucher die mehr als 50 000 Exponate im Museum sehen. Trotz eines Einbruchs der Besucherzahlen um 24,4 Prozent zeigt sich das Museum mit dem Ergebnis zufrieden – besonders darüber, dass einige Besucher das Museum mit neuen Exponaten bereicherten.

Stuttgart ist und bleibt auch eine Autostadt – das zeigt sich bei den Besucherzahlen der beiden örtlichen Automuseen aus dem vergangenen Jahr. Sowohl das Mercedesmuseum als auch das Porschemuseum sind mehr als zufrieden mit dem Besucherandrang. Verglichen zum Vorjahr sind in die beiden Einrichtungen jeweils rund 10 000 Besucher mehr geströmt als im Vorjahr. Für das Porschemuseum war 2014 somit das besucherstärkste Jahr seit dessen Eröffnung im Jahre 2009. Sicherlich hat dem Automuseum dabei auch in die Karten gespielt, dass zum Geburtstagswochenende Ende Januar 2014 der Eintritt für die Besucher frei war; und auch die Rückkehr des Autoherstellers zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans im vergangenen Juni lockte viele Besucher zum ersten Public Viewing nach Zuffenhausen. Das Event wird in diesem Jahr wiederholt, man hoffe auf noch mehr Rennbegeisterte, teilte die Pressestelle mit. Das Mercedesmuseum schaffte es 2014 auf mehr als 710 000 Besucher – und in dieser Zahl sind noch nicht einmal die 50 000 Zuschauer einbezogen, die Ende November zu der „Stars and Cars“-Veranstaltung nach Untertürkheim kamen, um dort den Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton zu feiern.

Die nächste lange Nacht der Museen findet am 14. März statt.

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