Bilanz des Stuttgarter Hauptzollamts Plagiate sind so einträglich wie Drogen

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Am Flughafen fangen die Zollbeamten immer mehr gefälschte Markenartikel ab – im vergangenen Jahr zum Beispiel mehrere Hundert Paar Turnschuhe. Für die Verkäufer ist der Handel mit Plagiaten laut Zoll so lohnend wie das Geschäft mit Drogen.

Die Suchhündin Twenty spürt Drogen im Reisegepäck auf. Foto: Achim Zweygarth
Die Suchhündin Twenty spürt Drogen im Reisegepäck auf. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Wäre der bunte Berg echt, er wäre viel Geld wert: Schuhe in allen möglichen Pastell- und Neonfarben haben die Zollbeamten aufgeschichtet, um zu zeigen, welche Betrügereien sie im vergangenen Jahr unter anderem aufgedeckt haben, in diesem Fall den Handel mit plagiierten Markenturnschuhen. „Der Verkauf der Plagiate hat mittlerweile eine Gewinnspanne wie der Drogenhandel“, sagt Sven Westphal, der Abfertigungsleiter des Hauptzollamts am Flughafen Stuttgart. In diesem Bereich hat die Behörde einen bemerkenswerten Anstieg der Fälle zu melden: Die Zahl der sichergestellten Gegenstände ist von 3180 im Jahr 2012 auf 27 900 Stück im vergangenen Jahr in die Höhe geschnellt. „Das heißt nicht unbedingt, dass der Handel mit gefälschten Markenprodukten auch in diesem Umfang zugenommen hat“, erläutert Angelika Kaag, die Leiterin des Hauptzollamts.

„Wir hatten viele Aufgriffe mit hohen Stückzahlen“, sagt sie über die Entwicklung. So wurden im Februar mehrere Hundert nachgemachte Smartphones aus dem Verkehr gezogen, und auch die Zahl der falschen Turnschuhe gehe in die Hunderte. Wobei bei den Sneakern keine Kisten mit einer Lieferung erwischt werden, sondern immer wieder Pakete mit ein, zwei Paaren. „Oft bestellen die Kunden die Schuhe im guten Glauben, dass es sich um Originale handelt, im Internet“, sagt Jan Westphal. Diese Pakete zu erkennen und aus dem Verkehr zu ziehen, ist dann Aufgabe des Zolls.

Kontrollen auf den Großbaustellen in der Region

Das Hauptzollamt hat aber noch eine Reihe von anderen Aufgaben zu erledigen, am Flughafen und an vielen anderen Stellen in der Stadt. Die Finanzkontrolle obliegt dem Zoll ebenfalls, dazu gehört die Schwarzarbeit auf den Baustellen. „Wir haben natürlich jede Menge Großbaustellen mit Stuttgart 21, dem Böblinger Flugfeld, Milaneo und Gerber, da müssen wir immer ein Auge drauf haben“, sagt Angelika Kaag. Die Beamten untersuchen, auf welcher Baustelle eventuell Bauleute ohne Fachkenntnisse eingesetzt sein können. „Beim Tunnelbau zum Beispiel brauchen sie jemand, der sich auskennt. Aber zum Abriss eines Parkhauses, wie hier auf dem Flughafengelände, können sie auch unausgebildete Kräfte nehmen“, sagt Oliver Czarny, der Leiter der Finanzkontrolle. Wo viele Kräfte ohne Fachkenntnis vermutet werden, schaut der Zoll genau hin. Die Zahl der wegen Schwarzarbeit eingeleiteten Strafverfahren bewegte sich mit 2500 Fällen etwa auf dem Niveau der Vorjahre.

Eine gute Entwicklung zeichne sich durch die Zusammenarbeit mit anderen Behörden bei der Kontrolle von Taxi- und Mitwagenfahrern ab. Bei mehreren gemeinsamen Großkontrollen mit der Polizei und Vertretern der Behörden, die die Konzessionen ausstellen (Landratsamt Esslingen und Stadt Stuttgart) machte der Zoll Jagd auf Sozialversicherungsbetrüger. In der Folge dieser Kontrollaktionen haben die Verwaltungen Listen eingeführt, in denen die Taxibetriebe festhalten müssen, welcher Mitarbeiter wann einen Wagen gefahren habe. „Das erleichtert uns den Nachweis natürlich sehr“, sagt Czarny.

Bei der Suche nach illegal ins Land gebrachten Waffen, Drogen und seit neuestem auch Devisen setzt der Zoll auf die guten Nasen seiner Diensthunde. Der Rüde Xarit ist mit Euro-, Dollar- und Frankennoten ausgebildet, hat aber auch schon iranisches Geld im Koffer erschnüffelt. Bargeld im Wert von 2,73 Millionen Euro haben die Beamten des Hauptzollamts vergangenes Jahr abgefangen. Beim Rauschgift ist auf die Nasen der Diensthunde ebenfalls Verlass: Aufgespürt wurden bei Gepäckkontrollen insgesamt 332 Gramm Haschisch, 2900 Gramm Marihuana und 460 Gramm Schlafmohn.

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