Bilanz: Heilbronner Bundesgartenschau Das Sommermärchen geht zu Ende
In Heilbronn ist man sich einig: Die Bundesgartenschau war ein großer Erfolg. Es kamen 2,3 Millionen Besucher in die Stadt, mehr als erwartet.
In Heilbronn ist man sich einig: Die Bundesgartenschau war ein großer Erfolg. Es kamen 2,3 Millionen Besucher in die Stadt, mehr als erwartet.
Heilbronn - Das Heilbronner Sommermärchen geht zu Ende: Die Bundesgartenschau schließt am 6. Oktober, zum Schluss wird noch einmal kräftig gefeiert. Gründe dafür gibt es genug. Der Slogan „Heilbronn blüht auf!“ blieb kein hohles Werbeversprechen, auch die Heilbronner sind aufgeblüht. Schon kurz nach der eher unterkühlten Eröffnung durch den Bundespräsidenten herrschte eine Stimmung auf der Buga und in der Stadt von heiterer Gelassenheit, Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit, die man nun unbedingt erhalten möchte.
Das neue Wohnquartier Neckarbogen, in dem letztlich 3500 Menschen leben und 1000 Arbeitsplätze entstehen sollen, hat sich etabliert, und der neuen Neckaruferpark, wo zuvor auf einer Bundesstraße täglich 30 000 Fahrzeuge unterwegs waren, hat sich bewährt. Und offenbar hat die Buga die Außenwahrnehmung der Stadt verbessert. Drei Umfragen haben ergeben: 98 Prozent der Besucher waren sehr zufrieden, fast genauso viele wollen wiederkommen. Der Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas nennt weitere positive Zahlen: Durchschnittlich geben Buga-Besucher 12 bis 15 Euro aus, in Heilbronn war die Summe doppelt so hoch. Deshalb und nicht zuletzt dank der 92 500 verkauften Dauerkarten (einkalkuliert waren 30 000, Heilbronn hat 125 000 Einwohner) blieb das mehrfach prognostizierte finanzielle Fiasko aus. Ob und wie viel die Stadt von zehn Millionen Euro braucht, die als Reserve eingeplant waren, wird erst die Abrechnung Mitte 2020 ergeben.
Die 2,3 Millionen Besucher konnten in Hängematten entspannen, Ausflüge mit Kind und Kegel, Decke und Picknickkorb machen, Kunst- und Kultur genießen. Kalkuliert hatte man mit 2,2 Millionen Gästen. Der Mut, erstmals eine Bundesgartenschau mit einer Stadtausstellung zu verbinden, wurde zu einem Erfolgsfaktor. Der neue Stadtteil Neckarbogen mit 23 Häusern, wo schon 600 Menschen wohnen, zog eine mediale Aufmerksamkeit auf sich, wie sie Heilbronn noch nie hatte – dank anspruchsvoller Architektur, verbunden mit moderner Mobilität, neuen Wohnformen und Baustoffen, für die das derzeit höchste Holzhaus „Skaio“ steht. Aber noch wichtiger als die Zahlen, versicherte Faas in seiner vorläufigen Bilanz, sei, dass sich die Menschen wohlgefühlt und schöne Tage erlebt hätten.
Dass die Bundesgartenschau auch ein Kinderparadies war, lag nicht nur am freien Eintritt. Drei mustergültige Spielplätze, auch in ästhetischer Hinsicht, waren Attraktionen, sie bleiben auch in Zukunft stehen. Die 800 Angebote des „Bunten Klassenzimmers“ nahmen mehr als 3000 Schulklassen mit mehr als 50 000 Kindern wahr. Sie liebten die Sommerinsel, die Grashügel und Dünen zum Kullern und Versteckspielen. Diese werden plattgemacht, aber ein kleiner Sandstrand am Karlssee bleibt. Eigentlich war dort das Baden verboten, bei heißem Wetter drückte man aber ein Auge zu und gab eine Uferzone frei. Es bleibt auch der zweite neu angelegte See (Floßhafen).
Die Wasserspiele an beiden Seen zogen die Massen an, 400 000 Menschen seien es gewesen, sagt Faas. Dass sie stets mit einem Werbeblock für Heilbronn als „Lidl-Land“ konfrontiert waren, ließ sich wohl nicht vermeiden. Und was wird aus Karl, dem Buga-Zwerg? Nicht alle aus der großen Armee haben überlebt, sie wurden gestohlen oder massakriert. Faas sagt, die Nachfrage sei immer noch groß, man werde alle Exemplare verkaufen.
Dreimal wurde während der Bundesgartenschau der Blumenflor auf dem Gelände gewechselt, es begann mit einer Million Tulpenzwiebeln im Frühling. 249 Bäume wurden gefällt, 964 Bäume neu gepflanzt, dazu 1700 Pappeln als Schattenspender, die jetzt zu Holzpellets verarbeitet werden. Das ganze Ereignis kostete gut 190 Millionen Euro.
Jochen Sandner, der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft, stellte als Fazit fest, Heilbronn habe die Meßlatte für künftige Bundesgartenschauen sehr hoch gelegt. Die Beschicker haben nur vier Tage Zeit zum Räumen, dann kommen die ersten Bagger.
Zwölf Jahre Planung und Bauzeit hat die Buga in Heilbronn in Anspruch genommen. 173 Tage sind die Tore geöffnet gewesen, wenn sie Anfang Oktober schließen. 40 Hektar groß ist das Gelände und damit eher klein. Es gab Gartenschauen schon auf 200 Hektar.
Eine Million Blumenzwiebeln wurden gesteckt und zahllose Frühjahrsblüher gepflanzt. Zu sehen waren weitere 100 000 Stauden, etwa 5000 Rosenstöcke und rund 1000 Bäume.
Die Buga wird die angepeilten 2,2 Millionen Besucher wohl leicht übertreffen – und dies obwohl die rund 92 000 Dauerkarten nur jeweils einmal gezählt worden sind. Von den Tagesausflüglern kamen 70 Prozent aus Baden-Württemberg, 17 Prozent aus den benachbarten Bundesländern, rund ein Prozent aus dem Ausland, vor allem aus der Schweiz.
Die höchste Gästezahl einer seit 1951 alle zwei Jahre an wechselnden Orten stattfindenden Buga erreichte die damals sogenannte Internationale Gartenbauausstellung (IGA) in München 1983 mit 11,5 Millionen Besuchern. 1975 in Mannheim waren es 8,1 Millionen Gäste gewesen. Zur Buga 2017 in Berlin waren hingegen nur 1,6 Millionen Besucher gekommen. Die nächste Bundesgartenschau findet 2021 in Erfurt statt.