Die Athleten haben sich 16 Tage lang auf den Sport konzentriert
Es ist nicht ganz klar, mit welchen Olympia-Teilnehmern Martin Lessenthin gesprochen hat, vor Ort war jedenfalls nie davon die Rede, dass sich jemand ausgenutzt oder unmündig vorkäme. Schließlich wussten alle, die nach China gereist sind, auf was sie sich einlassen. Unfair wäre nun, den Athleten vorzuwerfen, dass sie sich 16 Tage lang auf ihre Kernkompetenz fokussiert haben: Medaillen holen, Finalplätze sichern, an die Leistungsgrenze gehen.
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Weil dies naturgemäß nicht immer gelingt, bietet sich Stoff für Diskussionen. Vor allem aus deutscher Sicht. Das Team D hat sich gut geschlagen, Rang zwei in der Länderwertung belegt (Zwölf Mal Gold/zehn Mal Silber/fünf Mal Bronze) und fast das Rekordergebnis von Pyeonchang 2018 erreicht (14/10/7). Vielen, die den Kampf um Medaillen für zu nationalistisch, chauvinistisch und egoistisch geprägt halten, ist das wohl ziemlich egal. Man kann es aber auch anders sehen – schließlich steckt reichlich Steuergeld im System.
Beim Wintersport ist das Team D nicht wirklich breit aufgestellt
Der Bund fördert den Spitzensport mit rund 300 Millionen Euro pro Jahr. Und erwartet dafür Ergebnisse. Die diesmal recht einseitig verteilt waren. Wer auf den Medaillenspiegel schaut, könnte meinen, Deutschland sei ein Volk der Bobfahrer, Rodler und Skeletonis. Drei Viertel der Goldmedaillen gab es im Eiskanal, was viele Probleme überdeckt – im Wintersport, der bei weitem nicht so breit aufgestellt ist, wie es die Verantwortlichen gerne suggerieren. Aber auch darüber hinaus.
Die Herausforderungen sind enorm. Schon vor der Coronakrise fehlte es dem deutschen Sport an Talenten, die bereit sind, für eine Karriere viel zu opfern, es fehlte an kompetenten Trainern und Ehrenamtlichen. Und die Pandemie hat diese missliche Lage noch verschärft. Bereits im ersten Jahr verloren die Sportvereine 800 000 ihrer 27 Millionen Mitglieder, die Konkurrenz der digitalen Medien und Spiele ist gewaltig. Vorbilder im Spitzensport könnten helfen, Orientierung zu geben. Umso wichtiger wäre, dass es nicht nur im Eiskanal glatt läuft.
Der DOSB ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist sich der Schwere dieser Aufgabe bewusst, ob er die richtigen Mittel findet, ist fraglich. Zuletzt beschäftigte sich der DOSB in einer veritablen Führungskrise vor allem mit sich selbst, und auch sonst geht es zuvorderst um Strukturen, Bürokratie und Potenzialanalysen.
Nach einer Aufbruchsstimmung, die bitter nötig wäre, hört sich das nicht an. Ein Weg könnte sein, die wichtigsten Protagonisten viel mehr einzubinden als bisher. Der Verein Athleten Deutschland hat sich während der Winterspiele immer wieder mit klugen Ideen, Äußerungen und Forderungen positioniert. Viele Sportler sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Auch wenn das außerhalb der Olympia-Blase nicht alle mitbekommen haben.