Bilanz Umweltbonus Daimler profitiert nur wegen des Smart

Von Yannik Buhl 

Der staatliche Umweltbonus soll dafür sorgen, dass endlich mehr Elektroautos unterwegs sind. Nach zweieinhalb Jahren zeigt sich: Die Regierung hat ihr Ziel weit verfehlt. Und bisher hat sich die Prämie nicht für alle Hersteller gelohnt.

Der Umweltbonus hat sich beim E-Smart bemerkbar gemacht. Foto:  
Der Umweltbonus hat sich beim E-Smart bemerkbar gemacht. Foto:  

Stuttgart - Der Umweltbonus ist ein zentraler Baustein in der Umweltpolitik der Bundesregierung. Die Regierung will damit ihr Ziel von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis zum Jahr 2022 erreichen und so auch den Kohlendioxid-Ausstoß im Verkehr senken – der ist seit 1990 nicht mehr gesunken. Mit dem Umweltbonus bezuschusst der Staat deshalb Menschen, die ein Elektroauto, einen Plug-in-Hybrid oder ein Auto mit Brennstoffzelle anschaffen.

Regierung verfehlt Förderziel

Für Autos von bis zu 60 000 Euro gibt es aus der Staatskasse zwischen 1500 und 2000 Euro, die Autohersteller geben mindestens denselben Betrag dazu. Kürzlich hat die Bundesregierung den Umweltbonus bis Ende 2020 verlängert, er sollte ursprünglich diesen Monat auslaufen. Nach rund drei Jahren stellt sich nun eine Reihe von Fragen: Wie erfolgreich ist das Instrument, erfüllt es seine Ziele? Wer profitiert davon? Und welche Antriebsarten werden besonders gerne mit staatlichem Zuschuss gekauft?

Ein erster Blick auf die Zahlen zeigt: Die Bundesregierung hat ihr Etappenziel von 300 000 geförderten Autos bis Juni 2019 deutlich verfehlt. Seit dem Start der Prämie im Frühjahr 2016 sind insgesamt gerade einmal 120 071 Anträge eingegangen. „Die Zahl steigt stetig an – zwar langsamer, als wir das erhofft hatten, aber umso wichtiger ist es, Kontinuität bei der Förderung zu gewährleisten“, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium, das beim Umweltbonus federführend ist. Man habe stets betont, dass „ein Bündel von Maßnahmen“ zusammenwirken müsse: der Umweltbonus, die Förderung von Ladeinfrastruktur und Steuervergünstigungen.

Gewinner ist BMW

Auch von einer Million Elektroautos ist Deutschland weit entfernt. Zum 1. Januar 2019 waren knapp über 80 000 Autos zugelassen. Daran hat auch der Umweltbonus zunächst kaum etwas geändert: Die Anträge für reine Batterieautos stiegen nur langsam, ebenso wie die Nachfrage nach geförderten Plug-in-Hybriden.

Doch seit etwa einem Jahr zieht die Nachfrage nach geförderten Elektroautos gegenüber den Plug-in-Hybriden deutlich an. „Das hat damit zu tun, dass die Modelle ausländischer Hersteller deutlich besser geworden sind, was die Reichweite angeht“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Die Antragszahlen zum Umweltbonus machen auch die mitunter schwierige Situation der deutschen Autobauer auf dem Markt der schadstofffreien oder -armen Autos anschaulich. Großer Gewinner der Prämie über alle Hersteller hinweg ist BMW. Der bayerische Autobauer verdankt das vor allem seinem erfolgreichen, kleinen Modell i3. Es liegt beim Umweltbonus weit vorne, relativ dicht gefolgt von Renaults Zoe und dem E-Golf von VW. Besonders drastisch ist aber der Unterschied im Vergleich der drei deutschen Premiumhersteller Daimler, BMW und Audi.

Plug-in-Hybrid weniger beliebt als Batterie

Hier zeigt sich, dass Daimler zwar den zweiten Platz hinter BMW belegt und seit Einführung des Umweltbonus auch stark zugelegt hat. Zieht man aber den Elektro-Smart ab, sinken die Förderzahlen für Mercedes-Benz-Modelle drastisch ab. Das erfolgreichste Stuttgarter Fahrzeug ist dann – weit abgeschlagen – die E-Klasse 350e, ein Plug-in-Hybrid. Bei Daimlers derzeit einzigem, reichweitenstarken Batteriefahrzeug, dem EQC, beginnt erst die Auslieferung. Ähnlich ist die Situation bei Audi: Die Plug-in-Hybrid-Version des A3 ist hier am häufigsten gefördert worden, allerdings auch nur in eher geringen Mengen.

Was sagen die drei Premiummarken dazu? Natürlich befürworte man Kaufprämien, heißt es rundherum. „Eine Kaufprämie ist erwiesenermaßen ein effizientes Instrument, um den Markt für Elektrofahrzeuge zu stimulieren“, heißt es bei BMW. Daimler betont dagegen die Bedeutung der Plug-in-Hybride in seiner Flotte, auch wenn diese gemessen an den Zahlen des Umweltbonus im Vergleich zu Elektroautos weniger nachgefragt werden.

Andere Anreize setzen

Kritik am Umweltbonus gibt es immer wieder. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer etwa glaubt, er gehe „völlig am Markt vorbei“, weil das Angebot an Elektroautos in dem Bereich überschaubar sei. „Außerdem kann man nicht parallel weiter den Diesel subventionieren“, sagt Dudenhöffer. So lohne sich der Umstieg auf ein E-Auto kaum – auch nicht mit 4000 Euro Zuschuss. Er plädiert für steuerliche Anreize, etwa über eine niedrigere Mehrwertsteuer.

Auch die Opposition im Bundestag hat Verbesserungsvorschläge zum Umweltbonus in der Schublade. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Cem Özdemir (Grüne), forderte anlässlich des Autogipfels, den Umweltbonus zu verdoppeln. Finanziert werden soll das über die Kfz-Steuer, bei der Özdemir ein Bonus-Malus-System vorschwebt. Spritschluckende Autos würden demnach mehr bezahlen, sparsame weniger.

Zumindest bis Ende 2020 wird der Bonus jedoch in jetziger Form bestehen bleiben. Es wird sich zeigen, ob die Maßnahme doch noch dabei hilft, mehr saubere Autos auf Deutschlands Straßen zu bringen. Für Ferdinand Dudenhöffer ist sie aber jetzt schon nur „eine Fußnote im Übergang zu einer neuen Mobilität“.