Stuttgart - Der Wert der Anteile des Landes am Energiekonzern EnBW hat sich weiter erholt. Er liegt inzwischen nur noch gut eine Milliarde Euro unter den mehr als 5,2 Milliarden, die der frühere Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) vor acht Jahren in einer Geheimaktion bezahlt hatte. Dies ergibt sich aus der am Freitag veröffentlichten Bilanz der Landesfirma Neckarpri, die die Aktien hält. Dafür wurde der Anteil von knapp 47 Prozent an der EnBW – die andere Hälfte halten mehrere Landkreise – wie jedes Jahr von Wirtschaftsprüfern bewertet.
Mit 2,6 Milliarden Euro, etwa der Hälfte des Kaufpreises, hatte der EnBW-Wert im Jahr 2016 seinen bisherigen Tiefpunkt erreicht. Im Folgejahr wurden die Anteile bereits auf 3,5 Milliarden Euro beziffert. Nun verbessert sich der Wert erneut um weitere knapp 660 Millionen Euro. Dies entspricht einem Aktienkurs von etwa 32 Euro. Bezahlt hatte Mappus um die 40 Euro. Aus Sicht der beim Finanzministerium angebundenen Neckarpri bestätigt sich damit die 2017 eingeleitete „Trendwende“.
Hohe Strompreis helfen der EnBW
Für die „positive Entwicklung“ sieht die Neckarpri mehrere Gründe. So sei die Nettoverschuldung der EnBW gesunken, unter anderem durch die Abgabe von Minderheitsanteilen an Offshore-Windkraftanlagen. Durch eine „Erholung der Strompreise“ hätten sich die Geschäftsperspektiven verbessert; seit einem Tief von unter 30 Euro je Megawattstunde im Jahr 2016 stiegen diese zeitweise auf mehr als 50 Euro. Daneben gebe es weitere günstige Bewertungseffekte, unter anderem durch verminderte Kapitalkostensätze.
Trotz des immer noch erheblichen Wertverlusts des Aktienpakets muss die Neckarpri keine Abschreibung vornehmen. Der Grund: Durch eine Garantie des Landes wird die Gesellschaft von Werthaltigkeitsrisiken freigestellt. Auch bei der Finanzierung des EnBW-Rückkaufs entspannt sich die Lage für das Land etwas. Mappus hatte angekündigt, die Zinsen für die Milliardendarlehen würden durch die Dividende mehr als gedeckt. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima und dem anschließenden Atomausstieg in Deutschland ging diese Rechnung nicht mehr auf. Für das Geschäftsjahr 2016 hatte der Energiekonzern die zuvor schon reduzierte Dividende erstmals vollständig gestrichen. In der Folge erwirtschaftete die Neckarpri einen Fehlbetrag von fast 118 Millionen Euro. Dieser wurde erstmals durch einen Landeszuschuss von 123 Millionen Euro ausgeglichen. Für 2017 bezahlte die EnBW wieder eine Dividende von 50 Cent je Aktie. Für die Neckarpri summiert sich dies auf einen Betrag von knapp 65 Millionen Euro. Dem stehen Zinsaufwendungen von gut 93 Millionen Euro gegenüber. Unterm Strich ergibt sich daraus ein deutlich reduzierter Fehlbetrag von knapp 30 Millionen Euro. Gleichwohl zahlte das Land erneut einen Zuschuss von 94 Millionen Euro in die Kapitalrücklage der Neckarpri. Deren Eigenkapitalquote ist mit 0,08 Prozent nach wie vor sehr gering.
Nach Ausfall wieder eine Dividende
Neckarpri zufolge liegt die durchschnittliche Dividendenrendite mit 1,2 Prozent deutlich unter dem Durchschnittszins für die Darlehen von 1,8 Prozent. Jedoch ist es der Landesfirma gelungen, die Darlehenskosten deutlich zu senken. So wurde eine Inhaberschuldverschreibung über eine Milliarde Euro mit einem Zinssatz von gut 2,8 Prozent im Jahr 2017 vorzeitig verlängert; der neue Zinssatz: 0,59 Prozent. Im Anstieg der Kreditkosten sieht die Neckarpri ein „nicht unerhebliches Risiko“; durch die langfristige Finanzierung habe man sich dagegen aber gut abgesichert.
Überschüsse bleiben das Ziel
Auch für das laufende Geschäftsjahr rechnet die Landesfirma, die von dem einstigen LBBW-Analysten Bernhard Jeggle geführt wird, mit einem negativen Ergebnis. Die Zinsaufwendungen könnten aller Voraussicht nach nicht vollständig aus den Dividendenerträgen bezahlt werden, heißt es in ihrem Ausblick. Dafür wäre eine Dividende von 73 Cent je Aktie notwendig. Die Höhe der künftigen Ausschüttung ist noch offen; da es der EnBW inzwischen deutlich besser geht, könnte es Spielraum für eine Anhebung geben. Mittelfristig geht das Land weiterhin davon aus, dass der Energiekonzern nach der Neuausrichtung so hohe Erträge erwirtschaften wird, dass die Neckarpri Überschüsse erzielt.