Bilanz zum Nahverkehr in Stuttgart Ohne Rettungsschirm stünde die SSB im Regen

Dank dem Rettungsschirm von Bund und Land und Hilfen der Stadt hat die Stuttgarter Straßenbahnen AG finanziell 2020 die Kurve genommen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Dank dem Rettungsschirm von Bund und Land und Hilfen der Stadt hat die Stuttgarter Straßenbahnen AG finanziell 2020 die Kurve genommen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit 94,3 Millionen Euro fuhr die Stuttgarter Straßenbahnen AG im Pandemiejahr 2020 einen Horrorverlust ein. Bund, Land und Stadt halfen das Defizit zu begrenzen.

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Stuttgart - Die Coronapandemie hat bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) 2020 zunächst zu einem katastrophalen Jahresergebnis geführt. Mit 94,3 Millionen Euro wäre die SSB wegen fehlender Fahrgäste und gleichzeitig hoher Investitionen und pandemiebedingter Hygieneaufwendungen ins Minus gerutscht. Aus dem Keller holten sie Bund und Land mit ihrem Rettungsschirm für den öffentlichen Nahverkehr. Die SSB profitierte hier mit 47 Millionen Euro. Die städtische Holding SVV, in der Aktienerlöse angelegt und auch Gewinne der Hafengesellschaft und Stadtwerke gebündelt werden, schoss weitere 20 Millionen Euro an den städtischen Nahverkehrsbetrieb zu. Damit liegt der Jahresabschluss 2020 mit einem Minus von 27,3 Millionen Euro um 600 000 Euro besser als 2019. „Wir gehen davon aus, dass wir auch 2021 Gelder aus dem Rettungsschirm benötigen und erhalten werden“, sagt der Kaufmännische Vorstand Mario Laube. Eingeplant sind zunächst 22,8 Millionen Euro.

Weiter hohe Investitionen

Die Erlöse sanken 2020 um 49,7 Millionen Euro oder 16,1 Prozent. Im Berufsverkehr, dem mit 42,9 Prozent Anteil an den Fahrgeldeinnahmen stärksten Segment, musste die SSB einen Rückgang von 30 Prozent hinnehmen. Im so genannten Gelegenheitsverkehr lag er sogar bei 43,5 Prozent. Hier wirkten sich 2020 die langen Schließungen im Handel, bei Kultur, Sport und Gastronomie aus. Nur die Nachtbusse blieben während der Pandemie im Depot, ansonsten hielt die SSB praktisch ihr komplettes Angebot aufrecht. „Unserer Mitarbeiter nehmen ihre systemrelevante Aufgabe erst“, so Arbeitsdirektorin Sabine Groner-Weber. Der Personalaufwand betrug 210,8 Millionen Euro.

Bei den Investitionen flossen 52,6 Millionen Euro in die Infrastruktur der Stadtbahn (verlängerte U 6), 20 Millionen in den verlegten Halt Staatsgalerie, 16,3 Millionen in die Busflotte. Dazu kamen rund 706 000 Euro für eine Wasserstofftankstelle und rund 170 000 Euro für einen neuen Fahrsimulator. Trotz Pandemie wird auch weiterhin viel investiert. Ausgeschrieben ist die Lieferung von bis zu 80 Bussen und 40 Stadtbahnen für geschätzt 160 Millionen Euro. „Gut funktionierender attraktiver Nahverkehr ist für Stuttgart weiterhin ein wichtiger Teil der Lösung. Wir strengen uns an, genau das zu bieten“, so SSB-Vorstandssprecher Thomas Moser.




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