Bild des Ex-Regierungschefs Mappus’ Rückkehr in die Staatskanzlei

Zufrieden mit seinem Bildnis: Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus Foto: dpa
Zufrieden mit seinem Bildnis: Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus Foto: dpa

Vor sieben Jahren musste er die Villa Reitzenstein verlassen, nun ist der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) wieder da – und zwar für immer in Form eines Gemäldes in der Ahnengalerie. Zur Enthüllung kehrte er leibhaftig zurück.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
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Stuttgart - Es ist ein Gemälde, das zu Interpretationen einlädt. Die Hände von Stefan Mappus greifen, erstaunlich plastisch, über den aufgemalten Rahmen hinaus. Über seinem Kopf hat der Maler Jan Peter Tripp ungewöhnlich viel Raum gelassen. Fast scheint es, als wolle der einstige Ministerpräsident gleich aus dem Bild steigen, um im Staatsministerium wieder seinen Geschäften nachzugehen.

Das passt zur Stimmungslage von Mappus (52), der an diesem Freitag zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder in die Villa Reitzenstein gekommen ist. Im Beisein seiner Ehefrau, eines der beiden Söhne und seines Nachfolgers Winfried Kretschmann (Grüne) wird das Porträt enthüllt, das jedem baden-württembergischen Regierungschef nach dem Abschied zusteht. Sieben Ehemalige hängen schon an der Wand, der CDU-Mann ist der achte.

Zu jung für die Ahnengalerie

Es sei „ein ambivalentes Gefühl, Teil einer solchen Galerie zu sein“, bekennt Mappus, der sich äußerlich wenig verändert hat; nur Brille trägt er nun öfter. Eigentlich fühle er sich noch zu jung dafür, hatte der Pforzheimer schon zuvor verraten, zumal der amtierende MP fast zwanzig Jahre älter sei. Entgegen allen Spekulationen sei es für ihn aber nie eine Frage gewesen, sich für die Porträtgalerie malen zu lassen. Schließlich sei es ihm eine „große Ehre“ gewesen, für das Land wirken zu dürfen. Er habe allerdings „keine besondere Eile“ gehabt, auf diese Weise verewigt zu werden.

Kretschmann bleibt beim vertrauten „Du“, das ihn mit Mappus verband, als beide noch Fraktionschef waren. „Lieber Stefan“, sagt er mehrmals, „lieber Winfried“, erwidert der Angesprochene. Für ihn sei es schon das zweite Mal, dass er ein solches Porträt enthülle, erinnerte der Grünen-Premier: Vor zwei Jahren war Günther Oettinger dran, neben dessen Konterfei die Künstlerin ein Einschussloch gemalt hatte. Es solle symbolisieren, wie angreifbar Politiker seien, hieß es damals.

Keine Würdigung seines Wirkens

Zu Mappus hätte das Loch noch besser gepasst, angegriffen wurde er weit mehr als Oettinger. Mit dem Polizeieinsatz am Schwarzen Donnerstag in Stuttgart und dem EnBW-Deal am Landtag vorbei hatte er seinen Kritikern reichlich Munition geliefert – und sich letztlich selbst aus dem Amt geschossen. Der Atomunfall von Fukushima wenige Tage vor der Wahl besiegelte die Niederlage. Doch von alldem redet bei der Enthüllung niemand. Kretschmann vermeidet jede politische Würdigung, anders als bei Oettinger, den er etwa für seine Verdienste um die Schuldenbremse gelobt hatte. Nur die kurze Amtszeit des Nachfolgers von gerade mal 15 Monaten lässt sich natürlich nicht umgehen. Ob man ihm das glaube oder nicht – im Nachhinein wolle er „keinen einzigen Tag missen“, beteuert Mappus gleich zweimal. „Lieber 15 Monate MP als nie MP“, hatte er bereits kurz nach seiner Abwahl 2011 verkündet. Das fanden viele Christdemokraten doch arg egozentrisch von einem Mann, der die Macht der Partei in Baden-Württemberg nach Jahrzehnten verspielt hatte.

Mappus lässt seine Zukunft offen

Auch der im Elsass lebende Maler Tripp (72), der schon Lothar Späth porträtiert hatte, meidet jede Wertung. „Der Maler ist kein Richter“, sagt er, „er urteilt nicht.“ Auf Nachfragen erzählt Tripp, dass er sich Mappus’ Krawatte als „Trophäe“ gesichert habe. So halte er es immer, berichtet der stets krawattenlose Künstler.

Mappus zeigt sich hochzufrieden mit dem Bildnis. Er fühle sich „gut getroffen“, Tripp sei „einfach einer der absolut Besten“. Launig plaudert er über die Entstehung des Gemäldes: Bei einem Spaziergang im Elsass sei man an einem Weingut Mappus vorbeigekommen. Kein Wunder: Seine Vorfahren, die Hugenotten „Mappüß“, seien einst aus Frankreich eingewandert. Das nutzt er zu einem Appell an die Politiker, bei wirklich politisch Verfolgten doch etwas großzügiger zu sein. Nur eine Frage lässt der inzwischen als IT-Manager tätige Ex-Premier wie stets offen. Ob der Platz in der Ahnengalerie bedeute, dass das Kapitel Politik für ihn abgeschlossen sei? „Schauen wir mal, was das Leben noch bringt.“

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